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Celle Stadt Foto trifft Skulptur
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Foto trifft Skulptur
13:22 03.09.2018
Der Celler Fotograf Roman Thomas vor einem seiner Werke. "Hidden Places" hat er seine erste Ausstellung in seiner Heimatstadt überschrieben. Quelle: Anke Schlicht
Celle

„Du hast einen Blick“, sagt eine Besucherin im Vorbeigehen zu Roman Thomas. Ja, den hat der Celler Fotograf, und zum ersten Mal lässt er durch die Ausstellung „Hidden Places“, die am Samstag in der Gründerzeit-Villa der Quartier 4 Grundstücksgesellschaft eröffnet wurde, teilhaben an seiner Kunst. Der Titel, den er für seine kühl und distanziert wirkenden, überwiegend menschenleeren, in den Metropolen dieser Welt entstandenen Werke gewählt hat, trifft gewissermaßen auch auf den Ort der Schau zu. Im unscheinbaren Dreieck zwischen Bahnhof, Knast und Triftanlagen findet sich ein Kleinod, das besticht durch den Charme der Gründerzeit-Architektur und mit seinen hellen lichtdurchfluteten Räumen ideal erscheint für die Präsentation von Kunst.

„Diese Bilder bringen Großstadtflair in die Kleinstadt“, sagt Susanne Peschke, während sie eine in London aufgenommene Fotografie betrachtet, die erst beim zweiten Hinsehen eine nach muslimischer Tradition gekleidete Frau erkennen lässt. Eilig hastet sie vorbei an einer mit Graffiti besprühten Mauer. „Woman in Blue“ heißt das Bild, und es hängt in der modernen Hightech-Küche des parzelliert in Eigentumswohnungen zum Verkauf angebotenen Hauses. Kontrast oder Symbiose oder beides? Die Einschätzung liegt im Auge des Betrachters, das in dieser Schau verwöhnt wird, – nicht zuletzt durch die Skulpturen von Norbert Diemert. Sie nehmen das Plastische der Fotos in einer Weise auf, dass sich die Bilder an den Wänden und die vereinzelt in den Räumen platzierten Objekte aus Stein gegenseitig optimal in Szene setzen. „Es ist extrem selten, dass man auf so einer großen Fläche stellen kann, gleichzeitig aber nur wenig stellen darf“, beurteilt der Vorsitzende des Bundes Bildender Künstler Celle, Norbert Diemert, den 700 Quadratmeter großen Ausstellungsort über mehrere Etagen, der nur einmalig für einen künstlerischen Zweck zur Verfügung steht, was einerseits sehr bedauerlich ist, andererseits die Attraktivität des Events erhöht.

Der Besucheransturm zur Vernissage ist enorm, Diemert wie Thomas sind von der Resonanz überrascht. Fläche, Raum, Stimmung und Linienführung – darauf kommt es Roman Thomas an. Er hat das Fotografieren von seinem Vater gelernt, mit acht Jahren schoss er erste Bilder. Heute führt ihn seine Arbeit als Architekturfotograf regelmäßig nach New York, London, Paris und in weitere Metropolen. Ab und zu findet der 43-Jährige Zeit und Gelegenheit, das mit der Kamera einzufangen, was er als sein persönliches Interesse und seinen Stil ausgemacht hat und was nun durch die sehenswerte Schau auch Einzug in seine Heimatstadt Celle gehalten hat.

Die Ausstellung ist bis zum 1. Oktober in der Gründerzeit-Villa der Quartier 4 Grundstücksgesellschaft mbH, Trift 2, in Celle samstags und sonntags, 15 bis 18 Uhr sowie nach Absprache zu sehen.

Von Anke Schlicht