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Celle Stadt Entdecker und Fantast zwischen Gold, Macht, Trieb und Tod
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Entdecker und Fantast zwischen Gold, Macht, Trieb und Tod
13:54 13.06.2010
Ausstellung von Eberhard Schlotter \\"Kolumbus - Die Tragödie des Menschen\\" im Bomann-Museum: - Die Tragödie des Menschen, Blatt 1 - Quelle: Aneka Schult
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Aquatinta, Mezzotinta, Kaltnadelradierung oder Vernis mou. Der Künstler Eberhard Schlotter begibt sich in seiner Radiermappe „Kolumbus – Die Tragödie des Menschen“ auf grafische Entdeckungstour und sucht dem berühmten Seefahrer so näher zu kommen. Anlässlich des 500. Jahrestages der Entdeckung Amerikas wurde er mit der Radiermappe zu Christoph Kolumbus beauftragt. In 46 Illustrationen begleitet er einen Abenteurer und Fantasten, der seine persönlichen Motive, die Gier nach Gold und Ruhm, mit rücksichtsloser Brutalität verfolgte. Sein Eindringen in bis dahin unbekannte Gebiete brachte unermessliches Leid über die Bevölkerung und leitete den Untergang der indianischen Kulturen ein. Schlotters kritischer Blick auf die verehrte Persönlichkeit der spanischen Geschichte hatte Konsequenzen: 17 Blätter durften in der spanischen Ausgabe nicht veröffentlicht werden.

Die Mappe entstand zwischen 1984 und 1988 und gehört zu den umfangreichsten graphischen Zyklen Schlotters. Nach intensivem Studium von Dokumenten und Berichten aus der Zeit der ersten Reisen in die neue Welt von Kolumbus, Bartholomé de las Casas, Diego Alvarez Chanca, Michele De Cuneo und Fernando Colón greift der Künstler konkrete historische Ereignisse auf und entwickelt in collageartigen Kompositionen bewegende Bildvisionen. Kurze Texte begleiten die Szenen. Sabine Summek-Liman von der Eberhard-Schlotter-Stiftung hat deren Quellen recherchiert.

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Bereits das erste Blatt zeigt den Entdecker als historische Figur, Machtmenschen, Fortschrittsgläubigen, als Gebeugten und zugleich als Individuum, das Leonardo da Vinci in der Ich-zentrierten Neuzeit zum Mittelpunkt der Welt erklärte. Immer wieder greift Schlotter in verschiedenen Radiertechniken das Denkmal Kolumbus an. „Das doppelte lch“ (el doble Yo) heißt eine Radierung, das „gestürzte Denkmal“ eine andere. Als „Christo Ferens“ (Christusträger) wird seine Unternehmung ad absurdum geführt. Auch die Unterwerfung aus Lust spielt bei Schlotter eine Rolle und regt ihn zu sehr pikanten Arbeiten an, wie zum Blatt „Der Trieb“, das im katholischen Spanien ebenso wenig gezeigt wurde wie die brutale Niederwerfung durch die Eroberer. Auch „Land in Sicht“ zeigt ein Schiff auf dem Meer mit phallischem Beiwerk sowie eine Landschaft, geformt als Frauenkörper. Männliche Abenteuer, das Stechen in See, Neugier, Erwartung, Eroberung, Sieg. Der Assoziationen gibt es viele.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist ab morgen bis 5. September im Bomann-Museum, Schlossplatz 7, dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Eine erste Führung findet am 24. Januar um 11.30 Uhr statt.

Von Aneka Schult