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Celle Stadt Geothermie-Siedlung in Klein Hehlen: Nebenkostenabrechnung verdirbt Feiertage
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Geothermie-Siedlung in Klein Hehlen: Nebenkostenabrechnung verdirbt Feiertage
17:02 05.01.2018
Von Dagny Siebke
Schöner Wohnen in der Geothermiesiedlung? Die Immobilienverwaltung Capera wirbt damit, Wohnungen "preiswert und fair" zu vermieten. Angesichts der aktuellen Nebenkostenabrechnung haben Mieter Zweifel daran.  Quelle: Fotocredit
Celle Stadt

KLEIN HEHLEN. Das ganze Jahr hat Carolin Gauding auf ihre Nebenkostenabrechnung für das Jahr 2016 gewartet. Ausgerechnet einen Tag vor Weihnachten erreichte sie das Schreiben und verdarb ihr gehörig die Feiertage. Knapp 800 Euro soll sie für sieben Monate in einem kleinen Appartement in der Geothermie-Siedlung nachzahlen. "Da kommt man neu nach Celle, zieht in die erste eigene Wohnung und dann sowas", betont die 23-Jährige. Nun müsse sie an ihre gesamten Ersparnisse gehen.

Gauding hatte bereits ein schlechtes Gefühl, weil sie im April 2016 schon eine saftige Nachzahlungsaufforderung erhalten hatte – wie viele andere Mieter. Die junge Frau zog so schnell wie möglich aus ihrer Wohnung an der Beckstraße aus. "Jetzt möchte ich zukünftige Mieter vor diesem Nebenkostenalbtraum warnen", so Gauding.

Nicht nur Carolin Gauding ist sauer. Beim Mieterbund in Celle haben sich schon viele andere Nachbarn gemeldet. "In der Geschäftsstelle wurden schon für den ganzen Januar Beratungstermine vereinbart", bestätigt Reinold von Thadden. "Uns ist schleierhaft, warum sich das Schauspiel nun wiederholt." Er empfiehlt den Betroffenen, sich beim Mieterbund oder einem Fachanwalt für Mietrecht beraten zu lassen. "Mieter haben ein Recht auf Belegeinsicht und sollten die Abrechnung auf Richtigkeit prüfen", so von Thadden. Auch die Abrechnungen aus den Vorjahren würden helfen. Es sei jedoch schwierig nachzuweisen, dass Vorauszahlungen bewusst zu niedrig angesetzt worden seien.

Besonders ärgerlich finden die Mieter, dass Eigentümer und Geschäftsführer der Deutschen Geothermischen Immobilien AG (dgi), Christoph F. Trautsch, allen Mietern im Mai 2016 in einem Schreiben mitgeteilt hat, dass der umlagefähige Wärmepumpenstrom im Jahr weniger als 30 Euro pro Monat und Wohnung wird. Doch bei vielen Mietern wurde fast doppelt so viel abgerechnet. Auch angesichts der "Mondlandschaft" können die Bewohner die Kosten für die "Gartenpflege" nicht nachvollziehen.

Auf CZ-Anfrage antwortet Trautsch: "Lediglich für das Jahr 2015 hatte ich die Kosten für den Wärmepumpenstrom auf 30 Euro begrenzt. In der Anlage zu jeder Abrechnung war ein gesondertes Schreiben hierzu und auch zu anderen Punkten beigefügt."

Wie erklärt er sich die hohen Nebenkosten? "Ich vermute stark, dass die Vorauszahlung seinerzeit zu niedrig von der Vorgänger-Verwaltung angesetzt wurde. Daher auch die Nachzahlung." Zudem wären die Kosten etwa für Winterdienst und Hausreinigung noch über ein Subunternehmen abgerechnet worden, was im Sommer 2017 aufgelöst wurde. "Wir haben aus unseren Fehlern gelernt und unseren Beitrag geleistet. Doch leider wird sich das erst im Jahr 2017 bemerkbar machen", erläutert Trautsch.

Der dgi-Geschäftsführer arbeitet jetzt mit der CAPERA Immobilien Service GmbH aus Gera zusammen, die auch die Nebenkostenabrechnungen verschickt hat. Sie wirbt damit, Wohnungen "preiswert und fair" zu vermieten.

Trautsch sagt, dass nach der letzten Nebenkostenabrechnung angeblich nur zwei Mietparteien ausgezogen seien. "Dagegen sind in den vergangenen fünf Monaten 70 neue Mieter eingezogen", so Trautsch. Das könnte auch daran liegen, dass CAPERA mit einer Herbstaktion damit geworben hat, bei Anmietung bis zum 30. September drei Monate die Heizkosten zu übernehmen.