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Celle Stadt Halt in schwerer Zeit: Pferd Alan gibt krebskranker Cellerin Kraft
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Halt in schwerer Zeit: Pferd Alan gibt krebskranker Cellerin Kraft
18:07 29.06.2018
Von Audrey-Lynn Struck
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Vor gut zehn Jahren fanden die beiden zueinander und sind seitdem unzertrennlich. „Ich brauche ihn. Meine Seele braucht ihn“, erklärt Heike Hüsig. Während der fünfjährigen Therapie für den Gehirntumor, einer Zeit voller Rückschläge, gab der 1,65 Meter große Hengst ihr Halt. „Er hat mir alles gegeben, um gesund zu werden und aus dem Tief heraus zu kommen“, sagt die Cellerin. Das gibt sie ihm jetzt zurück – und das sehr erfolgreich. Durch ihre Fürsorge hat Alan das Durchschnittsalter eines Pferdes von 25 bis 30 Jahren bereits weit überschritten. Der Hengst ist mittlerweile stolze 35 Jahre alt. Doch von Erschöpfung keine Spur. Im Gegenteil, sein hohes Alter sieht man ihm nicht an. Sein Fell glänzt und sein Blick ist wach. „Meine Freunde sagen immer: Pass mal auf, der Alan überlebt dich noch“, schmunzelt Heike Hüsig.

Über Internetkennen gelernt

Die beiden fanden durch das Internet zueinander. Als 2009 der Gehirntumor diagnostiziert wurde, verkaufte Heike Hüsig schweren Herzens ihre bisherigen drei Pferde. Zu groß war die Sorge, dass sie es nicht überleben würde und ihre Tiere dann alleine da stünden. Lange ohne Pferde hielt die Cellerin es allerdings nicht aus. Schließlich war sie von Kindesbeinen an an die Gesellschaft der Vierbeiner gewöhnt. „Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden und fing mit fünf Jahren an zu reiten“, erzählt Heike Hüsig.

Also suchte sie im Internet nach einem neuen Tier. Egal welche Pferde auch auf dem Bildschirm angezeigt wurden, immer wieder kehrte sie auf die Seite mit Alan zurück. „Es war sein Gesichtsausdruck auf den Bildern. Ich merkte, dass ihm irgendetwas fehlt, wusste aber nicht was“, erinnert sich Heike Hüsig. Während der Hengst auf den Fotos einen gesunden Eindruck gemacht hatte, bot sich bei dem ersten Aufeinandertreffen ein ganz anderes Bild.

„Er war so dünn. So ein verhungertes Pferd habe ich noch nie gesehen.“ Sobald Alan Heike Hüsig sah, ging er schnurstracks auf sie zu und legte seinen Kopf auf ihre Schulter, als wollte er sagen: „Nimm mich bitte mit.“

Gesagt, getan. Fast ein Jahr kümmerte sich die gelernte Altenpflegerin intensiv um den abgemagerten Hengst. Alle vier Stunden fütterte sie ihn, damit sich sein Magen langsam an die Nahrung gewöhnt. Außerdem wurde er longiert und so langsam an das Reiten heran geführt. Aus dem Pferd, das die Tierärztin anfangs entsetzt noch als Krankheit bezeichnet hatte, entwickelte sich ein gesunder, munterer Hengst. Mit der Gesundung von Alan verbesserte sich auch Heike Hüsig Zustand. „Pferde haben etwas Einmaliges. Wenn ich krank bin, helfen sie mir, sind sie krank, helfe ich ihnen“, erklärt die Cellerin. Das Wissen, dass Alan sie brauchte, gab ihr an einigen Tagen die nötige Kraft, das Tief zu überstehen. 2014 galt Heike Hüsig von dem Gehirntumor offiziell als geheilt. „Mir wurde mein Leben noch einmal geschenkt und seitdem überlege ich: Was macht mich glücklich.“

Neuer Job,zweites Pferd

Den Job als Altenpflegerin, in dem sie seit ihrem 19. Lebensjahr gearbeitet hatte, hängte sie an den Nagel. Die Zeiten hatten sich geändert. Statt sich früher hinzusetzen und mit den Senioren zu klönen, sei man von einer Arbeit zur nächsten gehetzt. „Ich habe mir immer gesagt, dass wenn wir nur noch wie Maschinen zu funktionieren haben, ich damit aufhöre. Und das habe ich dann getan“, sagt die 58-Jährige. Seit vier Jahren arbeitet sie nun in der Diakonie.

Ihre restliche Zeit teilt Heike Hüsig zwischen ihrer Familie und Alan auf, den sie mit zunehmendem Alter immer mehr verwöhnt. Seit dem 30. Lebensjahr ist der Hengst „Rentner“ und die Cellerin reitet nicht mehr auf ihm. Stattdessen wird geschmust, gepflegt und ordentlich gefüttert: zweimal zehn Liter Fressen pro Tag, morgens und abends einen halben Liter Öl und noch ein Malzbier oben drauf. Die enthaltene Bierhefe ist sehr gesund und kurbelt unter anderem den Stoffwechsel an.

Mittlerweile hat Heike Hüsig ein zweites Pferd, das Alan Gesellschaft leistet. Die Stute Rina hat sie ebenfalls über das Internet gefunden. „Mit ihr reite ich noch. Sie ist prima, kaum geritten, wie ein Rohdiamant“, schwärmt die Cellerin. Vom ersten Tag an waren die beiden Pferde ein Herz und eine Seele. Die Zufriedenheit der beiden zu sehen, macht auch Heike Hüsig jeden Tag aufs Neue glücklich. „Es kommt immer darauf an, wie man die Pferde behandelt. Behandele ich sie gut, bekomme ich auch Gutes zurück.“

Manchmal stößt die 58-Jährige aber auch mit der Lebensfreude und dem Gottvertrauen an ihre Grenzen. „Dann kommt mein Alan, stuppst mich an und schmust mit mir und dann denke ich: Ach, irgendwie geht es immer weiter.“

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