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Celle Stadt „Die Kinder wachsen mit dem Stück“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Die Kinder wachsen mit dem Stück“
19:34 25.06.2010
Von Oliver Gatz
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Celle Stadt

KLEIN HEHLEN. Verkleidet als Bär, Schwein, Maus oder Hase hat jeder bei der Probe seinen großen Auftritt. Für das Einstudieren des Theaterstücks „Das Dings“ haben die Zweitklässler der Sprachheilschule in Klein Hehlen professionelle Hilfe erhalten: Schauspielerin Anneke Schwabe aus Berlin geht mit den Kindern die Dialoge durch. Denn am Ende soll bei der Einschulungsfeier nach den Sommerferien auf der Bühne in der Turnhalle alles reibungslos klappen.

„Kannst du dich noch mal so hiphop-mäßig bewegen wie das letzte Mal“, wendet sich Schwabe an einen Jungen. Der lässt sich nicht lange bitten, schwenkt seine Arme und macht dabei einen richtig coolen Eindruck. Alle 35 Zweitklässler der Schule sind in das Theaterprojekt eingebunden. Nicht alle haben Sprechrollen übernommen. Einige Jungen und Mädchen sind für das Gestalten des Bühnenbildes verantwortlich, haben Tannen, Laubbäume, Wiesen und die strahlende Sonne gestaltet. Andere wiederum tragen mit Musikinstrumenten oder als Techniker zum Gelingen der Aufführung bei.

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„Die Kinder haben alle ihre Aufgaben“, sagt Schulleiterin Susanne Fischer. Ziel sei es, die Jungen und Mädchen mit Sprachentwicklungsstörungen dazu zu bringen, frei zu sprechen. „Die Kinder wachsen mit dem Stück“ betont Fischer. Das Selbstbewusstsein werde gestärkt.

Das Stück dreht sich um ein seltsames Ding im Wald. Tiere nähern sich dem mysteriösen Gegenstand und machen sich so ihre Gedanken. Nach etwa einer halben Stunde erkennen die kleinen Bären, Schweine, Mäuse und Hasen, dass es sich um einen umgekippten Stuhl handelt.

Die Kinder sind begeistert von den Proben. Stolz berichtet der neunjährige Björn, dass er den ersten Bär spielt. „Die Bären erkennt man an den braunen Pullovern, die Schweine an den rosa Sachen und an den Öhrchen“, erläutert der Junge. Nur die Kuh gebe es in der Aufführung nicht. „Sonst wäre das Stück zu lang geworden.“

Anneke Schwabe stand bereits in Hannover, Hamburg, München, Dresden und Recklinghausen auf der Bühne. Auch in Fernsehfilmen war die 31-Jährige schon zu sehen, unter anderem im „Großstadtrevier“ und in dem TV-Mehrteiler „Der Fürst und das Mädchen“ mit Maximilian Schell. Ihre Mutter ist Klassenlehrerin an der Förderschule. So kam es zu der Zusammenarbeit.

„Zunächst habe ich mit den Kindern Übungen gemacht“, erzählt Schwabe. „Es ging dabei um Konzentration, Wahrnehmung und wie man mit Emotionen umgeht.“ Das war Anfang Mai. Jetzt probt Schwabe erneut mit den Kleinen – und ist zufrieden. „Die Kinder haben einen enormen Sprung gemacht“, sagt sie. „Am Anfang waren die Jungen und Mädchen zum Teil sehr schüchtern.“

In der Sprachheilschule werden 198 Mädchen und Jungen unterrichtet. Es handelt sich um Kinder, die Schwierigkeiten mit der Satz- oder Lautbildung haben. Andere weisen extreme Sprachhemmungen auf, haben eine eingeschränkte Merkfähigkeit im auditiven Bereich. Neben der Freude am Spiel erfüllt das Einstudieren des Stücks deshalb auch eine therapeutische Funktion.