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Celle Stadt Landkreis lehnt IGS-Oberstufe ab
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Landkreis lehnt IGS-Oberstufe ab
17:42 05.11.2019
Von Gunther Meinrenken
Die Zeit für den jetzigen 10. Jahrgang wird knapp. Finden die Befürworter einer IGS-Oberstufe doch noch eine Mehrheit im Kreistag? Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Kurz vor Ende der Info-Veranstaltung zur Oberstufe an der Celler Gesamtschule ergriffen am Montagabend zwei Zehntklässlerinnen der IGS das Wort: "Wir möchten das Abitur an unserer Schule machen, für die wir uns bewusst entschieden haben. Lassen Sie uns auf unserer Schule bleiben und Abitur machen." Ein Beifallssturm brandete durch das voll besetzte Forum des Schulzentrums Burgstraße.

Wiswe stellt sich kritischen Fragen

Einen der Hauptadressaten erreichte dieses flammende Plädoyer nicht mehr: Landrat Klaus Wiswe (CDU) hatte wegen eines anderen Termins die Veranstaltung bereits verlassen. Zuvor hatte er sich allerdings eine Stunde lang auch unbequemen Fragen aus den Reihen von Eltern und Schülern gestellt. Und das, obwohl er schlechte Nachrichten im Gepäck hatte.

Überraschende Ablehnung

Denn nur wenige Stunden vor dem Termin, zu dem der Schulelternrat der IGS erst vergangenen Dienstag eingeladen hatte, war die Beschlussvorlage zur Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an der Celler Gesamtschule vom Landkreis ins Internet gestellt worden. Und für viele überraschend empfiehlt darin die Verwaltung der Politik, die entsprechenden Anträge von IGS und der SPD abzulehnen. Dabei hatten die Verantwortlichen eigentlich gedacht, ihre Hausaufgaben gemacht und den Schulträger davon überzeugt zu haben, das Anliegen zu unterstützen.

Reizwort "gemeinsame Oberstufe"

Rückblick: Um dem Wunsch des Landkreises nach einer Kooperation mit einem bestehenden Gymnasium zu entsprechen, hatte die IGS zunächst eine Kooperation mit dem HBG angestrebt. Doch dort war der Widerstand von Eltern und Lehrern zu groß. Gespräche für eine Zusammenarbeit mit dem Ernestinum scheiterten am Votum des dortigen Schulvorstands. Beide Male war das Reizwort einer "gemeinsamen Oberstufe" mit ausschlaggebend für die Ablehnung der Gymnasien. Das wurde denn auch tunlichst vermieden, als die IGS Ende September das KAV-Gymnasium dafür gewann, eine Vereinbarung für eine "Struktur- und Aufbauhilfe" für eine gymnasiale Oberstufe an der Gesamtschule zu beschließen.

Gegenseitiger Kursbesuch möglich

Doch Landrat Klaus Wiswe reicht der darin festgelegte Rahmen der Zusammenarbeit nicht. Dabei sieht die Vereinbarung unter anderem einen Austausch im Rahmen der Abitur-Prüfungskommission vor, eine gegenseitige Teilnahme an Fachkonferenzen und Dienstbesprechungen und einen Austausch der Lehrkräfte im Bereich der gymnasialen Oberstufe. Zudem soll der Zeitplan beider Schulen so angeglichen werden, dass "prinzipiell zusätzliche Fachwahlmöglichkeiten für Schüler beider Schulen" eröffnet werden. Sprich: Die angehenden Abiturienten können Kurse an beiden Schulen belegen, um auf ein breiteres Angebot zurückzugreifen.

Landrat will es konkreter

Wiswe ist diese Formulierung "zu allgemein". Mit dem Verweis darauf, dass sogar größere Oberstufen wie HBG und Hölty gemeinsame Kurse anbieten, meinte Wiswe zur Begründung: "Von daher ist eine eher kleine gymnasiale Oberstufe der IGS erst recht darauf angewiesen, dass eine vorhandene gymnasiale Oberstufe für die Schüler der IGS geöffnet wird, den Schülern also ermöglicht wird, dort Kurse zu besuchen." Wiswe würde vom KAV gerne ein "konkretes, verlässliches und dauerhaftes Angebot" haben. Dies sei keine "Wortklauberei". Wiswe: "Sie können viel wollen und wünschen, aber ich muss die Kreistagsmehrheit überzeugen. Dort steht ein Großteil einer gymnasialen Oberstufe an der IGS skeptisch oder ablehnend gegenüber."

Eltern fürchten um IGS-Konzept

Ist der Zug für eine gymnasiale Oberstufe der IGS damit für das kommende Schuljahr abgefahren? Der jetzige 10. Jahrgang müsste an die bestehenden Gymnasien wechseln. Dass dies die Schüler der Oberschulen auch immer machen müssten, so der Einwurf von Wiswe, wurde vom Publikum mit Unmutsrufen quittiert. An der IGS herrscht allerdings noch eine ganz andere Sorge vor. Ohne gymnasiale Oberstufe drohe das System zusammenzubrechen. "Dann bleiben die Gymnasialschüler weg", so ein Zwischenruf. Und Carsten Rusitschka, Vorsitzender des IGS-Schulelternrats, ergänzte: "Wir haben über 50 Gymnasiallehrkräfte. Die werden uns weglaufen, wenn wir keine Oberstufe bekommen."

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