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Celle Stadt Die Suche nach der perfekten Königin
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Die Suche nach der perfekten Königin
16:00 11.06.2019
Von Michael Ende
Auf der Suche nach der perfekten Königin:Christoph Hartmann mit seiner Tochter Hannah in Celle. Quelle: Stefan Arndt
Celle

Der erste Honig ist noch gar nicht geerntet, aber Christoph Hartmann hat schon einmal eine Probe an einer Wabenecke genommen. Sein Ergebnis: „Es schmeckt unglaublich: Nichts ist so gut wie eigener Honig.“ Vor einem Jahr hat der 47-Jährige damit angefangen, Bienen zu halten. Nun möchte er seine kleine Imkerei etwas vergrößern – möglichst mit Bienen, die wenig stechen, viel Honig erzeugen und lange gesund bleiben. Dafür braucht er vor allem eine Königin, die diese guten Eigenschaften in ihrem Volk verbreitet.

Gute Bienen braucht das Land

Gemeinsam mit seiner achtjährigen Tochter Hannah hat Hartmann sich daher aus Gifhorn auf den Weg nach Celle gemacht. Am Bieneninstitut, das hier seit 1927 im Herzen der Stadt beheimatet ist, werden sie den Grundstoff für die starken Völker von morgen bekommen. Alljährlich zwischen Mai und Juni wählen die Celler Profis besondere Völker aus, deren Larven sie kostenlos an interessierte Hobbyimker abgeben. Aus den Larven können die Imker an ihren eigenen Bienenständen Königinnen ziehen, die mit der erlesenen Genetik aus Celle ausgestattet sind. Auf diese Weise, so hofft man am Bieneninstitut, kann man die Qualität der Imkerei im ganzen Land anheben.

Larven für Laien

Das Institut für Bienenkunde in Celle besteht seit 1927 und ist heute Teil des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Zu seinen Aufgaben gehören Qualitätskontrollen von Honig und Wachs, die Ausbildung von Berufsimkern sowie die Verbesserung und Weiterentwicklung der Haltungsbedingungen. Anders als etwa bei Kühen und Schweinen sind davon auch viele Laien betroffen – Bienenhaltung ist in Deutschland vor allem eine Freizeitbeschäftigung: Weniger als 1 Prozent aller Imker arbeiten hauptberuflich mit den Bienen. In Celle unterstützt man die Laien durch zahlreiche Kursangebote – und durch die Abgabe von ausgewählten Larven.

Gelée royale für Prinzessinnen

Königinnen wachsen aus denselben Eiern, aus denen auch die gewöhnlichen Arbeiterinnen entstehen. Allerdings werden künftige Monarchinnen besonders gepflegt: Sie werden im fünftägigen Larvenstadium ausschließlich mit besonders proteinhaltiger Nahrung gefüttert, dem Gelée royale. Ein Volk beginnt mit der Nachzucht einer neuen Königin, wenn es stark genug ist, um sich zu vermehren, also zu schwärmen. Dabei zieht die alte Königin mit der Hälfte der Bienen aus dem bisherigen Stock aus und sucht sich ein neues Zuhause. Die übrigen Bienen bleiben mit der noch nicht geschlüpften jungen Königin zurück.

Schwärmen für den Nachwuchs

Imker versuchen, das Ausschwärmen künstlich vorwegzunehmen. Denn Bienen haben in freier Wildbahn keine guten Überlebenschancen. Für einen künstlichen Schwarm nutzen die Bienenhalter die Larven aus Celle, die Carl-Christian Rosenau am Bieneninstitut ausgibt. Der 23-jährige Tierwirt der Fachrichtung Imkerei holt die winzigen Larven dafür aus den Zellen einer Wabe und legt sie in kleine Plastik- oder Wachsnäpfchen, die die Besucher mitgebracht haben und später in ihre eigenen dafür vorbereiteten Völker hängen können.

Riesenandrang am Umlarvtag

Die Arbeit erfordert höchste Konzentration. Die Larven sind klein und empfindlich, Rosenau muss sie mit einem kleinen Löffel an genau der richtigen Stelle aufnehmen, um sie nicht zu verletzen. Übung hat er dabei inzwischen genug: An einem Tag werden in Celle im Schnitt 2300 Larven ausgegeben. Diese sogenannten Umlarvtage haben am Institut lange Tradition – so viel Andrang wie in diesem Jahr habe es noch nie gegeben, sagt Maike Kakuschke, die die Ausgabe organisiert. Man habe mit sechs Terminen bereits einen zusätzlichen Umlarvtag angeboten. „Trotzdem musste ich Interessenten absagen, das hat es bis jetzt noch nie gegeben“, sagt Kakuschke.

Imkerei als Familiengeschichte

Das Bieneninstitut hat mit dem seit Jahren anhaltenden Boom der Imkerei sein Gründungsziel erreicht: 1927 wurde es aufgebaut, um dem Niedergang der Imkerei entgegenzuwirken, der mit dem damaligen Rückgang der Heidefläche in der Region zusammenhing. Der Bezug zur traditionellen Heideimkerei mit ihren Bienenkörben hat auch Christoph Hartmann neben der Aussicht auf ruhige Bienen nach Celle gelockt. „Mein Urgroßvater war Imker – das war in unserer Familie all die Jahre präsent“ sagt er. Er freut sich, dass er am Bieneninstitut nun wieder tiefere Einblicke in die Imkerei gewinnen kann. Ob der Urlaubstag, den er für den Ausflug zum Institut für Bienenkunde investiert hat, sich auch für seine eigene kleine Imkerei gelohnt hat, wird er allerdings erst in gut zwei Wochen wissen. Dann erst zeigt sich, ob die Aufzucht der königlichen Larven aus Celle wie gewünscht funktioniert hat.

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