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Celle Stadt Es wird spannend
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Es wird spannend
19:38 28.06.2010
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Celle Stadt

Es wird spannend bei der Wahl des Bundespräsidenten am morgigen Mittwoch. Nicht nur deswegen, weil die demokratischen Parteien zwei untadelige und sehr geeignete Kandidaten für das höchste Staatsamt bestimmt haben. Sondern auch deshalb, weil die rechnerische Mehrheit des Kandidaten von Union und FDP zu schwinden scheint.

Man kann es einigen ostdeutschen Liberalen nicht verübeln, wenn sie – entgegen der Parteilinie – für Joachim Gauck stimmen, der sich unter Gefahr für Leib und Leben für bürgerliche Freiheiten in der DDR eingesetzt hat. Bedenklicher wäre es schon, wenn einige CDU- oder FDP-Delegierte aus Baden-Württemberg nur deswegen für Gauck stimmen, weil sie sich an Christian Wulff politisch „rächen“ wollen. Dessen Landesregierung hatte nämlich – angeblich ohne Wulffs Wissen – eine CD mit brisanten Steuerdaten gekauft, die die Landesregierung in Stuttgart nicht hatte haben wollen. Durch den Kauf fühlten sich die Süddeutschen – zu Recht oder zu Unrecht – von den Niedersachsen brüskiert. Doch die morgige Wahl des Bundespräsidenten darf nicht dazu benutzt werden, alte politische Rechnungen zu begleichen.

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Auch wer von den Delegierten aus Union oder FDP Bundeskanzlerin Angela Merkel einen „Denkzettel“ verpassen möchte, sollte dazu die offene Aussprache nutzen und nicht die geheime Wahl eines Staatsoberhauptes. Mögen die Kandidaten Wulff und Gauck auch aus taktischen Gründen von den Parteien in Berlin aufgestellt worden sein: Beide verdienen es, um ihrer selbst willen gewählt zu werden – wegen ihrer persönlichen Ausstrahlung und wegen ihrer politischen Leistungen. Das ist das Einzige, was morgen zählt. Michael Regehly

Von Michael Regehly