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Celle Stadt Celler Hühnerhalter sind Eier-Millionäre
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler Hühnerhalter sind Eier-Millionäre
07:02 07.04.2019
Von Christian Link
340 Hennen leben im Hühnermobil in Altenhagen.  Quelle: Christian Link
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Altenhagen

Kurz vor Ostern verkauft sich der jüngste Kassenschlager der Hoftheke Knoop besonders gut. "Anfangs als wir noch keinen Namen hatten, hatten wir so viele Eier übrig, dass wir daraus Nudeln und Eierlikör gemacht haben", sagt die "Hühnerbeauftragte" Julia Dürwald. Inzwischen müsse man Glück haben, wenn man am Sonntag im Regiomaten auf dem Ferienhof Knoop in Altenhagen überhaupt noch Eier bekommt. "Freitags ist der beste Tag. Und am Samstag um 18 Uhr ist oft kein einziges Ei mehr da", weiß Ehemann Stephan Dürwald.

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Familie Dürwald, die zusammen mit Christian Knoop hinter der Hoftheke mit Regiomat und Milchautomat steckt, hat sich im Oktober 2018 ein Hühnermobil angeschafft. Die Zahl der Hennen stieg innerhalb kürzester Zeit von 0 auf 345 an. "Das hier ist nicht Bio, aber die Tiere sind glücklich", versichert Julia Dürwald, während sie von einer riesigen Horde neugieriger Hennen umringt wird. Die Haltungsbedingungen erfüllen fast das Niveau der ökologischen Landwirtschaft, doch zum Bio-Siegel fehlt das Bio-Futter. Das geht den Dürwalds einen Schritt zu weit. Dass ihre Hühner mit genfreiem Futter versorgt werden, reicht ihnen.

Freilandhaltung wird immer populärer

Mit ihrer Freilandhaltung liegen die Altenhagener voll im Trend. Nachdem die klassische Käfighaltung Ende 2009 verboten wurde, ist der Anteil der Freiland-Eier an der Gesamtproduktion stetig gestiegen. Mittlerweile stammt fast jedes vierte Ei in Niedersachsen (22,4 Prozent) von Hennen aus Auslaufhaltung. Und das sind im "Eierland" Niedersachsen nicht gerade wenige. Unter den rund 4,8 Milliarden Eiern, die 2018 insgesamt im Bundesland zwischen Harz und Ostsee gelegt wurden, sind eine Milliarde Freiland-Eier.

Fast jedes dritte deutsche Ei kommt damit aus Niedersachsen. Das Celler Land hat daran allerdings keinen großen Anteil. Von den mehr als 300 niedersächsischen landwirtschaftlichen Betrieben, die laut der jüngsten Agrarstrukturerhebung Hühner halten, ist gerade mal eine Handvoll im Landkreis ansässig. Die Hühnerhochburg liegt eindeutig im Weser-Ems-Land – dort sind es über 150.

Einer der größten Eiererzeuger im Landkreis Celle befindet sich in Bleckmar, wo 29.982 Hennen pro Jahr etwa 8,7 Millionen Eier in Freilandhaltung legen. "Für uns war von Anfang an klar, dass wir Freilandhaltung machen wollen", sagt Geschäftsführer Henning Habermann. Vom Bio-Siegel hat er keine allzu große Meinung. "Der Verbraucher stellt sich unter ökologischer Landwirtschaft sonst etwas vor. Im Endeffekt sieht der Stall aber genauso aus wie bei uns. Es sind nur ein paar Hühner weniger drin und auf dem Futter steht Bio drauf."

Vom Mastschwein zur Legehenne

Nachdem sich die Schweinemast auf dem Hof nicht mehr lohnte, gründete der studierte Agrarwissenschaftler zusammen mit Vater und Seniorchef Karl-Wolfgang im Jahr 2011 die Habermann GBR. Schon im ersten Stall sollten eigentlich genau 15.000 Tiere unterkommen, aber weil sich der Architekt verrechnete, passen nur 14.992 Hennen hinein. Beim zweiten Stallbau 2014 lief dann alles wie geplant und die Kapazität wurde um 15.000 erweitert. "Mit den richtig großen Betreiben können wir aber nicht mithalten", sagt Henning Habermann. Im Emsland sind Ställe mit 80.000 Hennen keine Seltenheit.

Für jedes freilaufende Huhn sind vier Quadratmeter Auslauffläche vorgeschrieben. Bei 30.000 Tieren ergibt sich daraus ein fast 17 Fußballfelder großes Areal am Ortsrand von Bleckmar. Die Fläche ist so groß, dass sie von den Hennen gar nicht vollständig genutzt wird – vor allem nicht bei schlechtem Wetter. Am liebsten halten sich die Tiere im überdachten Außenstall oder im sandigen Bereich direkt davor auf. Auch dicht gedrängt im Hühnerstall, der nach menschlichem Empfinden eher ungemütlich aussieht, geht es den Hennen offenbar gut.

Bei Habermanns rollen jeden Tag gut 24.000 Hühnereier übers Band. In Altenhagen ist die Quote sogar noch etwas besser. Die 340 Hennen legen täglich etwa 310 Eier. Julia Dürwald weiß aus Erfahrung: "Wenn sich ein Huhn nicht wohl fühlt, legt es keine Eier."

Svenja Gajek 06.04.2019
Oliver Gatz 05.04.2019