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Celle Stadt „Ein Menü für zwei Euro“
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Die Celler Essenzeit kann man jetzt durch Crowdfunding unterstützen

15:00 09.10.2020
Die Gäste der Essenszeit in Celle lassen sich das Essen schmecken. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
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Celle

Harald Dettmer ist 54, alleinerziehend und arbeitslos. Seit drei Jahren besucht er die Essenszeit in Celle, wegen der Gemeinschaft und der finanziellen Hilfe durch ein günstiges Mittagessen. Im Interview erzählt er, was die Einrichtung für ihn bedeutet und wie er dazu gekommen ist. Die Essenszeit ist eine diakonische Einrichtung des Kirchenkreises Celle und trägt sich auch durch Spenden. Wer diese wichtige Arbeit unterstützen möchte, kann dies momentan durch Crowdfunding tun, unter: www.celle-crowd.de oder über das Spendenkonto des Kirchenkreises mit dem Stichpunkt „Essenszeit“.

Harald Dettmer ist gern Gast in der Essenszeit und freut sich über leckeres, gesundes und günstiges Mittagessen. Quelle: Phillipp Althammer

Fangen wir ruhig ganz vorne an. Was haben Sie gelernt?

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Maurer!

Und da ist es schwierig momentan, etwas zu finden?

Die Sache ist, ich musste abbrechen. Ich habe zwei Jahre gelernt, aber dann musste ich aufhören. Zementallergie.

Das ist natürlich unpassend als Maurer. Und dann? Wie war danach der Weg?

Als ich das abgebrochen habe, habe ich erstmal für zwei Jahre als Schausteller gearbeitet. Also auf dem Schützenplatz. Aufbauen, abbauen, Spielzelte betreiben, sowas halt. Dann bin ich zur Müllabfuhr. Dort habe ich dann 19 Jahre bei der Müllabfuhr gearbeitet. Bis 2003. Dann wurden einige entlassen, ich auch. Hinterher hab ich dann nur Nebenjobs gemacht. Reinigung, hier ein bisschen, da ein bisschen. Und irgendwann in der Zeit bin ich auch auf die Essenzeit gestoßen.

Wie haben Sie von der Essenszeit erfahren?

Da hat mir jemand gesagt: „Harald, du bist doch alleine, du kannst nicht immer kochen, geh doch zum Harburger Berg, zur Essenszeit!“ Das war erst etwas ungewohnt, weil hier auch das Methadon-Programm nebenan ist und so. Das war mir erst ein bisschen peinlich. Dann hab ich gesehen, dass ich hier eigentlich viele Leute kenne, und alles ganz vertraut war. Dann war es mir doch nicht mehr peinlich und ich bin hier zum Essen hergekommen, für zwei Euro. Und das Essen war super. Hier waren junge Leute, alte Leute, viele Rentner auch, die nicht so viel Rente haben und allein sind. Mit Hartz 4 hat man ja auch nicht so viel. Ich habe einen neunjährigen Sohn, den ich alleine erziehe. Der isst meist in der Schule, und ich gehe fast jeden Tag dann hierher essen. Weil, so ein Menü für zwei Euro, das kannst du zu Hause nicht machen.

Die Essenszeit in Celle am Harburger Berg. Quelle: cz

Empfehlen Sie die Essenszeit auch an andere weiter?

Ja, auf jeden Fall. Ich hab auch Freunde, die hier auch herkommen. Wie gesagt, hier trifft sich Jung und Alt. So viele Leute wissen das gar nicht. Eigentlich müsste das noch viel größer sein.

Wie beeinflusst die Essenszeit Ihr Leben?

Vom Finanziellen entlastet das viel. Für alte Leute, die nur eine kleine Rente haben, oder Hartz-4-Empfänger. Das ist schon gut. Viele haben nur so 200 Euro im Monat. Und dann geben sie 10 Euro die Woche aus, und haben jeden Tag eine gute Mahlzeit. Das muss man auch mal so sehen. Ich habe 50 Euro in der Woche zur Verfügung fürs Essen. Aber ich versuche ja so viel wie möglich zur Seite zu legen, für meinen Sohn. Weihnachten kommt auch bald, und Kleidung kostet auch immer so viel! Der wächst wie verrückt. Und Schulbücher! Ich habe 100 Euro bekommen für Bücher, aber habe jetzt schon über 200 Euro für Schulsachen ausgegeben. Aber durch die Essenszeit gleicht sich das wieder etwas aus, weil ich da spare. Wie sollte ich das sonst finanzieren? Ich verzichte, kauf mir weniger, damit ich für meinen Sohn vernünftige Sachen kaufen kann.

Zum Abschluss, wie würden Sie die Essenszeit in drei Worten zusammenfassen?

In drei Worten? Lecker, sauber, Zufriedenheit!

Von Philipp Althammer

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