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Celle Stadt Gender-Thema spaltet Cellerinnen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gender-Thema spaltet Cellerinnen
10:06 01.02.2019
Von Dagny Siebke
Celle

CELLE. Die Landeshauptstadt Hannover ist überzeugt, dass Verwaltungssprache alle Menschen ansprechen soll. „Frauen und Männer und jene, die sich nicht als Frau oder Mann selbst beschreiben“, heißt es in der Empfehlung, die auch in Celle eine Gender-Debatte ausgelöst hat. Die Lokalpolitik, für die hauptsächlich Männer sprechen, sieht keinen Handlungsbedarf. Doch was sagen Cellerinnen dazu? Die Meinungen fallen unterschiedlich aus. Frauen in der Fußgängerzone halten nicht viel vom jüngsten Vorstoß aus Hannover. Doch Frauen in Führungspositionen haben sich schon länger mit dem Thema beschäftigt.

"Geschlechtergerechte Sprache als Ausdruck der Gleichstellung"

„Eine geschlechtergerechte Sprache als Ausdruck der Gleichstellung aller Geschlechter halte ich in einer aufgeklärten Gesellschaft für unerlässlich“, findet OLG-Präsidentin Stefanie Otte. „Ich meine aber, dass diese nicht in formalisierter Form vorgegeben werden muss.“ Ob die Gleichstellung mit dem Gender-Star, dem Binnen-I oder durch neue Wortschöpfungen zum Ausdruck gebracht werde, sei für sie von untergeordneter Bedeutung.

Otte betont: „Wichtig erscheint mir an der Diskussion vor allem, dass sie dafür sensibilisiert, rein männliche Bezeichnungen nicht mehr ausschließlich zu verwenden, wenn alle Geschlechter angesprochen werden sollen. Nicht zuletzt, weil Frauen noch immer in Führungspositionen unterrepräsentiert sind, sollten sie sprachlich sichtbar und eine gendergerechte Sprache deshalb eigentlich selbstverständlich sein.“

Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit in der Sprache

Susanne Schreiber-Beckmann ist Vorsitzende von „CelleCreativ“. Die Einrichtungsberaterin übt sich jeden Tag in gewaltfreier Kommunikation, da Sprache unsere Welt forme, wie sie sagt: „Wie wir etwas benennen, hat Folgen darauf, wie sich etwas entwickelt.“ Schreiber-Beckmann wünscht sich in der Sprache mehr Achtsamkeit: „Wie heißt es so schön: Nomen est omen.“ Ein Redepult beschreibe das Rednerpult genauso gut. Im Vergleich zum Gendersternchen und Binnen-I gebe es aber elegantere Formen wie „Mitarbeitende“, die alle Geschlechter einbeziehen.

Mit Sprache herumexperimentiert

Auch Magda Meyer-Schulte, Leiterin der Familien-Bildungsstätte, hat bei der Konzeption der Programme schon viel mit Sprache herumexperimentiert. Sie betont, dass es ihr wichtig sei, alle ansprechen zu wollen und abzubilden, „wie die Wirklichkeit ist.“ Allerdings gebe es einen „krassen Widerspruch“ zwischen absoluter Gendergerechtigkeit und einfacher Lesbarkeit.

Gegenüber auch sprachlich mit Respekt begegnen

Liliane Steinke ist wichtig, zu benennen, was ist. Sie fragt: „Wieso sollte ich mich gemeint fühlen, wenn nur von ,VHS-Leiter‘ gesprochen wird?“ Zu einer bewussten Sprache gehöre es, dem anderen Gegenüber mit Respekt zu begegnen. „Wenn ich kommunizieren will, sollte ich auch verstanden werden“, betont Steinke. Durch die neue Gesetzeslage, die den Personalrechtsstand ‚divers‘ ermögliche, werde die Aufmerksamkeit für das Thema geschärft.

Vortragsveranstaltung bei der VHS

Welche Folgen die Änderung auch für Celle hat, erläutert Kevin Rosenberger am 12. Februar bei der VHS. "Männlich – weiblich – divers:
Was ändert die neue Gesetzeslage in der Gesellschaft, für Kommunen und Unternehmen?" heißt das Thema seines Vortrags ab 18.30 Uhr im Saal Trift 20. Der Eintritt ist frei.

Meinung: Kleine Dinge

Sprache befindet sich immer im Wandel. Selbst unsere Grammatik ist nicht in Stein gemeißelt. Mit neuen Erfindungen entstehen neue Wörter. Da wir Deutschen nicht allein auf der Welt sind, beeinflussen uns andere Sprachen. Als ich an der Uni studierte, eröffneten sich mir neue Sichtweisen auf uns Menschen. Und ja, plötzlich waren da überall Studierende und Lehrende. Mit etwas Übung gingen diese Wörter aber auch ganz leicht von der Zunge. 

Wer sich einmal mit geschlechtergerechter Sprache beschäftigt, wird feststellen, dass es nicht nur um Wortungetüme wie Antragsteller*innen geht. In der Praxis braucht es oft nur kleine Änderungen, die das Leben und Lesen einfacher machen. Wenn in Formularen der Name des Antragstellers gefragt ist, könnte dort auch einfach „Ihr Name“ stehen. Bei der neuen Wortschöpfung Redepult fehlen sogar nur zwei Buchstaben. Anschreiben könnten sogar noch persönlicher werden, wenn die Anrede mit Herr und Frau vermieden wird und stattdessen Vorname und Nachname direkt genannt werden. Das macht die Sache bei Unisex-Namen sogar noch einfacher, denn Menschen wie Kim oder Sascha werden bei E-Mails häufig mit der falschen Anrede angesprochen.

Wer sich einmal die Beispiele aus Hannover anschaut, kann seinem Gegenüber nicht nur mehr Respekt entgegenbringen, sondern auch ein Gefühl dafür entwickeln, wie formbar tatsächlich unsere Sprache ist.

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