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Celle Stadt Fade Lola, braves Stück
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Fade Lola, braves Stück
10:35 11.09.2018
Ein bisschen „blauer Engel“ im Celler Schlosstheater: Natascha Heimes als Marlene Dietrich. Links Dirk Böther, im Hintergrund das Jazz-Sextett von Moritz Aring. Quelle: Hubertus Blume
Celle

Ungleicher können die Biografien zweier Schwestern kaum verlaufen. Die eine erobert Hollywood, wird zu einem der wenigen deutschen internationalen Stars, ist in den Metropolen der Welt zu Hause und bezieht während des Krieges eindeutig gegen die Nazis Stellung. Die andere verlässt die Heimatstadt Berlin, um in Bergen ihrem Mann beim Betreiben eines Truppenkinos zu helfen, das sowohl den Soldaten im sogenannten Ostlager als auch den SS-Männern des unmittelbar angrenzenden Konzentrationslagers Bergen-Belsen zur Unterhaltung diente.

Die Geschichte von der schillernd schönen blonden Diva auf der einen und der unscheinbaren, ängstlichen, dunkelhaarigen Frau, die bis zu ihrem Tod im Jahr 1973 in Bergen wohnte, auf der anderen Seite trägt märchenhafte Züge. Doch sie ist real – der Autor und Journalist Heinrich Thies hat die Story über Marlene Dietrich und ihre Schwester, die sie fast 40 Jahre lang verleugnete, in dem Buch „Fesche Lola, brave Liesel“ niedergeschrieben und gemeinsam mit dem Schlosstheater Celle eine Bühnenfassung erstellt, die am Freitag unter dem gleichnamigen Titel uraufgeführt wurde.

Der Auftakt ist so ungewöhnlich wie vielversprechend: Mit Jazz hatte die Dietrich eigentlich nichts am Hut, aber die Celler Jazzcombo um Moritz Aring, die mit „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ von Friedrich Hollaender eröffnet, hätte der Schauspielerin und Sängerin (die ihrer Zeit immer voraus war) sicher gefallen.

Die Formation fast durchgehend den musikalischen Hintergrund der Szenen bilden zu lassen, ist einer der wenigen Kunstgriffe dieser Inszenierung, die versucht, das lange Leben der von Natascha Heimes sehr gut dargestellten Künstlerin und die dazugehörige Zeitgeschichte abzubilden. Die Szenen – etwa 30 Minuten spielen in der Kaserne Bergen-Belsen und im entstehenden "DP Camp" ("Displaced Persons" waren vor allem Zwangsarbeiter und Zwangsverschleppte der nationalsozialistischen Herrschaft) – verlieren sich in Details, die Bühnenfassung klebt am mehrere hundert Seiten langen Buch und fügt mit der Tochter Maria Riva sogar noch eine Perspektive hinzu.

Die Geschichte zweier ungleicher Schwestern war angekündigt, aber auf diesen Aspekt konzentriert sich Regisseur Andreas Döring nicht. Zudem widerfährt Liesel im Theater das gleiche Schicksal wie im wahren Leben: Sie kommt zu kurz, ihr Ehemann Georg Will nimmt breiteren Raum ein als die von Johanna Marx sehr gut gespielte Elisabeth Will.

Wieso hielt die berühmte Schwester nach dem Krieg dauerhaft Kontakt zu ihr, verleugnete sie der Karriere wegen zwar, aber unterstützte sie dennoch, lud sie ein in die Orte ihrer Auftritte? Die schnoddrig-hartherzige Figur, die der Regisseur von der einstigen Leinwandgöttin zeichnet, hätte dieses kaum getan.

Döring versucht, den Charakter abzubilden, aber er dringt nicht vor zum Wesen der Dietrich und auch nicht zum Kern der Geschichte dieser beiden außergewöhnlichen Frauen, deren Leben vielversprechend begannen und tragisch endeten. Nach der Pause kommt mit dem pompös überzeichneten Auftritt von Zarah Leander Hoffnung auf, dass sich die Akzente verschieben. Bühnenbildnerisch und kostümtechnisch hätte der Regisseur und Intendant beste Voraussetzungen gehabt. Doch es geht weiter mit langatmigen, zerfaserten Szenen, ab und an unterbrochen von Musik.

Der Impuls zum Aufstehen geht nicht unmittelbar durch die Reihen, erst nach einiger Zeit des Applaudierens erheben sich einzelne Zuschauer von den Plätzen, zahlreiche folgen, doch ein erheblicher Teil bleibt hartnäckig sitzen.

Die Geschichte, die das Publikum zu sehen bekam, lässt so kalt, wie Marlene Dietrich am Ende die Nachricht vom Tod ihrer Schwester nicht zu berühren scheint. Kein großes Kino im Theater.

Anm. d. Red.: Der Beitrag wurde nach seiner ersten Veröffentlichung geändert.

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