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Celle Stadt Ein bisschen Brecht und linke Sticheleien
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ein bisschen Brecht und linke Sticheleien
16:55 14.06.2010
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Celle Stadt

Natürlich durften bei seiner Moderation einige pointierte Kommentare zur politischen Lage nicht fehlen. Insoweit bot Dehm einen abwechslungsreichen, unterhaltsamen Auftritt.

Die Verbindung zwischen den Brecht-Liedern und einem in der „Linken“ verwurzelten Politiker herzustellen, fällt nicht schwer, zumal sich die „Linke“ als Gralshüterin der Arbeiterbewegung ansieht. Aber prädestiniert für die Nähe zur Arbeiterbewegung ist Diether Dehm als erfolgreicher Unternehmer eigentlich nicht von vornherein, denn beruflich ist er Musikproduzent und erfolgreicher Liedermacher. Dehm schrieb Lieder, die zu Hymnen wurden, wie „Aufsteh’n“ der niederländischen Gruppe „bots“, das Lied „Das weiche Wasser bricht den Stein“, das von der Friedensbewegung adoptiert wurde, oder das für Klaus Lage geschriebene „Monopoly“.

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Politisch groß geworden in der Frankfurter SPD, wechselte er nach Auseinandersetzungen über seine Stasi-Kontakte im Jahr 1998 zur PDS / „Die Linke“, für die er gegenwärtig im Bundestag sitzt. Und weil Dehm außerdem noch Landesvorsitzender der niedersächsischen PDS ist, waren angesichts der politischen Vorgänge in Hessen und NRW seine Kommentare besonders interessant. So kritisierte er, dass Prominente wie Beckenbauer oder Netzer „Flatrate-Steuern“ im Ausland zahlen würden, und für den umstrittenen Essayisten Peter Sloterdijk prägte er den Begriff des „Philosopie-Designers“. Darüber stellte er sich uneingeschränkt hinter das Grundgesetz, was nicht von jedem PDS-Mitglied in diese Deutlichkeit zu hören ist. Er würde die DDR sogar als „Leberwurst“ bezeichnen, wenn die SPD im Gegenzug auf die Streichung von Stellen in Krankenhäusern verzichte, meinte er – vielleicht mit Blick auf zukünftige Koalitionen?

Besonders gelungen war seine Imitation und Persiflage des TV-Moderators Heinz Schenk („Der blaue Bock“), den er grottenblöd singen ließ: „Denn die Umwelt ist um uns herum“. Die Konzerne seien weit weg, aber auf das auf der Erde liegende Kaugummipapier könne man achten.

Von Peter Bierschwale