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Celle Stadt Celler Kinder in Lüneburg ermordet
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Kinder in Lüneburg ermordet
14:22 28.06.2013
Von Andreas Babel
Diese Stolpersteine sollen an die Ermordung von mindestens 56 behinderten Kindern im Hamburger Kinderkrankenhaus - Rothenburgsort erinnern. Nach ihrem Vorbild könnten auch in Celle an den jeweiligen Wohnorten der getöteten Kinder Stolpersteine verlegt werden. Links ein Porträt des Mädchens Hanna T., ungefähr 1932. Das Mädchen war Patientin in der „Kinderfachabteilung“ Lüneburg und verstarb dort am 26. Januar 1944 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wie Eckart Willumeit und Werner - Wolters im Rahmen der „Kinder-Euthanasie“. (Quelle: NLA Hauptstaatsarchiv Hannover Hann. 155 Lüneburg Acc. 56/83 Nr. 435) Quelle: Andreas Babel
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Eckart Willumeit und Werner Wolters tauchen in keinem Familien-Stammbaum auf. Die beiden in Celle aufgewachsenen Kinder sind 1942 von Ärzten in der „Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg“ ermordet worden. Eckart war 13, Werner erst 4, als die Mediziner ihnen eine Überdosis des Schlafmittels Luminal spritzten. Für die Nazis waren behinderte Menschen ohne Wert, sie bezeichneten sie als „unnütze Esser“.

Der Historikerin Carola S. Rudnick ist es gelungen, diesen beiden getöteten Kindern ihre Namen zurückzugeben – mehr als 70 Jahre nach ihrer Ermordung. Dass in der als „Kinderfachabteilung“ Lüneburg mehr als 300 meist geistig behinderte Kinder während der NS-Zeit umgebracht worden sind, war schon länger bekannt. Auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik Lüneburg erinnert heute eine Gedenk- und Bildungsstätte an ihr Schicksal.

Zwölf bereits 2006 vom damaligen Doktoranden Marc Burlon (Hamburg-Blankenese) gefundene Präparate von sezierten Kinderleichen am Universitäts-Klinikum Eppendorf konnten nun eindeutig Lüneburg zugeordnet werden. Anhand von dortigen Sektionsbüchern und Patientenakten ist nun klar, von welchen getöteten Patienten diese Gehirnschnitte stammen.

Diese Präparate sollen am 25. August während der Einweihung einer Gedenkanlage auf dem damaligen Anstaltsfriedhof, dem heutigen Friedhof Nord-West, in Lüneburg beigesetzt werden.

Die Historikerin Rudnick von der Bildungs- und Gedenkstätte „Opfer der NS-Psychiatrie“ sucht Angehörige dieser Kinder, um sie zur Beisetzung einzuladen und eventuell mehr über die Lebensumstände der Familien zu erfahren. Im Fall von Werner Wolters wird das schwierig werden, denn das Kind lebte nur kurz in Celle. Es wurde am 1. Mai 1938 als Kind des Landarbeiters Georg und dessen Frau Herta Henriette Anna Wolters geboren. Die Familie zog später nach Ahrenfeld in den Kreis Hameln-Pyrmont um.

Über die Familie von Eckart Willumeit war innerhalb zweier Tage mehr in Erfahrung zu bringen: Eckarts Vater war der Malermeister Gottlieb Willumeit, der nach der Wahl vom 17. November 1929 bis zur Neuwahl am 12. März 1933 für die NSDAP dem damaligen Celler Stadtrat angehörte. „Obwohl danach dann 14 statt 2 Nationalsozialisten dem Bürgervorsteherkollegium angehörten, war Willumeit nicht mehr dabei. Eventuelle Gründe kann ich auf die Schnelle nicht ,ermitteln‘“, sagte Historiker Reinhard Rohde gestern auf Anfrage.

Gottlieb Willumeit war bei der Geburt seines vierten Kindes am 21. Juni 1928 bereits 44 Jahre alt. Seine zweite Frau Marie Willumeit bereits 43 Jahre alt. Beide Eheleute waren in jeweils zweiter Ehe miteinander verheiratet, weiß Dorothee Heinichen, die nach dem Kriege mit Familie Willumeit an der Trift 24 im damaligen Landratshaus zusammenwohnte. Sie erinnert sich an zwei ältere Brüder und eine Schwester, die nach England geheiratet habe.

Im Familienstammbaum der Willumeits, den eine Enkelin des Gottlieb-Bruders Ernst Willumeit verwahrt, stehen als Kinder von Gottlieb und seiner ersten Frau Else Habermann lediglich die drei Söhne Helmut (geboren am 16. Februar 1913), Werner und Wolfgang. Im Adressbuch des Jahres 1955 taucht Werner Willumeit als Feinmechaniker an der Spörckenstraße 85 auf, der Buchhalter Helmut Willumeit an der Karolinenstraße 22.

Bis in die 1940er-Jahre hinein lebte die Familie an der Mühlenstraße in der Nähe der Allerbrücke, wie Dorothee Heinichen und Otto Taxweiler wissen. Von Eckart, der bis 1937 hier lebte, haben beide indes nie etwas gehört.

Kontakt: Angehörige können sich bei Carola S. Rudnick unter s (04138) 510131 oder per E-Mail an c-rudnick@t-online.de melden.