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Celle Aus der Stadt Celle Stadt Cellerin mit viel Engagement
14:16 25.05.2018
Sigrid Kühnemann Quelle: Doris Hennies
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Die zarte, energiesprühende Frau verbindet mit dem diesjährigen Austragungsort der Preisverleihung eine ganz besonders enge Geschichte – eine Beziehung, die letztlich auch für die Antragung des Amtes im Kulturforum verantwortlich war. Mit Sigrid Kühnemann sprach CZ-Mitarbeiterin Doris Hennies.

Wie kommt eine pensionierte Apothekerin aus Hermannsburg zu einem Vorsitz im Europäischen Kulturforum?

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Das ist ein großer Bogen, den ich da spannen muss. In erster Linie ist es wohl die grundsätzliche, deutlich gelebte Position, die ich einnehme – für eine große, friedliche und kooperative Gemeinschaft, für die man sich einsetzen muss. Es ist der Focus auf das kreative Miteinander zum Wohle aller, das uns verbindet – über alle Grenzen hinweg. Dazu passt der europäische Gedanke. Als man mich 2015 in einer überraschenden Mail gefragt hat, ob ich den Posten übernehmen würde, hab ich deshalb zugesagt. Der Ursprung für die An-frage liegt aber wohl in meinem Engagement um die Dresdner Frauenkirche und das daraus resultieren-de große auch künstlerische Netzwerk.

Sie sind seit Beginn des Projekts „Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden“ eine sehr aktive, enorm erfolgreiche Kraft – haben für ihren Einsatz vor einigen Jahren sogar das Bundesverdienstkreuz erhalten. Wie hat das alles angefangen?

Es war 1991. Mein Mann und ich waren anlässlich einer Tagung in Berlin und beschlossen spontan, einen Abstecher nach Dresden zu machen. Wir haben uns sofort in die Stadt verliebt. Und plötzlich standen wir vor den Trümmern der Frauenkirche. Es war ein Schock und es hat etwas mit uns gemacht. Es war ganz klar, wir mussten etwas tun. Da gab es die Bürgerinitiative für den Wiederaufbau, und ihren „Ruf aus Dresden“ – einen Apell hinaus in die Welt, das Vorhaben zu unterstützen. Wir fuhren mit der festen Absicht nachhause, die Sache mit allen Möglichkeiten voranzutreiben.

Sie haben in Celle einen der 23 „Freundeskreise“ zur Förderung des Wiederaufbaus gegründet, haben insgesamt über eine Million Euro gesammelt und dafür unzählige Aktionen und Veranstaltungen mit namhaften Musikern und ambitionierten Mitbürgern initiiert und organisiert. Es wurde davon unter anderem einer der sechs tragenden Regelpfeiler der Kirche finanziert. Warum bedeutet Ihnen die Dresdner Frauenkirche so viel?

Ich sehe in ihr und ihrer Wiedererstehung ein Symbol für Frieden und Versöhnung – unter dem Motto „Brücken bauen, Versöhnung leben, Glauben stärken“. Sie ist für mich zu einer Missionskirche des 21. Jahrhunderts geworden, in der Menschen Trost und Zuflucht finden, die Menschen zusammenführt – nicht nur in Ost- und Westdeutschland, sondern die in die ganze Welt Brücken baut. Es ist nicht nur das Bauwerk – viel mehr noch der gemeinsame Weg dorthin. Das Ziel des Wiederaufbaus hat so viele unterschiedliche Menschen zusammengebracht und es hat sie geeint. Als wir zuhause in Celle anfingen dafür zu werben, hieß es „das klappt nie“. Das hat uns angespornt und wir wurden belohnt – haben offene Ohren, Herzen und Geldbeutel gefunden – nur so konnte es gehen. Kurz vor der Vollendung ist mein Mann plötzlich gestorben. Seitdem mache ich in seinem Gedenken weiter – jetzt geht es um den Erhalt…

Von Doris Hennies