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Celle Stadt Großer Nachholbedarf beim Hochwasserschutz im Landkreis Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Großer Nachholbedarf beim Hochwasserschutz im Landkreis Celle
17:46 15.08.2016
Von Christopher Menge
Um sich vor einem Aller-Hochwasser - wie hier an der Jeversener Brücke - zu schützen, haben 15 Kommunen von Meinersen bis zur Weser eine Partnerschaft gegründet. Quelle: Anne Friesenborg
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Rund 250.000 Menschen leben nach Pohndorfs Angaben in dem Gebiet. Welche Schäden ihnen ein Hochwasser zufügen könnte, lässt sich nur schwer abschätzen. Für die Stadt Celle wird das Schadenspotenzial auf 105 Millionen Euro geschätzt, für das Flotwedel mit rund 11.000 Einwohnern sind es immerhin noch 800.000 Euro. „Leider wurde der Hochwasserschutz in den letzten Jahrzehnten, mit Ausnahme im Bereich der Stadt Celle, derart vernachlässigt, dass schon heute bei Extremwetterlagen mit erheblichen Schäden zu rechnen ist“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Wählergemeinschaft im Kreistag, Albrecht Hoppenstedt.

„Wir brauchen endlich ein ganzheitliches Hochwasserschutzkonzept, insbesondere für die Aller. Nicht Kirchturm-Denken hilft weiter, sondern nur eine abgestimmte Planung und Umsetzung von Maßnahmen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion Maximilian Schmidt. Als Landtagsabgeordneter ist er bei diesem Thema besonders gefragt. „Hochwasserschutz ist eine gemeindeübergreifende Aufgabe, die nachhaltig durch das Land Niedersachsen unterstützt werden muss“, sagt der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Torsten Harms, „wir setzen uns für ein Gewässermanagement ein, das alle beteiligten Behörden und Gewässeranlieger in ein Boot holt, um effektiv zu sein, von der Quelle bis zur Mündung.“

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Denn bisher gibt es nur eine Kommune im Landkreis, die beim Hochwasserschutz gut aufgestellt ist – die Stadt Celle. Gut 3,2 Millionen Euro sind seit 2013 an Fördermitteln hierher geflossen. Im gesamten übrigen Landkreis waren es im gleichen Zeitraum gerade mal 63.550 Euro (2013 für Winsen). „Celle mag ja zwischenzeitlich ganz gut aufgestellt sein, die Gefährlichkeit einer schweren Überschwemmung entfaltet sich erst in den weniger geschützten Orten stromaufwärts, falls sich die Fließgeschwindigkeit des Flusses durch stromauf gelegene Schutzmaßnahmen erhöht haben sollte“, sagt der FDP-Experte in Sachen Hochwasserschutz Bernd Paul Harding. Allein in Winsen würden zur Abwehr eines Jahrhunderthochwassers drei Sofortmaßnahmen unabdingbar sein.

Für die WG ist es ein Skandal, dass der Hochwasserschutz bei der aktuellen Planung für die Erweiterung des Gewerbegebiets „Taube Bünte“ in Winsen ignoriert worden sei. „Hier wird ein neues Gewerbegebiet komplett in den Hochwasserbereich der Aller hineingeplant und durch den Landkreis genehmigt. Dies ist Realpolitik im Landkreis Celle, die wir verachten“, so Hoppenstedt. Auch die Unabhängigen kommen allgemein zu dem Ergebnis, dass der Hochwasserschutz in den Bebauungsplänen zu wenig Beachtung findet. Für die AfD liegt das Problem darin, dass die Regeln und Vorschriften, explizit für Hochwassergebiete, nicht umgesetzt würden. "Die Partei" würde dagegen am liebsten die AfD-Poltiker selbst für den Hochwasserschutz benutzen: „Wir begegnen dem Hochwasserschutz mit solider Härte: Die ganzen braunen Säcke werden als Deichschutz endlich einer sinnvollen Aufgabe zugeführt“, sagt der stellvertretende Vorsitzende, Dirk Gerlach.

„Für eine Verbesserung des Hochwasserschutzes genügt es nicht, neue Mauern, Deiche und Spundwände zu errichten. Bislang wird am Fluss mit technischen und flussbaulichen Maßnahmen operiert. Dabei wird der Naturschutz vernachlässigt und die Weichholzaue im FFH-Gebiet Aller zerstört, wie bei der Allerinsel“, sagt die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Annegret Pfützner, „der jetzige Beurteilungsraum von Altencelle bis Boye greift zu kurz. Das Flussgebiet Aller muss mindestens von Wienhausen bis Thören betrachtet werden, um die Hochwasserschutzmaßnahmen der Stadt Celle mit dem Ziel der Neutralität für die Ober- und Unterlieger beurteilen zu können.“

Oder sogar über die Kreisgrenzen hinweg – wie bei der Hochwasserpartnerschaft Aller. Der Anfang ist gemacht, jetzt ist die Politik gefragt.