Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Stadt „Das hat sich einfach nicht gelohnt“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Das hat sich einfach nicht gelohnt“
14:06 13.06.2010
Von Michael Ende
Anzeige
Celle Stadt

Gähnende Leere herrscht am Donnerstagabend in der Celler Innenstadt. Nur vereinzelt huschen Passanten mit Einkaufstüten über die Straßen. Offiziell läuft der vom Citymanagement im vergangenen Sommer wiederbelebte „lange Donnerstag“ erst Ende Januar aus. Doch angesichts schwacher Resonanz haben sich viele Einzelhändler bereits von dem Vorhaben verabschiedet. Sie schließen ihre Pforten schon um 18.30 oder 19 Uhr und nicht wie vorgesehen um 20 Uhr. Ursprünglich sollte der lange Donnerstag dem Handel in der City neuen Schub geben und die Innenstadt beleben.

„Das hat sich einfach nicht gelohnt“, bedauert Wolfgang Elvers, Mitarbeiter des Fruchthauses Othmer in der Zöllnerstraße. „Wir haben zu wenig eingenommen.“ Geschäftsinhaber Heinz Othmer klagt über den Niedergang der City: „Früher gab’s hier mal einen Bäcker, einen Schlachter und einen Käseladen. Heute sieht man überall nur noch Textil-Filialisten. Ein vernünftiger Mix fehlt.“ Zudem würden die Verbrauchermärkte am Stadtrand den Einzelhändlern in der City das Leben schwer machen.

Anzeige

Dass abends in der Stadt kaum etwas los ist, bedauert auch Hannelore Gottschalk, Mitarbeiterin des Süßwarengeschäftes Hussel am Großen Plan. Der lange Donnerstag habe weder im Sommer noch im Herbst und Winter für nennenswert höhere Umsätze gesorgt. „Um 18.30 Uhr ist die Stadt eigentlich schon tot. Da werden in Celle die Bürgersteige hochgeklappt.“

Inge Titgemeyer gehört zu den wenigen Passanten, die sich abends bei den frostigen Temperaturen in der City aufhalten. „Ich habe den langen Donnerstag nicht genutzt“, gibt sie zu. Meistens kaufe sie vormittags ein. „Ich wünsche mir, dass die Geschäfte alle gleichzeitig öffnen.“ Das fordert auch Birgit Plückebaum. „Es ist schwierig, sich die unterschiedlichen Zeiten zu merken. Einheitliche Zeiten müsste es auch am Abend geben, wenn die Geschäfte schließen“, sagt die 45-Jährige, die ebenfalls das Angebot des langen Donnerstages nach eigenen Angaben bislang nicht genutzt hat.

„Zeit der Selbstfindung ist vorbei“: Politik will vom Citymanagement Taten sehen

Deutlich fühlbare Impulse zur Innenstadt-Entwicklung erwartet jetzt die Politik vom Citymanagement. „Seit Jahren bemüht sich die Stadt, die Akteure der Innenstadt zu einem Engagement für eine stärkere Attraktivität der City zu bewegen“, so FDP-Fraktionsvorsitzender Jo-achim Falkenhagen. „Dies gelingt nur sehr schleppend, obwohl der Rat erhebliche Vorleistungen erbracht hat.“

Im Einzelnen seien für das Citymanagement im Jahr 2008 insgesamt 222648,78 Euro, im Jahr 2009 insgesamt 187500 Euro und im aktuellen Haushaltsplan für das Jahr 2010 ein Betrag in Höhe von 156300 Euro eingestellt oder ausgegeben worden, so Falkenhagen: „Für das Haushaltsjahr 2011 ist ein Betrag in Höhe von 125000 Euro vorgesehen. Bis ins Jahr 2011 fördert die Stadt also ein Citymanagement mit Steuermitteln in Höhe von 691448,78 Euro. Hinzuzurechnen wären noch erhebliche Kosten, die mit der Vertragsgestaltung, der Einschaltung des Büro Frauns und anderem zusammen hängen.“ Es bleibe zu hoffen, dass das Citymanagement diese Mittel nutzt und die Akteure der Innenstadt sich auf die Zukunft vorbereiteten, unterstreicht Falkenhagen: „Eine solche Chance wird es wohl nicht wieder geben.“

Angesichts unserer Ausgaben muss man sich wirklich fragen, wie effizient das Citymanagement arbeitet“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Jens Rejmann. Nach den Turbulenzen mit den Auswechslungen von Vorstand und Citymanager erwarte man jetzt einen erkennbaren Neustart: „Die Zeit der Selbstfindung ist vorbei – ebenso wie die Zeit, in der die City-Akteure nur Zuschauer waren. Das Citymanagement ist keine Unterabteilung der Wirtschaftsförderung der Stadt – vielleicht liegt da bei einigen Akteuren ein Missverständnis vor.“

Das Citymanagement müsse in eine aktive Rolle hineinwachsen, fordert Rejmann: „Wir wollen wissen, dass mit dem Geld der Stadt auch etwas Sinnvolles gemacht wird. Das Citymanagement muss klar und deutlich sagen, welche Maßnahmen 2010 und 2011 konkret durchgeführt werden.“ Dabei müsse man über die Zielrichtung überhaupt nicht mehr diskutieren: „Die City-Akteure – nicht die Politik – sollen dafür sorgen, dass die Innenstadt möglichst attraktiv wird.“

Citymanagement plant sieben verkaufsoffene Sonntage

CELLE-ALTSTADT. Mit sieben verkaufsoffenen Sonntagen und zwei Moonlight-Shopping-Terminen sollen in diesem Jahr Einkaufsbummler in die Celler Altstadt gelockt werden. Die Citymanagement-Projektgruppe „Aktionsmarketing und besondere Veranstaltungen“ hat die Vorschläge erarbeitet, die während einer Mitgliederversammlung des Citymanagement-Trägervereins im Februar bestätigt werden sollen. Der Vereinsvorstand hat die Vorschläge bereits befürwortet.

Verkaufsoffene Sonntage: 31. Januar (Winterschlussverkauf), 28. März (Frühlingsfest), 2. Mai („Wonnewochenende“), 20. Juni (Tag der Niedersachsen), 5. September („Spätsommer in Celle“), 3. Oktober (Erntedankfest), 7. November (Laternenfest).

Moonlight-Shopping: Die Innenstadt-Läden sind an folgenden Sonnabenden bis 22 Uhr geöffnet: am 4. Dezember („Nikolaus-Moonlight-Shopping“) und am 18. Dezember („Weihnachts-Moonlight-Shop-ping“).

Derzeit wird vom Citymanagement in einer Mitglieder-umfrage geklärt, wer sich bei der Umsetzung dieser Aktionstage beteiligen will und wer persönliche Wünsche wie etwa einen Kindertag oder eine Modenschau hat.