Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Stadt Endlich Klartext
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Endlich Klartext
13:53 13.06.2010
Anzeige
Celle Stadt

Dass auch die Regierungschefin eines Landes, das junge Frauen und Männer in den Krieg schickt, an der Trauerfeier gefallener Soldaten teilnimmt und nicht „nur“ dem jeweils zuständigen Minister diese traurige Pflicht überlässt, war überfällig. Angela Merkel hat es an diesem Freitag in Selsingen das erste Mal in ihrer knapp viereinhalbjährigen Amtszeit als Bundeskanzlerin getan. Da dürfte nicht allein die eigene Überzeugung eine Rolle gespielt haben, sondern vor allem auch der immer stärker werdende öffentliche Druck nicht zuletzt aus den eigenen Reihen der CDU, deren Chefin Merkel in diesen Tagen seit zehn Jahren ist. Immerhin haben bereits 39 deutsche Soldaten seit Beginn des Einsatzes am Hindukusch vor acht Jahren ihr Leben verloren.

Wenn es eng wird, darf der Chef sich nicht wegducken. Das gilt beim Militär, das gilt im Wirtschaftsleben, und das muss ebenso in der Politik gelten. Spät, aber nicht zu spät hat auch Merkel dies erkannt.

Anzeige

Dazu gehört, allen Deutschen, ob in Uniform oder in Zivil, reinen Wein einzuschenken und nicht um den lebensgefährlichen heißen Brei herumzureden. Viel zu lange ist das Gegenteil geschehen. Angesichts der jüngsten Ereignisse hat in der Bundesregierung ein Umdenken eingesetzt. Endlich wird Klartext geredet und „Krieg“ genannt, was viele Menschen, nicht nur die Soldaten selbst, als „Krieg“ empfinden.

Das ist richtig so. Aber es darf nicht bei Worten bleiben. Verbale Eiertänze um Begrifflichkeiten wie „kriegsähnliche Zustände“ oder „umgangssprachlich als Krieg zu bezeichnen“ sind das letzte, was den Soldaten und ihren Angehörigen in der Heimat hilft. Die Frauen und Männer im Einsatz brauchen nicht nur eine bestmögliche Ausrüstung zum eigenen Schutz, sondern vor allem die geistige und moralische Unterstützung der Deutschen zu Hause – der Politiker und der Bevölkerung. Daran mangelt es bisher leider sehr.

Eine Mehrheit der Deutschen lehnt den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ab. Dieser Mehrheit muss noch klarer gemacht werden, aus welchem Grund auch deutsche Soldaten überhaupt dort sind. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als darum, den internationalen Terrorismus an einer seiner Brutstätten zu bekämpfen. Wer diesen Kampf aufgibt, hat verloren. Dazu darf es nicht kommen.

Von Hans-Jürgen Galisch