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Celle Stadt Mit Kiste Selbstwertgefühl der Kinder stärken
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mit Kiste Selbstwertgefühl der Kinder stärken
05:55 24.01.2020
Von Dagny Siebke
Der Verein der Freunde und Mitarbeiter des Landgestüts finanziert die Anschaffung zweier Schatzkisten (von links): Klaus Holze, Christa Pahls-Korzonnek, Irina Adolph und Marliese Gierveld-Törkel und Fred Müller. Quelle: David Borghoff
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Celle

Wie bringt man Kindern im Kita-Alter bei, wie sie sich selbst vor sexuellem Missbrauch schützen können? Anregungen dazu gibt das Projekt „Echte Schätze“, welches das Präventionsbüro „Petze“ in Kiel ins Leben gerufen hat. Und das der Brennessel e. V. der Berufsfachgruppe gegen den sexuellen Missbrauch an Kindern nun nach Celle holt. Der Verein hat vier Schatzkisten angeschafft, mit denen Erzieherinnen sechs Präventionsbotschaften spielerisch vermitteln können.

Sozialpädagogin Marliese Gierveld-Törkel erklärt: „Mit der Kiste soll Missbrauch nicht diagnostiziert, sondern vorgebeugt werden. Wir wollen Kinder stark machen, damit sie sich trauen, laut Nein zu sagen.“ Mit grünen und roten Magneten sollen Kinder zum Beispiel zeigen, wo am Körper sie welche Berührungen als angenehm oder als unangenehm empfinden. „Wir wollen ihr Gefühl stärken, rechtzeitig zu sagen, was nicht in Ordnung ist“, so Gierveld-Törkel. Manche Kinder fänden zum Beispiel schon das Begrüßungsküsschen des Großvaters mit stoppeligem Drei-Tage-Bart unangenehm.

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Gute und schlechte Geheimnisse unterscheiden lernen

Wichtig sei es auch, zu lernen, gute und schlechte Geheimnisse voneinander zu unterscheiden, erläutert Gierveld-Törkel. „Wenn der Papa für die Mama zum Geburtstag einen Kuchen gebacken hat, mit dem er sie überraschen will, sollten Kinder das Geheimnis für sich behalten. Doch sie müssen lernen, dass Kinder schlechte Geheimnisse auch an Vertrauenspersonen wie die Erzieherin weitersagen dürfen.“ Ein schlechtes Geheimnis löse häufig bei den Kindern ein Unbehagen aus, das sich schwer anfühlt. Wenn es den Jüngsten helfe, könne auch zuerst die Katze als Handpuppe erfahren, was passiert ist.

Ross Pennington, Inhaber des Familotel Landhaus Averbeck, freut sich das Projekt „Echte Schätze“ mit einer Spende in Höhe von 1000 Euro zu unterstützen. Der Vorstand des Brennessel-Vereins bedankt sich dafür (von links): Christa Pahls-Korzonnek, Irina Adolph und Marliese Gierveld-Törkel. Quelle: David Borghoff

Christa Pahls-Korzonnek vom Brennessel-Vorstand stellt fest: „Die Celler Kitas sind mit dem Präventionsthema vertraut. Sie kennen zum Beispiel schon das Theaterstück ‚Ich bin doch keine Zuckermaus‘. Zur Schatzkiste gehört auch ein Plakat, das die Eltern über das Projekt informieren soll. Sie müssen schließlich wissen, mit welchem Thema sich die Kinder gerade beschäftigen.“ Bilderbücher veranschaulichen zusätzlich die Präventionsbotschaften. Die Expertinnen gehen davon aus, dass es in jeder Klasse ein Kind gibt, das Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch gemacht er. Es fange da an, wo etwas gegen den Willen des Kindes geschehe.

4000 Euro Anschubfinanzierung von Spendern

Der „Verein der Freunde und Mitarbeiter des Landgestüts“ unterstützt den Brennessel e. V. mit einer Spende in Höhe von 3004 Euro, damit der Verein der Berufsfachgruppe gegen den sexuellen Missbrauch an Kindern zwei Präventionskisten anschaffen kann. Das Geld stammt aus dem Erlös der Veranstaltung „Advent im Landgestüt“. Das Familotel Landhaus Averbeck spendet 1000 Euro, um das Projekt „Echte Schätze“ zu unterstützen. Die Summe ist ein Teilerlös aus einer Tombola zum Jahreswechsel.

Nummer gegen Kummer

In der Schulzeit regelmäßig für Kinder und Jugendliche dienstags 17 bis 19 Uhr unter Telefon (05141) 740560.  Für besorgte Menschen aus dem sozialen Umfeld wird die bundesweite, kostenfreie und anonyme Nummer unter Telefon (0800) 2255530 empfohlen. 

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