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Celle Stadt Lust und Last eines Schlossherrn
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Lust und Last eines Schlossherrn
14:00 01.05.2019
Von Gunther Meinrenken
Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn im Garten vor Schloss Sayn, das die Familie aufwändig über Jahre wieder aufgebaut hat. Quelle: Klaus-Peter Kappest
Celle

Fürstlicher Glanz kehrt zurück nach Celle. Zur Mitgliederversammlung der Deutschen Burgenvereinigung werden bis Sonntag 200 Gäste in der ehemaligen Residenzstadt der Welfen erwartet, darunter einige Prinzen, Comtessen, Barone und Grafen. Im Vorfeld der Veranstaltung sprach CZ-Redakteur Gunther Meinrenken mit Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, dem jahrelangen Präsidenten der Deutschen Burgenvereinigung, jetzigem Ehrenpräsidenten sowie aktuellen Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Deutsche Burgenvereinigung.

Herr Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, Sie selbst sind in Besitz einer Burg und eines Schlosses. Was macht für Sie das besondere Lebensgefühl als Schlossherr aus? Ist es eher Lust oder Last? Vergnügen oder Verpflichtung?

Lust und Last wechseln sich ab, oft mehrfach täglich. Früher waren unsere Burgen und Schlösser im wahrsten Sinne des Wortes „eingebettet“ in größere Ländereien, die verlässlich für deren Erhalt und das Leben der Familie sorgen konnten. Das ist zumindest in Sayn längst nicht mehr der Fall. Zu Lust und Last kommt heute als bestimmendes Element die Verpflichtung hinzu, gegenüber einer Jahrhunderte alten Familiengeschichte, gegenüber den Menschen im Ort, dessen Wertigkeit durch die historischen Bauten geprägt wird, aber vor allem auch gegenüber unserem Gemeinwesen, das von uns die Bewahrung des kulturellen Erbes erwartet.

Das Fürstenpaar Gabriela und Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn in ihrem Schloss.

Zuletzt hat das Beispiel der Marienburg deutlich gemacht, das nicht jeder Burg- oder Schlossbesitzer auch die Mittel hat, die Bauwerke zu erhalten. Unabhängig von diesem konkreten Fall: Unterschätzen heutige Eigentümer die Unterhaltungskosten?

Überraschungen gibt es in der Regel für Investoren, die nicht in historischer Bausubstanz aufgewachsen sind. Ich glaube, dass die meisten „Alteigentümer“ von Geburt an mit den Sorgen und Nöten des Denkmalbesitzers recht gut vertraut sind. Aber immer wieder kann es da auch ganz unerfreuliche Überraschungen geben, etwa wenn neue Steuern und Gebühren keine Rücksicht auf die Besonderheiten historischer Bauten nehmen. Heute geht es zum Beispiel ganz konkret um die Grundsteuerreform, bei der Schlösser wie Einfamilienhäuser behandelt werden sollen, ohne Rücksichtnahme auf deren Grundfläche, Nutzbarkeit oder denkmalbedingte Erhaltungskosten.

Gibt es überhaupt Schlösser oder Burgen, die sich selbst tragen, etwa als Ausflugsziel und/oder Veranstaltungsort, oder ist der Besitz einer solchen Immobilie immer ein immenses Zuschussgeschäft?

Es gibt durchaus einige Schlösser und Burgen, die durch Besucher und Eventvermarktung gut Geld verdienen können. Das setzt aber auch in der Regel ein hohes persönliches Engagement der Besitzerfamilie voraus, und die Freude an einer privaten Nutzung muss zurücktreten.

Wie viele Burgen und Schlösser gibt es denn in Deutschland? Wissen Sie, wie viele noch in Besitz der ursprünglichen Adelsfamilien sind?

Mir sind da keine verlässlichen Zahlen bekannt. Das liegt auch an der recht unscharfen Definition von Schlössern, Herrenhäusern, Villen, Burgen, befestigten Häusern, Ruinen und so weiter. Ganz grob gesagt könnten es vielleicht einige Tausend bewohnte Schlösser und ähnlich viele Burgen sein. Bedingt durch unsere Geschichte ist der Prozentsatz der privat bewohnten im Westen mit etwa 70 Prozent deutlich höher als in den östlichen Bundesländern, wo wahrscheinlich weniger als 10 Prozent in privater Hand sind. Auch ist der Anteil an „Alteigentümern“ im Westen ungleich höher als im Osten, wo es kaum eine Chance gab zurück zu kehren.

Lange Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg war Schloss Sayn zu einer Ruine verfallen.

Sie haben über mehrere Jahre Schloss Sayn wieder aufgebaut. Was hat Sie dazu bewogen, diese Herausforderung anzugehen?

