Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Gute Tat mit viel Logistik
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gute Tat mit viel Logistik
18:57 26.02.2019
Von Jürgen Poestges
In der Celler Kreuzkirche an der Windmühlenstraße bekommen die Kunden ganz nach ihren individuellen Wünschen die Taschen gefüllt. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Morgens gegen 8 Uhr geht es los. „Das ist die Brötchen-Tour“, sagt Heinz-Jürgen Sochor lachend und steigt in den weißen Wagen mit dem Emblem der Celler Tafel. Der 65-Jährige ist einer von 45 Ehrenamtlichen, die in der Zentrale der Celler Tafel an der Uferstraße dafür sorgen, dass die Lebensmittel angeliefert und sortiert werden können. Erste Station auf der Tour durch die Innenstadt ist der Lobetal-Markt an der Bergstraße. „Hier müssen wir eine neue Tüte mitnehmen“, verrät Sochor. Die Ausbeute ist zwar noch nicht so sehr groß, nur eine Tüte, zur Hälfte mit Brötchen gefüllt und Kartoffeln. „Es ist wirklich von Tag zu Tag verschieden, wie viel die Geschäfte abgeben“, sagt Sochor.

„Überall gibt es
freundliche Gesichter“

In den meisten Geschäften ist er schon bekannt. Schon wenn der Wagen vorfährt, werden die Säcke und Kisten aus den Hinterzimmern geholt. „Diese Arbeit macht mir großen Spaß “, erklärt der Rentner, der sein Berufsleben als Busfahrer verbracht hat. Man lernt Leute kennen, und durch das gute Image der „Tafel“ gibt es überall nur freundliche Gesichter.

Nachdem die Geschäfte in der Innenstadt abgefahren sind, geht es in die Außenbereiche. Eine Bäckerei am Lauensteinplatz hat ein besonderes „Bonbon“. „Ich habe noch was besonders Leckeres für euch“, sagt die Bäckersfrau und reicht ein Tablett mit Kuchen. „Aber das Blech bitte zurückbringen.“

„Wir haben sie
uns gut erzogen“

Nach einer Zwischenstation zum Ausladen in der Tafel-Zentrale stehen die Supermärkte und Tankstellen auf dem Programm. „Das geht alles total problemlos“, erzählt Sochor. „Manchmal muss ich nur zur Kasse winken, dann kommt jemand und macht uns hinten an der Rampe das Tor auf.“ Dort werden dann die vollen grünen Kisten mitgenommen und neue hingestellt. Nur selten muss die Ware noch umgeladen werden. Dann stehen Äpfel, Tomaten, Zitronen oder Apfelsinen in den Pappkartons an der Rampe. Nur selten greift man da noch in matschiges Obst. „Wir haben sie uns gut erzogen“, sagt Wolfgang Schwenk, der Vorsitzende der Celler Tafel. „Wir sind nicht der Mülleimer für die Märkte. Am Anfang war es häufiger so, dass wir die Abfälle hingestellt bekamen. Das kommt jetzt so gut wie gar nicht mehr vor.“

Während die drei Kühlfahrzeuge der Tafel in Stadt und Landkreis unterwegs sind, herrscht in der großen Halle im Gebäude an der Uferstraße hektisches Treiben. In einer Ecke werden die Brötchen in Fünfer-Tüten gepackt und verschlossen. Am Regal in der Mitte sortieren die Helfer Obst und Gemüse. Ein-Euro-Jobber und Menschen, die Sozialdienst leisten, sind ebenso bei der Arbeit wie einige ehrenamtliche Helfer. 45 Mitarbeiter sind an der Uferstraße tätig, 235 sind es, wenn man die Helfer an den Ausgabestellen mitzählt. „Wir sortieren hier die Sachen schon so vor, dass sie zum Austeilen fertig sind“, sagt Schwenk. „Denn den Mitarbeitern vor Ort ist nicht zuzumuten, vor der Ausgabe noch einmal alles durchzuschauen.“

15 Ausgabestellen
warten pro Woche

Die „Oberaufsicht“ an diesem Tag hat Ingrid Weyeneth. „Ich bin seit acht Jahren dabei“, erzählt sie, „und in dieser Zeit haben sich die Abläufe bei uns eingespielt.“ Sie teilt die Lebensmittel für die entsprechenden Ausgabestellen aus. „Dabei geht es um die jeweilige Zahl von Kunden, die zu den Ausgabestellen kommen.“ Das ist es, was die Tafel-Mitarbeiter ausmacht. „Wir reden hier von Kunden“, sagt Schwenk. „Es fällt vielen Menschen schwer genug, überhaupt zu uns zu kommen. Viele müssen über ihren Schatten springen.“

Am späten Vormittag beginnt die Auslieferung. 15 Ausgabestellen gibt es in Stadt und Landkreis. Über die Woche verteilt hat jede davon einmal geöffnet. An diesem Donnerstag sind es vier Stellen, die beliefert werden müssen. Detlef Loeper packt seinen Wagen zunächst für die Christuskirche in Westercelle. „Kisten ausliefern erspart mir den Besuch im Fitnessstudio“, sagt der 66-jährige ehemalige TÜV-Mitarbeiter lachend. Manch eine Kiste hat schon ihr Gewicht, wenn sie zu den wartenden Mitarbeitern getragen werden muss.

In Westercelle wartet Horst Teichert mit fünf Mitarbeiterinnen auf die Ware. „Wir haben drei Schichten à fünf Leute“, sagt er. So ist jeder alle drei Wochen einmal dran.“ Zwischen 25 und 30 Familien werden versorgt. Eine Einzelperson muss einen Euro, eine Familie zwei Euro bezahlen, außerdem ist ein Berechtigungsschein vorzuzeigen. „Wir haben aber auch eine Liste von bezugsberechtigten Menschen, die zu uns kommen dürfen“ , sagt Teichert.

Wartende Kunden
helfen beim Ausladen

Loeper ist indes froh, dass es an jeder Auslieferungsstelle Hilfe von den wartenden Kunden gibt. Auch am Haus der Kirche in Winsen stehen bereits zwei Männer bereit, um Kisten in Empfang zu nehmen. In Winsen sind es 16 Frauen, die sich den Dienst teilen, rund 50 Personen holen sich Lebensmittel ab.

Gegen 13.30 Uhr kehrt dann langsam Ruhe ein im Tensey-Haus an der Uferstraße. Bis es am nächsten Morgen wieder um 8 Uhr los geht – mit der Brötchen-Runde.

Informationen

Text Text bold Text italic

Für Privatleute streng verboten, im Französischen Garten erlaubt: Ein Schädlingsbekämpfer beseitigt Maulwürfe. Die Tiere stehen unter Artenschutz.

Christian Link 26.02.2019

Mit einem Imagefilm über den Lichtkunstbahnhof ist das Projekt vorerst abgeschlossen. In etwa zwei Jahren wird auch die Westseite.

Gunther Meinrenken 26.02.2019

Warum blieb Vito von Eichborn sitzen? In welchem Fach war er besonders gut? Und wonach suchte er in Celle stets? Welchen beruf hat er ergriffen?

Andreas Babel 26.02.2019