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Celle Stadt Celler Leih-Oma greift einer Familie unter die Arme
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Leih-Oma greift einer Familie unter die Arme
17:03 25.05.2018
Quelle: Marie Nehrenberg
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Celle Stadt

Vom Spielfeldrand aus beobachtet Stephanie Castro, mit ihrem jüngsten Sohn Samuel auf dem Arm, wie ihre Kinder und die „Leih-Oma“ sich ein packendes Duell liefern, von taktischen Anweisungen und lautem Lachen begleitet. „Es ist eine tolle Idee“, beginnt sie zu erzählen. „Die Großeltern der Kinder leben nicht in der Nähe, da fehlt eine Oma manchmal schon“. Und als Stephanie Castro im vergangenen Herbst von der Aktion des DRK-Ortsvereins Celle hörte, stand schnell fest: Die Sache ist einen Versuch wert. Und so kam Elisabeth Suoka kurz vor den Herbstferien das erste Mal ins Haus der Castros und wurde mit offenen Armen empfangen. „Die Kinder waren gar nicht scheu“, erinnert sie sich. „Sie kamen gleich neugierig auf mich zu.“ So blieb als größte Herausforderung, schnellstmöglich die Namen der Geschwister zu lernen. Während Suoka freudig von ihren Erlebnissen mit ihren neu gewonnenen Enkeln spricht, buhlen diese um ihre Aufmerksamkeit. „Guck mal Frau Suoka, ich hab eine Banane als Süßigkeit“, ruft Tiago mit einem fröhlichen Grinsen im Gesicht.

„Schmeckt die Banane denn auch wie eine echte Banane, oder nur nach Zucker?“, will sie von ihm wissen. „Nein, nach Banane“, versichert der aufgeweckte Vierjährige. Währenddessen setzt Gabriel das Fußballspiel von draußen im Wohnzimmer fort. „Bei Gabriel konnte Frau Suoka punkten, als sie ihm erzählt hat, dass sie früher selber Fußball gespielt hat“, lacht die Mutter des Nachwuchskickers. Und auch Frieda hat eine besondere Lieblingsbeschäftigung, wenn die Leih-Oma da ist. „Ich spiele mit ihr gerne ein Gesellschaftsspiel, das macht immer viel Spaß“, erzählt sie. Es ist zu spüren, dass Suoka sich große Mühe gibt auf jedes Kind einzugehen. „Meine Enkelkinder sind inzwischen fast erwachsen, ich habe aber einfach gerne Kinder um mich herum. Das macht mir jedes Mal aufs Neue große Freude“.

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Beobachtet man die Familie und ihre Ersatz-Oma, merkt man sofort: Das passt und hat für alle Beteiligten enorme Vorteile. „Wir haben viele Anfragen von Familien, die sich Ähnliches wünschen“, sagt Suoka. Jedoch fehle es bislang an potenziellen Großeltern. „Wir suchen dringend Senioren, die sich vorstellen können, in die Rolle einer Großmutter oder eines Großvaters zu schlüpfen. Auch ein Großeltern-Pärchen wäre eine tolle Sache.“ Wichtig sei, dass das Projekt des DRK keinen Babysitter vermittelt und sich dazu auch niemand verpflichtet fühlen soll. Die Leih-Großeltern sollen regelmäßig zu ihrer Familie kommen, um für einige Stunden mit den Kindern zu spielen und an deren Alltag teilhaben. „Ich bin im Normalfall einmal in der Woche für einen Nachmittag hier“, berichtet die Siebzigjährige von ihren Erfahrungen. Auf diesen besonderen Tag in der Woche freuen sich die Kinder. „Frau Suoka ist sogar manchmal ein Ansporn, die Hausaufgaben schnell fertig zu machen, damit keine Zeit verschwendet wird, wenn sie erst einmal da ist“, schmunzelt die vierfache Mutter.

Die Regelmäßigkeit sei wichtig, damit ein Vertrauensverhältnis entstehen könne. Es müsse auch niemand Angst haben vor zu viel Verantwortung oder Überforderung. „Es gibt ja auch Familien mit weniger als vier Kindern, da ist für jeden die passende Herausforderung dabei“, lacht die Rentnerin und winkt dem kleinen Samuel zu, der sie freudig anschaut. Für weitere Worte bleibt dann auch keine Zeit mehr. Die drei Großen rufen von draußen nach ihrer neu gewonnenen Oma. Das Fußballspiel soll fortgesetzt werden. Und das macht mit Frau Suoka in der Mannschaft schließlich am allermeisten Spaß.

Von Marie Nehrenberg