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Celle Stadt Frauen finden im "Haus der Familie" Celle Schutz
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Frauen finden im "Haus der Familie" Celle Schutz
10:00 25.11.2019
Von Dagny Siebke
Im "Haus der Familie" kommen Frauen und Kinder, die häusliche Gewalt erlebt haben, zur Ruhe. Das Team aus Sozialpädagoginnen und Psychologinnen hilft bei Krisen (von links): Marliese Gierveld-Törkel, Tanja Haase, Sieglinde Wittmann, und Dagmar Wendland. Quelle: Dagny Siebke
Celle

"Ich bin nicht diejenige, die sich verstecken muss", erklärt N. Ebeling selbstbewusst gegenüber der CZ, als die Reporterin ihr den Verzicht auf Namensnennung anbietet. Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November spricht die 40-Jährige offen über ihren langen Weg zu einem selbstbestimmten Leben. Jahrelang habe sie die Angst um ihr Leben und das ihrer beiden Töchter gequält, erzählt sie. "Die Polizei war Stammgast bei uns und hat alle Beweise aufgenommen."

Doch wenn häusliche Gewalt hinter verschlossenen Türen geschieht und keiner bezeugen kann, wie blaue Flecken oder eine gebrochene Nase entstanden sind, steht vor Gericht Aussage gegen Aussage. Eine Richterin habe Ebeling gesagt: "Ich kann nur nach Gesetzeslage entscheiden. Und demnach heißt es: Im Zweifel für den Angeklagten." Vor Polizisten, dem Gericht und Bekannten schiebt ihr damaliger Lebensgefährte die Schuld auf sie, "erfindet die heißesten Ausreden", schildert sie. "Er ist ein Künstler, der sich nach außen gut verstellen kann." Sie nennt ihn "krankhaft narzisstisch". Ihr Ex habe sie auch mehrmals vor Gericht gezogen, um sein Sorgerecht einzuklagen. Doch mehr als das Besuchsrecht, das ihm als leiblicher Vater zusteht, kann er nicht erwirken.

In der Ferne fehlen Familie und Freunde

Bis heute kann sich Ebeling nicht erklären, wie ein Mann auf sie so eine Macht ausüben konnte. „Nach drei Monaten ging es los, damals wusste ich nicht, was Alkoholabhängigkeit bedeutet“, erzählt sie. „Ich war in den Gedanken verliebt, verliebt zu sein.“ Anderen Frauen rät sie, "gleich nach der ersten Ohrfeige die Sachen zu packen und zu gehen."

Später war es für Ebeling schwer, ihm zu entkommen. Ein halbes Jahr lang flüchtete sie nach Nordrhein-Westfalen. Doch es war eine harte Zeit für sie, weil sie ihre Arbeitsstelle verlor und dort niemanden kannte. Ihre Freunde und die Familie lebten weiterhin in Celle. „Wenn dich jemand finden will, dann findet er dich“, betont sie. Ihr ehemaliger Lebensgefährte habe auch nicht davor zurückgeschreckt, ihre Bremsleitung anzuschneiden.

Im großen Garten mit Spielgeräten können sich die Kinder austoben. Quelle: Dagny Siebke

Vor etwa zehn Jahren wendet sich Ebeling an das „Haus der Familie“ in Celle. Da war ihre Jüngste gerade mal vier Wochen alt. Im offenen Frauen- und Kinderschutzhaus wurde ihr in acht Wochen „das Gefühl genommen, selbst der Fehler zu sein“, beschreibt sie. Hier finden Frauen und Kinder, die häusliche Gewalt erleben, jemanden zum Reden. „Die Mitarbeiterinnen treten unvoreingenommen an Frauen heran. Sie geben den Familien Halt, in einem gestärkten Umfeld mit der Situation umzugehen“, so Ebeling. Seine Kinder dürfe er unter Aufsicht sehen. Nach einer Therapie könne sie nun meist ruhig schlafen. Dank eines Näherungsverbots habe sie keine Angst mehr, dass der Ex ihr betrunken eine Schere an den Hals halten könne. „Ich habe gelernt, ihn mit meinen eigenen Waffen zu schlagen. Eigentlich kämpft er mit Komplexen.“

