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Celle Stadt Ingo Appelt: "Ich will Frauen lachen sehen"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ingo Appelt: "Ich will Frauen lachen sehen"
15:15 11.02.2019
Der Staats-Trainer ist das 2019er Programm von Comedian Ingo Appelt.  Quelle: Ava Elderwood
Celle

Dieser Mann redet viel und gern. Kein Wunder, denn Ingo Appelt feiert im April dieses Jahres sein 30-jähriges Bühnenjubiläum. Der 51-jährige Komiker, eigentlich gelernter Maschinenschlosser, hatte seinen ersten Auftritt auf der Bundesjugendkonferenz der IG Metall. In den 90er Jahren wurde er einem breiten Publikum durch diverse TV-Sendungen wie „RTL-Samstag-Nacht“ und „Quatsch-Comedy-Club“ bekannt. Am 3. März tritt er mit seinem neuen Programm „Der Staatstrainer“ in der Celler CD-Kaserne auf. Bei einem Telefon-Interview mit der CZ spricht Appelt über Männer, Frauen und Politik.

Herr Appelt, nehmen Sie bei Ihren Auftritten eigentlich Bezug auf die Städte, in denen Sie spielen, und was verbinden Sie konkret mit Celle?

Die Leute hier sind sehr lustig. Ich bin in diesem Alter, in dem man immer noch gefragt wird: „Kennst du noch das Celler Loch?“ Ich krieg das nicht aus der Birne. Aber diese ständigen Anspielungen auf bestimmte Orte, das mag ich nicht. Ich rede lieber direkt mit den Leuten. Mein Programm ist sehr interaktiv. Da erfährt man dann, dass da und da die Hütte abgebrannt ist. Das ist doch viel spannender, als über irgendwelche Ortsbürgermeister herzuziehen.

Was wollen Sie mit ihrem Programm erreichen?

Mein Auftrag ist so ein bisschen das Entschärfen der toxischen Männlichkeit. Mein Kollege Urban Priol meinte mal zu mir: „Dieses ganze Männer-Frauen-Thema gehört doch in die 70er Jahre.“ Aber ich sage: Das Thema ist aktueller denn je. Wir haben ein Problem mit Männlichkeit. Männer, die politische Ämter bekleiden, schaffen es in ihrer Großartigkeit nicht, zurückzutreten. Niemand sagt, wir Männer treten jetzt mal in den Hintergrund, lasst die Mädels ran. Das ging mir früher aber auch so. In den 90ern wurden Frauen uns Männern gegenüber plötzlich sehr frech. Wir waren dann schnell sehr beleidigt, und bei manchen Kollegen ist das heute noch so.

Haben Frauen mehr Humor als Männer?

Nein, aber wenn Frauen lachen, ist es sicherer. Wenn Sie Comedy-Shows gucken, ist der erste Schnitt ins Publikum meistens auf Frauen. Ich will Frauen lachen sehen, deswegen machen wir doch unsere Arbeit. Die gesamte Unterhaltungsbranche ist auf Frauen ausgelegt, ob Bücher oder Fernsehen. Für Männer gibt es Ballerfilme, Fußball und Pornos. Die Männer sind anscheinend so langweilig, dass es eine Armada von Komikern braucht, um die Frauen zu bespaßen.

Wenn Sie Klischees ständig wiederholen, tragen Sie dann nicht zu ihrer Verfestigung bei?

Das sehe ich eher bei Mario Barth so. Er sagt ja, die Frau ist das Problem. Ich mache genau das Gegenteil, ich sage: Wir Männer sind das Problem. Wir passen irgendwie nicht in diese Zivilgesellschaft rein. Die ganze Debatte um Flüchtlinge gäbe es nicht, wenn nur Frauen und Kinder gekommen wären. Die AfD und der Brexit, das wurde alles von Männern angezettelt. Und die Frauen müssen das Ganze jetzt irgendwie wieder reparieren. Ich will den Jungs einfach klarmachen, dass sie nicht die Herren der Schöpfung sind. Die Frauen müssen aber auch endlich aufhören, sich immer an die Drecksäcke zu hängen.

Was ist für Sie positive Männlichkeit?

Ich will Verantwortung haben, mich zum Beispiel auch um Kinder kümmern. Das verändert mich, ich habe dann eine eigene Sprache. Als ich nach der Geburt meines Sohnes zu Hause geblieben bin, haben mich beide Seiten gehasst.

Kommen wir zurück zur Politik. Sind Trump und Co. ein Segen für die Komik?

Auf jeden Fall. Merkel kann nicht angegriffen werden, weil sie nicht für Inhalt steht. Männer wie Trump und Erdogan sind leichter angreifbar. Jetzt muss sich der Diskussionsstil aber auch ändern. Der Frust der Männer führt ja im Moment genau zu dieser eskalierenden Gesprächskultur.

Wenn Hillary Clinton statt Donald Trump die US-Wahlen 2016 gewonnen hätte, wäre die Welt jetzt besser?

Das ist schwer zu beurteilen. Ich glaube, dass die Zustände im Moment realistischer sind. Gaby Köster hat mal gesagt: „Ihr wolltet doch immer die Diktatur des Proletariats, jetzt habt ihr sie.“

Von Svenja Gajek

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