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Celle Stadt Celler Mitmenschen in Not: Geigenspiel als Stück Normalität
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Mitmenschen in Not: Geigenspiel als Stück Normalität
17:58 29.06.2018
Von Dagny Siebke
Quelle: Dagny Siebke
Celle Stadt

GROSS HEHLEN. Am liebsten spielt Melanie Finke (Name geändert) "Arielles Wellenreise" von Andrea Holzer-Rhomberg. Bei diesem ruhigen und ausdrucksvollen Musikstück klingt ihre Geige besonders schön. Ihre Musiklehrerin Beate Anschütz begleitet sie dazu auf dem Klavier. Der Geigenunterricht gibt der 29-Jährigen Struktur im Alltag und bereichert ihr Leben.

Die Cellerin hat das Trauma ihrer Kindheit nicht überwunden und leidet unter einer Persönlichkeitsstörung, die sie im Leben immer wieder ins Trudeln bringt. Melanie Finkes Alltag ist stark eingeschränkt. Lange Zeit wohnte sie im Carl-Böttcher-Haus, einem Heim für Menschen mit psychischen Erkrankungen. "Ich vergleiche mich nicht gern mit Gleichaltrigen, denn vieles schaffe ich einfach nicht", sagt Finke selbstkritisch. Da sie bislang noch keine Berufsausbildung hat, ist es ihr nicht möglich den Musikunterricht selbst zu finanzieren. Dank der CZ-Aktion "Mitmenschen in Not" kann sie einmal wöchentlich ihre musikalischen Fähigkeiten verbessern, denn sie träumt davon, irgendwann einmal in einem Orchester zu spielen.

"Der Geigenunterricht bedeutet mir sehr viel – er gibt mir Hoffnung für die Zukunft und begleitet mich auf dem langwierigen Weg zu einem selbstbestimmten Leben", sagt Melanie Finke. Ihr fehlte ein behütetes Zuhause. Bei ihrer Mutter besteht der Verdacht auf das Münchhausen-Stellvertretersyndrom. Ihrer Tochter gab sie Psychopharmaka, die nicht für Kinder geeignet waren. Die Mutter schickte sie zu Ärzten mit Verletzungen, die sie selbst bei ihrer Tochter verursacht hatte. Um ihr Verhalten zu verschleiern, zog die Familie häufig um. Damit wechselte ständig das Umfeld von Melanie Finke.

Zumindest zeitweilig fand Melanie Finke bei den Pfadfindern Anschluss. "Wir hatten immer eine Gitarre dabei", erzählt sie begeistert. Durch den Neu-Ulmer Singewettstreit hätten sich die Pfadfinder sogar noch intensiver mit Musik beschäftigt. "Seitdem will ich unbedingt Geige spielen", betont sie.

Ihre Geige hat Melanie Finke auf dem Dachboden einer Freundin ihrer Mutter gefunden. "Dort hat sie 30 Jahre lang gelegen und wurde lange nicht bespielt", sagt sie. Erst mit 22 Jahren nahm sie in Hannover allen Mut zusammen und begann mit Unterstützung der Margarethe-Schütte-Stiftung, Geige zu spielen. Doch aufgrund einiger Krisen verbrachte sie viel Zeit in der Psychiatrie und der Geigenunterricht trat nach zwei Jahren wieder in den Hintergrund.

Dank der Hilfe vieler Celler, die die CZ-Aktion "Mitmenschen in Not" unterstützt haben, konnte Melanie Finke jetzt wieder mit Musikstunden beginnen. Außerdem sucht sie eine Beschäftigung, da sie nicht den ganzen Tag zu Hause sitzen möchte. "Ich brauche geistigen Input und ein bisschen Normalität", sagt sie. Die Geigenlehrerin Beate Anschütz attestiert ihrer Schülerin Gespür für die Geige, musikalisches Wissen und Beharrlichkeit beim Lernen.

Der Geigenunterricht bestärkt Melanie Finke auf ihrem Weg in ein eigenständiges Leben. Seit einem halben Jahr wohnt sie in einer eigenen Wohnung. Nach einem Praktikum arbeitet sie jetzt für ein Jahr in einem Modegeschäft. Vielleicht fängt sie bald schon eine Ausbildung an.

Sie nennen sich „Adventurecare 1“ und wollen bei der Benefizregatta „Rudern gegen Krebs“ am 25. August auf der Aller mit fast 30 anderen „ActiveOncoKids“ aus dem gesamten Bundesgebiet um die Wette rudern: Finn (12), Anny (13), Ida (14) und Carolin (15) aus dem Begleitprojekt des Onkologischen Forums für Kinder mit erkrankten Familienangehörigen.

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