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Celle Stadt Gericht verwehrt Stalking-Opfer Hilfe
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gericht verwehrt Stalking-Opfer Hilfe
13:19 13.06.2010
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Celle Stadt

„Elf Anwälte und 36 Verfahren sprechen doch eine deutliche Sprache“, fasst W. zusammen, was seine verflossene Liebe schon alles gegen ihn ins Feld geführt hat. „Da ist kein Ende in Sicht.“ Er sieht sich als Opfer einer Stalkerin, deren einziger Lebensinhalt sei, sein Leben systematisch zu zerstören.

Vor dem Amtsgericht Celle hatte er versucht, per Dringlichkeitsbeschluss eine einstweilige Anordnung zu erwirken, die es seiner Exfrau untersagt, ihm nachzustellen. Wörtlich heißt es in dem Antrag: „Insgesamt lässt das Verhalten den Rückschluss zu, dass die Antragsgegnerin dem Antragssteller dauerhaft nachstellt, ihn ausspioniert und unberechtigterweise versucht, Forderungen gegen ihn durchzusetzen. Dass hierbei bereits ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren anhängig ist, interessiert sie offensichtlich wenig.“

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Der zuständige Richter lehnte den Antrag mit der Begründung ab, dass die Schikanierungen schon seit Jahren stattfinden würden und dass deshalb jetzt keine Dringlichkeit bestehe. Für W. ist das ein Schlag ins Gesicht. „Wenn Männer Stalking-Opfer werden, sind sie klar im Nachteil. Mir hat man gesagt, wenn die Geschlechter von Täter und Opfer vertauscht wären, wäre der Stalker schon lange hinter Gittern.“

W. ist inzwischen wegen der andauernden Stresssituation arbeitsunfähig geworden und in psychiatrischer Behandlung. W.: „Man sagt mir immer, noch ist ja nichts Schlimmes passiert. Aber so ist es schon schlimm genug. Ich will doch nur, dass diese Frau mich endlich in Ruhe lässt.“ Er will einen weiteren Antrag stellen, mit dem seiner Exfrau untersagt wird, ihm und seiner neuen Familie nachzustellen. W.: „Hoffentlich hat das Gericht dieses Mal ein Einsehen und schiebt dem Treiben einen Riegel vor. So wie es jetzt ist, kann man sich ja nicht mehr normal bewegen.“

Von Björn Schlüter