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Celle Stadt David besiegt Goliath
Celle Aus der Stadt Celle Stadt David besiegt Goliath
14:38 13.06.2010
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Celle Stadt

Es schien ein aussichtsloser Kampf zu sein. Dass Beharrlichkeit sich dennoch lohnen kann, haben die Menschen im Norden Brandenburgs gestern erfahren. Der von ihnen fast zwei Jahrzehnte bekämpfte Luft-Boden-Schießplatz in der Kyritz-Ruppiner Heide ist Geschichte. Die Bundeswehr verzichtet endgültig auf das „Bombodrom“. Rund 1700 Luft-Boden-Kampf­­übungen mit bis zu 8500 Tiefflügen sollten dort jedes Jahr stattfinden. Jetzt können die Gegner der Militärpläne sich nach mehr als 17 Jahren des Widerstands gegen den früher von der sowjetischen Armee genutzten Truppenübungsplatz Wittstock zu Recht über einen der größten Erfolge von Protestbewegungen in der Bundesrepublik freuen. David hat Goliath besiegt.

Nach dem Aus des „Bombodroms“, an dem politische wie militärische Führung der Bundeswehr viel zu lange festhielten, bietet sich den Nordbrandenburgern jetzt verlässlich die Möglichkeit, weiter auf den Ausbau des Tourismus in der Region zu setzen. Hoteliers und Gastronomen müssen sich nun nicht mehr sorgen, dass ihnen die Gäste wegbleiben, weil wohl niemand Urlaubsfreuden mit Dauerbombardement und Bombenhagel verbinden mag.

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Dass die Bombenabwurfplätze bei Nordhorn im westlichen Niedersachsen und in Siegenburg (Bayern) jetzt nicht zusätzlich belastet werden sollen, kann für die dort lebenden Menschen kein wirklicher Trost sein. Auch sie hatten sich Entlastung erhofft. Daraus wird nun nichts, es sei denn, der Bundeswehr gelingt es, den mit diesen Luft-Boden-Kampfübungen verbundenen Lärm tatsächlich ins Ausland zu verlagern.

Schon jetzt werden laut Verteidigungsminister Franz Josef Jung 75 Prozent aller Flugübungen der Bundeswehr im Ausland durchgeführt, darunter in Italien und den USA. Bis vor etlichen Jahren geschah dies auch in Portugal. Je dichter besiedelt die Umgebung der jeweiligen Übungsgelände ist, desto größer dürfte die Zahl der Menschen sein, die den Lärm-Export der deutschen Militärs nicht gutheißt.

Überhaupt stellt sich angesichts der veränderten Einsatzanforderungen an die Bundeswehr die Frage, ob Luft-Bodenkampf heute noch in dem Ausmaß geübt werden muss, wie dies zu Zeiten des Kalten Krieges zwischen Ost und West der Fall war. Dass zum Beispiel der Krieg in Afghanistan nicht mit Bomben aus der Luft zu gewinnen ist, scheinen ja inzwischen sogar die Amerikaner eingesehen zu haben.

Von Hans-Jürgen Galisch