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Celle Stadt Eisermann-Überfall: Amoklauf aus Neid und Hass
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Eisermann-Überfall: Amoklauf aus Neid und Hass
17:58 27.07.2011
Von Gunther Meinrenken
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Celle Stadt

Gegen Auflagen wurde der Haftbefehl gegen den 46-Jährigen Celler aus dem Schaustellergewerbe außer Vollzug gesetzt, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Witold Franke, sagte.

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Täterschutz vor Opferschutz? „Die Untersuchungshaft soll die Durchführung des Verfahrens sichern. Haftbefehle ergehen in der Mehrzahl bei Fluchtgefahr. Diese liegt hier auch vor, allerdings kann dieser Fluchtgefahr mit bestimmten Auflagen begegnet werden“, rechtfertigte Franke die Entscheidung. Dazu gehöre zum Beispiel, dass sich der Mann regelmäßig bei der Polizei melden und sich aus dem Umfeld des Opfers fern halten muss. Dass der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt wurde, sei mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft geschehen, so Franke. Dabei wäre auch berücksichtigt worden, dass der Täter „bislang gänzlich unbescholten“ sei und er sich selbst der Polizei gestellt habe.

Auf „gefährliche Körperverletzung“ lautete der Haftbefehl, gleichwohl sei für die Ermittlungsbehörden noch nicht geklärt, ob man von einem weitergehenden Vorwurf auszugehen hat, sprich, ob die Anklage nicht auf ein versuchtes Tötungsdelikt erweitert wird. Für die Familie des Opfers ist die Antwort auf diese Frage längst klar. „Das waren gezielte Schläge gegen den Kopf meines Vaters. Für uns ist das versuchter Mord. Das war ein Amoklauf aus Neid und Hass“, sagte der Sohn des Opfers, Christoph Eisermann, jetzt gegenüber der Celleschen Zeitung.

Dass der Täter wieder auf freiem Fuß ist, dafür haben die Eisermanns kein Verständnis. „Dieser Überfall war viel schlimmer, als wenn nur eingebrochen oder man zu Hause ausgeraubt worden wäre. Meine Eltern fühlen sich in ihrem eigenen Haus nicht mehr sicher und dieses Gefühl wird einem noch sehr lange nachhängen. Jetzt haben wir erst einmal einen privaten Personenschutz engagiert“, sagte Christoph Eisermann, der nicht weiß, was den Täter zu dem Gewaltexzess getrieben haben könnte. „Wir haben keine privaten oder geschäftlichen Beziehungen miteinander“, stellte der Sohn des Opfers klar.

Laut Oberstaatsanwalt Franke gebe es seriöse Überlegungen, wonach der Täter Benno Eisermann „wirklich nur einen Denkzettel verpassen wollte“. Möglicherweise hat er aber den Falschen getroffen. Denn nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll es wenige Stunden vor dem Angriff Streitigkeiten zwischen einem der Söhne Eisermanns und dem späteren Täter gegeben haben. Dabei soll letzterer leichte Verletzungen davon getragen haben. Ansonsten hat sich der 46-Jährige zu seinen Motiven noch nicht großartig eingelassen. „Er hat die Tat im Großen und Ganzen eingeräumt und alles sehr bedauert“, so Franke.

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