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Celle Stadt Dirigent mit Gespür fürs Tempo / Solisten-Duo hat schweren Stand
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Dirigent mit Gespür fürs Tempo / Solisten-Duo hat schweren Stand
13:22 13.06.2010
Das Residenzorchester Celle unter der Leitung von Dirigent Andrzej Berezynski. Im Vordergrund sind die Solisten Valentino Worlitzsch (Cello) und Volker Worlitzsch (Geige). zu sehen. Quelle: Peter Müller
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Als das Residenzorchester ankündigte, die D-Dur-Serenade und das Doppelkonzert von Johannes Brahms in der Celler Stadtkirche aufführen zu wollen, fragte man sich, ob sich da Größenwahn unter den Verantwortlichen breit gemacht hat, sind doch beide Werke äußerst heikel. Einerseits sind sie musikalisch bei aller Genialität jedes einzelnen Satzes dieser Werke als Ganzes umstritten und äußerst schwer überzeugend zu realisieren, andererseits sind beide Werke technisch, insbesondere in den vielen heiklen Bläserpassagen, hoch anspruchsvoll. Es ist kein Zufall, dass man diese Werke nur selten gut zu hören bekommt. Nach dem Abend ist festzustellen, dass das Orchester zumindest die Serenade auf einem im positiven Sinn staunenswerten Niveau gespielt hat.

Natürlich ist das nicht alleine dem Orchester zu verdanken, sondern mindestens genauso seinem Dirigenten Andrzej Berezynski, dessen Gespür für das richtige Tempo ebenso frappierend ist wie dessen Fähigkeit seine Emotionalität so auf sein Orchester zu übertragen, dass jede Phrase zwingend wirkt. Er vermittelt seinen Musikern auch die Sicherheit, die man braucht, um natürlich und atmend phrasieren zu können, eine unabdingbare Voraussetzung, um überhaupt Brahms erfüllt musizieren zu können. Musikalisch gelang der Balanceakt zwischen schwerem sinfonischem Anspruch und leichter Serenadenhaftigkeit bestens. Die Klangqualität des Orchesters verblüffte einmal mehr. Sogar die sonst eher einmal schwächelnden Oboen fielen nicht ab. Lediglich in den tiefen Streichern fehlte es manchmal ein wenig an Volumen und Sicherheit. Insgesamt war aber eine Orchesterkultur zu erleben, wie man sie auch von wesentlich bekannteren Klangkörpern nicht als selbstverständlich ansehen kann.

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Anders hingegen fällt das Resumée beim eingangs gespielten Doppelkonzert aus. Valentino Worlitzsch verblüffte zwar ob einer mehr als beachtlichen technischen Souveränität, jedoch kam das Stück gestalterisch für den 20-jährigen Cellisten unüberhörbar zu früh. Er traute sich einfach zu wenig. Und der letzte Satz des Stückes verpuffte in seiner Wirkung, weil das vom Cellisten gewählte Tempo zu langsam war. Vater Volker Worlitzsch an der Geige bot angenehm uneitles, gutes, manchmal gar sehr gutes Handwerk, nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Sein eher süßer Ton passte so gar nicht zur eher sachlichen Spielweise seines Sohnes. Die beiden so sympathisch wirkenden Worlitzschs waren ein Duo, das zwiespältige Eindrücke hinterließ. Auch das Orchester war bei diesem Stück, vor allem im dritten Satz, nicht immer auf der Höhe, so dass diese Wiedergabe alles in allem ein wenig enttäuschte. Dafür geriet dann aber die Serenade umso besser.

Von Reinald Hanke