Linerhaus bietet Täterarbeit an

„Die Gewalt muss aufhören“, lautet das oberste Ziel des „Hauses der Familie“. In einer behüteten, hellen und freundlichen Umgebung haben Frauen und ihre Kinder Zeit, zur Ruhe zu kommen. Gemeinsam mit Sozialpädagoginnen und einer Psychologin können sie überlegen, ob und wie sie sich das Familienleben künftig vorstellen. Häufig haben die Paare eine lange gemeinsame Geschichte, waren verheiratet oder haben gemeinsame Kinder. „Wenn Väter es ernst meinen mit dem Umgangsrecht, müssen sie sich ändern“, sagt Psychologin Tanja Haase. Dabei kann den Männern hier in Celle die Stiftung Linerhaus helfen, die Täterarbeit bei häuslicher Gewalt anbietet. Häufig seien Drogen oder Alkohol Auslöser für Gewalt, deshalb sei zunächst der Entzug wichtig.

Im "Haus der Familie" gibt es viel Raum sich auszutauschen (von links): Sozialpädagogin Sieglinde Wittmann, Psychologin Tanja Haase, Sozialarbeiterin Dagmar Wendland und Sozialpädagogin Marliese Gierveld-Törkel. Quelle: Dagny Siebke

„Wir machen nicht so ein Geheimnis, wo unser Frauen- und Kinderschutzhaus ist. Weil wir das Tabu der häuslichen Gewalt durchbrechen wollen“, sagt Sieglinde Wittmann, die seit Beginn 1987 im „Haus der Familie“ arbeitet. Häusliche Gewalt komme in allen Schichten und Altersgruppen vor. „Unsere älteste Bewohnerin war weit über 80 Jahre alt.“

Im "Haus der Familie" gibt es acht Plätze. "Momentan sind vier Frauen und ihre Kinder hier. Damit sind wir nahezu voll", so Wittmann. Vor zwei Jahren sei der Platzmangel massiv gewesen, doch das Land habe darauf reagiert und sei dabei, in Niedersachsen weitere Plätze einzurichten. "Seit September sind auf einer Karte alle freien Plätze in den Frauenhäusern eingezeichnet. Das macht uns die Vermittlungsarbeit leichter."

Die Zimmer für Frauen und ihre Kinder sind freundlich und hell gestaltet. Quelle: Dagny Siebke

Zudem kämpfe das "Haus der Familie" bei seinen unterschiedlichen Kostenträgern immer um die Finanzierung, erklärt Dagmar Wendland. "Wir werden über freiwillige Leistungen von Stadt und Landkreis finanziert. Bei einer Wirtschaftskrise könnten unsere Mittel also gekürzt werden."

Zum "Haus der Familie" gehört auch die Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS). Deren Mitarbeiterinnen werden über einen polizeilichen Einsatz wegen häuslicher Gewalt von der Polizei informiert. Sie nehmen zeitnah Kontakt mit betroffenen Frauen auf und bieten Hilfe an. Psychologin Tanja Haase sagt: "Es ist wichtig, erst einmal Fotos von den unbehandelten Verletzungen zu machen. Und diese beim Arzt dokumentieren zu lassen. Das bedeutet nicht, dass später tatsächlich auch verwendet werden müssen. Das entscheidet jede Frau selbst." Das AKH Celle gehört zum Netzwerk "Pro Beweis". Der Gang zu dieser Untersuchungsstelle ist auch nach erfolgter Erstbehandlung sinnvoll.

Zum "Haus der Familie" gehört auch die Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS). Psychologin Tanja Haase am Telefon. Quelle: Dagny Siebke

Die Frage, was Frauen im Fall von Stalking tun können, komme immer wieder im Alltag vor, so Tanja Haase. "Bei Stalking empfehlen wir gar keine Signale zu senden, denn diese könnten immer anders interpretiert werden."

Wichtige Telefonnummern im Notfall

Das Notruftelefon (05141) 6633 des "Hauses der Familie" ist rund um die Uhr besetzt, so dass eine Aufnahme jederzeit möglich ist.

Die Beratungs- und Interventionsstelle (BISS) und die Schwangerschaftskonfliktberatung ist unter Telefon (05141) 214444 zu erreichen.

Pro-Beweis-Netzwerk
im AKH Celle:Gynäkologie und Geburtshilfe, Unfallchirurgie, Zentrale Notaufnahme
Siemensplatz 4
29223 Celle
Notfalltelefon (05141) 722950

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