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Celle Stadt „Celle ist eine Märchenstadt“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Celle ist eine Märchenstadt“
14:25 31.10.2018
Quelle: Anke Schlicht
Celle

Rollentausch im Kunstmuseum: Die Damen, die üblicherweise Lichtkunst erklären, stehen über den Ausstellungsraum verteilt am Rand. Kuratorin Julia Otto und ihre Kolleginnen bewachen ihre an den Wänden hängenden Kunstschätze. Nicht ohne Grund. Mehr als 30 ambitionierte Tänzer haben Einzug gehalten in die Hallen des Lichts, ihre Schuhe und Taschen unter den Bildern abgestellt und richten nun ihre volle Aufmerksamkeit auf die Frontfrau.

„Take your position, 5, 6, 7, 8 …“, unterweist Margarida Martins ihre Tanzschüler. „Margarida hat die Show für die Fußball-Europameisterschaft in Portugal einstudiert“, berichtet Fernando Vieira. Auch er steht abseits des Geschehens, obwohl er die Hauptperson ist. „Straße und Licht, diese Mischung liebe ich, und die bringe ich zusammen“, erzählt der deutsch-brasilianische Künstler. Was sich dahinter verbirgt, können die Celler am 1. Dezember, ab 18 Uhr live erleben. Vieiras „Vagalume-Lichterparade“ ist ein Programmpunkt der Weihnachtsstadt Celle unter der Regie der Celle Tourismus und Marketing.

Am Montagabend treffen alle Akteure zum ersten Mal aufeinander, aber die Bewerbungsphase für alle, die die Performance als Darsteller mitgestalten möchten, läuft schon seit einigen Wochen. Da akrobatische oder tänzerische Vorbildung unerlässlich ist, richtete sich der Aufruf an entsprechende Einrichtungen. „Wir tanzen beim Zirkus Knalltüte nicht, aber ich finde es trotzdem relativ einfach“, zieht die elfjährige Mia in der Pause eine erste Zwischenbilanz. „Für Außenstehende sehen die Schrittfolgen und Bewegungsabläufe schwierig aus, aber für geübte Tänzer sind sie es nicht“, erläutert der 20-jährige Christopher von der Tanzschule „Body Talk“. Er begibt sich nach der kurzen Auszeit nicht wieder aufs Parkett, Vieira holt ihn zur Kostümprobe.

Der Performance-Künstler hat die erste Tanz- und Choreographie-Runde genutzt, um zu beobachten. „Ich schaue auf Körpersprache, wie sich die Teilnehmer bewegen und zu wem welches Kostüm passt.“ Alle Verkleidungen sind überaus aufwendig und phantasievoll gestaltet und handgefertigt, teilweise Träume aus Tüll und Taft mit Flügeln – natürlich besetzt mit „Vagalume“, was auf Portugiesisch Glühwürmchen bedeutet. Kein Teilnehmer wird abgewiesen. „Die Menschen, die in den Kostümen stecken, sind mir wichtig, das wird eine Parade von Cellern für Celle“, sagt Vieira.

Jede seiner Shows hat ihr eigenes Gesicht. Vor 20 Jahren kam er nach Deutschland, hat seine Events bereits in Köln und Berlin inszeniert. Von seiner neuen Wirkungsstätte zeigt er sich sehr angetan. Dass ihm der „Ort, wo das Licht zu Hause ist“, wie Julia Otto das Kunstmuseum nennt, gefällt, überrascht wenig, aber ihn begeistert das Gesamtpaket: „Celle ist eine Märchenstadt.“

Sein nächster Besuch ist für den 30. November geplant, dann nimmt er in Augenschein, ob seine Darsteller zu Hause mit Hilfe des Videos, das alle zugeschickt bekommen, fleißig geübt haben, es findet eine Generalprobe statt. Und am 1. Dezember wird sich zeigen, ob die paradierenden Glühwürmchen die Celler so faszinieren wie das Casting Darsteller und Zuschauer. Die elfjährige Mia spricht für alle Beteiligten, wenn sie sagt: „Ich habe schon öfter getanzt, aber so viel Spaß hat es mir noch nie gemacht.“

Von Anke Schlicht

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