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Celle Stadt Der Kampf gegen das Fischsterben: Celler Vereine ergreifen Vorsichtsmaßnahmen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Der Kampf gegen das Fischsterben: Celler Vereine ergreifen Vorsichtsmaßnahmen
17:07 01.08.2018
Von Christoph Zimmer
Quelle: David Borghoff
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Celle Stadt

Knickelmann und sein Fischereiverein bewirtschaften die Poggenkuhle in Eicklingen und die Teichanlage Burg in Altencelle. „Dort ist der Pegel in diesem Sommer niedrig“, erklärt er. „Ich hoffe, dass der Stand nicht noch weiter zurückgeht.“ Das gelte auch für die Fuhse, die der Verein von Bröckel bis Altencelle bewirtschaftet. „Weil wir in den Fluss kein frisches Wasser einleiten dürfen, müssen wir uns dort auf die Natur verlassen“, sagt Knickelmann und sehnt Regen herbei. Nur den Müll, den sie finden, entfernen sie, um die Fließgeschwindigkeit aufrechtzuerhalten. In der Fuhse würden sich die Fische die Stellen suchen, wo ausreichend Nährstoffe und Sauerstoff sind. „Bislang kommen sie mit den Bedingungen klar.“ Trotzdem steht für ihn schon fest, dass der Fischereiverein zur Erhalt der Population einen Fischbesatz betreiben wird.

In den vier Teichen des Angelsportvereins Nienhagen fallen die Pegel ebenfalls stark ab, wie Reinhart Fuchs beobachtet. „Sie sind jeweils um die Hälfte auf etwa einen Meter gesunken“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Wasserfreunde. Sie haben sogar extra einen Brunnen gebaut, um Wasser und Sauerstoff im Bedarfsfall in die Seen einzuleiten. „Aber ausgerechnet jetzt ist die Pumpe kaputt. Wir werden mit der Feuerwehr sprechen und sie um Hilfe bitten. Es muss dringend etwas passieren.“ Auch wenn es dort noch keine toten Fische gibt, warnt der niedersächsische Anglerverband seine Mitglieder ausdrücklich vor dem drohenden Fischsterben.

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Fischsterben ist im Landkreis bisher nur vereinzelt bekannt geworden. Im Fischteich von Gorch Unger in unmittelbarer Nähe der Fuhse am Rand von Nienhagen ist der Pegel extrem niedrig. „Die Enten gehen hier nur noch zu Fuß“, sagt er. Die Folgen seien noch nicht abzusehen. Vor einer Woche hat er bereits einen toten Hecht aus dem Wasser gezogen. „Ein Hecht ist ein Jagdfisch. Der braucht kaltes Wasser. Das ist das erste Hitzeopfer aus meinem Teich.“

Dass die meisten Arten der Fische auch mit höheren Wassertemperaturen klarkommen, unterstreichen Forscher. „Es gibt Arten, die ab 28 Grad Schwierigkeiten haben. Aber der Großteil der Fische ist an solche Temperaturen angepasst“, sagt Christian Wolter, Fachmann für Biologie und Ökologie der Fische am Leibniz-Institut für Gewässerbiologie und Binnenfischerei in Berlin. „Viele Fische halten auch über 30 Grad aus.“

Nach Angaben von Forscher Wolter können sich die meisten Fische auf den niedrigen Sauerstoffgehalt einstellen. Im Vergleich zu zehn Grad Wassertemperatur habe das Wasser bei 28 Grad nur noch ein gutes Drittel seines Sauerstoffgehalts. „Fische stellen dann ihren Stoffwechsel um, sie werden inaktiver“, erklärt der Wissenschaftler. Aber sie würden deshalb nicht gleich in großer Zahl sterben. Das geschehe eher, wenn zusätzlich zur Hitze starker Regen Dreck in die Gewässer spüle und der Sauerstoffgehalt dadurch weiter sinke.

Niedrigwasser allein sei ebenfalls keine generelle Gefahr für Fische, sagt Wolter. Es biete Jungfischen in Flüssen durch mehr flache Bereiche sogar günstigere Bedingungen. „Große Fische ziehen dann in tiefe Bereiche des Stroms und in die Unterläufe“, ergänzt er. Ein Problem bekämen sie nur, wenn zum Beispiel Stauwehre ihren Weg behinderten.

Dirk Lehmann dreht jeden Abend eine Runde. „Ich habe bisher nichts feststellen können“, sagt der Sportwart der Angelfreunde Schwarzer Hamm in Wienhausen mit Blick auf den gleichnamigen Teich und den Teil der Fuhse, den der Verein betreut. Natürlich sei der Pegel im See niedriger und das Wasser klarer als sonst, aber durch das eingeleitete Frischwasser aus dem Mühlengraben sei das Problem nicht so groß. „Wie lange das gut geht, müssen wir abwarten.“

Norbert Rode ist auch noch einigermaßen entspannt. „In der Lachte ist relativ viel Wasser und auch von der Aller sind uns bislang keine Probleme bekannt“, sagt der Vorsitzende des Fischereivereins Früh Auf Celle. „Die Angelei in den Bereichen ist von der Hitze bislang nicht betroffen.“ Im Gegenteil. „Im Moment wird sehr gut gefangen, vor allem Welse und Zander.“

Audrey-Lynn Struck 30.07.2018
Dagny Siebke 30.07.2018
Dagny Siebke 30.07.2018