Wir wollten einen Besitz, der seit fast 1000 Jahren mit Unterbrechungen in unserer Familie war, nicht einfach aufgeben. „Sayn oder nicht Sayn?“ war die Frage. So haben meine Frau und ich die Ärmel hochgekrempelt und Stück für Stück die Ruinen wieder aufgebaut und revitalisiert. Eine private Nutzung konnten wir uns nicht leisten. Die historischen Stätten mussten Geld verdienen und sich selbst tragen. Da kam in unserer Situation nur der Aufbau eines regen Kulturtourismus in Frage. Das ist uns mit dem Kulturpark Sayn recht gut gelungen.

Können Sie kurz beschreiben, welchen Widrigkeiten Sie während der Arbeiten begegnet sind?

Wir hatten keinerlei Probleme mit den staatlichen Denkmalbehörden. Die Zusammenarbeit war partnerschaftlich und verständnisvoll. Schwierig war in unserem Fall eine kurzfristig während der Baumaßnahme erforderliche Änderung des Nutzungskonzepts wegen des Ausfalls unseres Hauptmieters, wodurch die Kosten gewaltig in die Höhe schossen. Ein Nachschlag auf die öffentliche Förderung war ausgeschlossen. Den Mehraufwand mussten wir tragen.

So malerisch präsentiert sich der Familiensitz heute.

Sie waren jahrelang Präsident der Deutschen Burgenvereinigung, nun Ehrenpräsident. Und Sie stehen der Stiftung Deutsche Burgenvereinigung vor. Welche Unterstützung bietet die DBV und die Stiftung der DBV Besitzern von Schlössern und Burgen an?

Die Deutsche Burgenvereinigung zählt rund 3000 Mitglieder, dazu eine ganze Reihe an Vereinen und Initiativen, die sich um den Erhalt „ihrer Burg“ kümmern. Die DBV bildet ein Netzwerk, das aus Denkmalschützern und Fachleuten der verschiedensten Bereiche besteht, die sich mit dem Erhalt von historischer Substanz beschäftigen. Unsere Mitglieder finden hier ein Berater-Pool, das bei der Vermittlung von Know How hilfreich ist. Dazu kommen unsere Publikationen sowie Fachtagungen und Exkursionen. Die Stiftung hilft mit Anschubfinanzierungen, um gemeinsam mit anderen Förderern denkmalpflegerische Maßnahmen einleiten zu können. Und schließlich hilft der Große Denkmalpreis, dotiert mit 10.000 Euro, dem engagierten Denkmalschützer wieder einen Teil der Last von den Schultern zu nehmen.

Denkmalpreis als Ansporn

Die DBV vergibt in Celle den großen Denkmalpreis? Ein paar Worte zum diesjährigen Preisträger und zur Intention, einen solchen Preis zu vergeben.

Der Große Denkmalpreis der Deutschen Burgenvereinigung ist Anerkennung, Auszeichnung und Ansporn zugleich. Große Verdienste um den Erhalt unseres kulturellen Erbes verdienen höchste Anerkennung. Die Auszeichnung mit dem Großen Denkmalpreis trägt die Verdienste des Preisträgers in die Öffentlichkeit und bietet Anderen einen Ansporn, Gleiches zu tun. Mit der Familie Merode haben wir in diesem Jahr wieder einen ganz außergewöhnlich engagierten und opferbereiten Denkmalschützer ausgewählt. Das Schloss der Familie an der Grenze zu Belgien war während des letzten Krieges in Schutt und Asche gelegt. In großer Verantwortung für ihr Erbe konnte ein Wiederaufbau gelingen. Hoher persönlicher Einsatz, Verzicht auf Vieles und der Wunsch, den Mitmenschen einen kulturellen Schatz zu bewahren, hat ein Gelingen dieser Mammutaufgabe bewirkt. Einige Zeit später stellte ein Großbrand das alles wieder in Frage. Gemeinsam mit der nachfolgenden Generation gelang es daraufhin, wieder alle Kräfte zu mobilisieren und Schloss Merode ein zweites Mal zu retten.

Was hat Sie bewogen, die diesjährige Mitgliederversammlung in Celle auszurichten?

Die DBV ist in allen Bundesländern vertreten. Jahr für Jahr wechseln wir mit der Mitgliederversammlung an andere Orte, und jedes Mal freuen wir uns zu erleben, wie reich unsere deutsche Denkmallandschaft aufgestellt ist. Celle ist dabei ein Ort, der auf größere Veranstaltungen gut vorbereitet scheint und uns mit offen Armen empfangen hat.

Beziehungen zu Welfen

Waren Sie schon einmal in Celle? Haben Sie womöglich um mehrere Ecken verwandtschaftliche Beziehungen zum früheren Celler Welfenhaus?

Es gab vor vielen Jahren schon einmal eine Burgenfahrt zu den
historischen Stätten am Nordharz und in das Hannoversche Land, die uns auch nach Celle geführt hat. In der langen Geschichte unserer beiden Familien waren die Stammbäume der Welfen und der Sayn-Wittgensteiner oftmals verknüpft. Heute
sind es freundschaftliche Bande,
die uns gelegentlich zusammenführen.

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