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Celle Stadt „Die Geschichte muss stimmen“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Die Geschichte muss stimmen“
14:56 28.02.2019
Georg Mascolo, Chef der Recherchekooperation von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung, referiert in der Congress Union über die neue Macht der Lüge Quelle: NDR
Celle

CZ-Redakteur Jügen Poestges sprach im Vorfeld mit dem Journalisten über Trump, Fake-News und die Zukunft des Journalismus.

Georg Mascolo, was verstehen Sie unter der neuen Macht der Lüge?

Das wahrscheinlich schönste Beispiel dafür sind die Tweets des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Manchmal hat man den Eindruck, die US-Medien haben inzwischen aufgehört, die vielen Fehler und Falschbehauptungen überhaupt noch zu zählen. Oder nehmen Sie die Brexit-Debatte, sie wurde auch mit frei erfundenen Argumenten und Zahlen geführt. Das ist ein Stresstest für die Demokratie. Der Journalismus hat die Aufgabe gesicherte Fakten zu liefern. Er muss ein Ort der Mäßigung und der Orientierung sein. Lokale Medien, wie ihres hier, haben übrigens eine besondere Rolle wenn es um die Glaubwürdigkeit von Medien geht. Die Leserinnen und Leser können den Wahrheitsgehalt überprüfen, denn sie berichten nicht von weit entfernten Ereignissen in Berlin, Washington oder Moskau. Sondern über das was vor der Haustür geschieht.

Ist es denn nicht gerade in Zeiten des Internets sehr schwer, sich der stetigen Beschleunigung im Journalismus zu entziehen, so, wie Sie es fordern?

Das Internet ist doch nicht das erste Medium, dass schneller ist als die gedruckte Zeitung. Radio und Fernsehen sind es auch. Es hat sich einiges verändert, unsere Eltern lasen morgens die Zeitung und sahen abends die Tagesschau. Heute kann sich jeder praktisch überall und ununterbrochen auf dem Laufenden halten. Daran ist nichts falsch. Aber eine gründliche Recherche, die Dinge zu verstehen, bevor man darüber berichtet – das lässt sich nicht beliebig beschleunigen. Und wir sollten es auch nicht versuchen. Nichts ist falsch daran, eine Geschichte als erster zu haben, es ist die zweitwichtigste Regel meines Berufes. Aber die erste heisst, dass die Geschichte stimmen muss.

Sie haben mit Ihrem Rechercheverbund eine großen Apparat hinter sich. Wie sieht Ihre tägliche Arbeit aus?

Verglichen mit dem Spiegel, bei dem ich lange gearbeitet habe, sind wir eine kleine Veranstaltung. Wichtig ist für uns, Themen zu finden, bevor zum Beispiel ein amerikanischer Präsident sie getwittert hat. Nehmen Sie die Diskussion über die IS-Rückkehrer. Wir haben schon lange, bevor das Thema aktuell wurde, mit vielen dieser Menschen gesprochen, waren vor Ort in Syrien und im Irak. Es waren einige meiner interessantesten Reisen. Man muss ein Gefühl entwickeln dafür, was auch für die Leser von Interesse sein könnte. Natürlich kann man da auch einmal falsch liegen.

Glauben Sie, dass sich das Verhalten der Menschen wieder ändert, dass sie vom Lesen kurzer Meldungen im Internet wieder auf längere Texte zurückkommen werden?

Meine Prognosen in diesem Bereich waren eigentlich immer falsch, deshalb gebe ich keine mehr ab. Außer diese hier: Journalismus ist unverzichtbar in der Demokratie, er liefert den Menschen die Informationen die sie benötigen, um ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Informieren, nicht missionieren, ist der Auftrag. Zugang zu verlässlichen Informationen ist ein Grundrecht und nicht weniger wichtig als der Zugang zu guter Bildung, Gesundheitsversorgung oder sauberem Wasser.

Hier gibt es Tickets

Georg Mascolo, „Krieg der Worte – Fakt, Fake und die neue Macht der Lüge“. Dienstag, 5. März, ab 19.30 Uhr in der Congress Union. Eintrittskarten gibt es zum Preis von 10 Euro im CZ-Kundencenter (Bahnhofstraße 1), im Ticketshop der Congress Union sowie an der Abendkasse. Schüler und Studenten zahlen keinen Eintritt. Der Erlös ist vorgesehen für ein rotarisches Projekt in der Region.

Von Jürgen Poestgs

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