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Celle Stadt Der Ballermann vom Aller-Strand
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Der Ballermann vom Aller-Strand
14:28 13.06.2010
Von Michael Ende
Felix Krüger hat einen 1,84 Meter langen Waller aus der Aller gezogen. Quelle: Fremdfotos / Texte Eingesandt
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Ein bisschen mulmig kann einem schon werden, wenn man des nächtens an der Ziegeninsel auf die tintenschwarzen Fluten der Aller blickt, die geheimnisvoll leise glucksend Richtung Wehranlage strömen: Hier sollen wahrhaft monströse Fische ihr Unwesen treiben. Darauf schwören Celler Sportfischer. Alles bloß Anglerlatein? Nein. Die Wahrheit ist jetzt ans Licht gekommen. Besser: Sie wurde ans Licht gezerrt. Und sie ist riesig.

Franz Bliem ist Gewässer-Obmann des Fischereivereins Celle. Auch er hatte schon seit langem die Ahnung, dass da etwas sehr Großes in der Aller unterwegs sein musste: „Immer wieder gibt es Berichte von Anglern und Spaziergängern, dass Wasservögel abtauchen, nicht mehr wieder hochkommen oder einfach von der Oberfläche verschwinden. Das Märchen vom Allerkrokodil machte die Runde.“ Jetzt sei Licht in das mystische Dunkel gekommen: Kein Krokodil, sondern ein mächtiger Wels hatte dort sein Unwesen getrieben.

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Felix Krüger saß am Dienstag an der Aller und wollte Aale angeln. Tauwürmer auf einem nicht zu großem Haken in Verbindung mit einem 30er-Vorfach und einer 35er Schnur waren sein Rezept. So fangen in der Regel Celler Angler-Geschichten an, die alles andere als spektakulär enden. Doch in dieser Nacht war alles anders.

Um 23.20 Uhr plötzlich ein kurzer Ruck an der Angel. Und schon schießt die Schnur davon in die dunkle Nacht. Kurzer Anhieb und was kommt dann? Kein Aal, kein kurzer Drill, sondern ein Abenteuer beginnt. „Der Fisch wanderte rund 80 Meter flussaufwärts, zog zum gegenüberliegendem Ufer, wanderte flussabwärts. Meter um Meter surrte die Schnur von der Rolle“, erzählt Vater Rolf Krüger, der seinem Sohn Felix bei dem, was nun kommen sollte, zum Glück als zweiter Mann zur Seite stand. „Da war kein Zweifel mehr, dass das richtiger Kaventsmann war. Der machte ein Riesentheater, die Rute bog sich wie verrückt.“

Doch Felix behielt die Nerven. Eine Stunde und 15 Minuten dauert der Drill, bevor Rolf den kapitalen Fisch mit einem beherzten „Wallergriff“ – dabei greift man dem Fisch direkt ins Maul – den Brocken an Land ziehen kann. Felix hilft mit. Beiden rast der Puls. Dann liegt es im Gras, das „Monster von der Ziegeninsel“. 184 Zentimeter und ein Gewicht von 35 Kilo bringt dieses Exemplar auf die Waage.

Niemand könne sich daran erinnern, dass jemals ein so großer Fisch in der Aller gefangen wurde, sagt Bliem. Den bisher größten, ein 1,55-Meter-Wels, hatte 2008 Klaus-Peter Waßmann angelandet.

Und was macht man mit einem solchen Ballermann? „Auf den waren viele scharf. Den Kopf lassen wir vielleicht präparieren“, sagt Rolf Krüger. „Den Körper haben wir am Morgen nach dem Fang in die Schubkarre gepackt und zu dem mit uns befreundeten Schlachter Norbert Falkenberg gebracht. Der hat Filets draus gemacht. Eine ganze Kühltruhe voll.“