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Celle Stadt Hass: Nicht alles ist kalkulierbar
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Hass: Nicht alles ist kalkulierbar
10:26 24.06.2010
Von Oliver Gatz
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Celle Stadt

Die Riesen-Sause ist vorbei. Drei Tage lang feierte Celle ein Fest, das es in dieser Größenordnung in der Residenzstadt noch nicht gegeben hat. Tausende feierten ausgelassen auf den Straßen und vor den Bühnen. Dass bei der Organisation eines solchen Mega-Events nicht alles reibungslos klappt, liegt auf der Hand. Das wissen auch die Organisatoren. Sie werden die kommenden Tage nutzen, um Bilanz zu ziehen und Dinge anzusprechen, die verbesserungswürdig sind.

„Wenn viel und schnell serviert wird, fällt auch schon mal ein Teller“, sagte Veranstaltungsleiter Alexander Hass. „Man ist abhängig von den Dienstleistern. Bei dem Gros hat alles funktioniert.“ Problematisch sei allerdings der Bühnenaufbau gewesen, räumte Hass ein. Dabei sei es zu Verzögerungen gekommen. Auch bei der Bühnenausstattung habe manches kurzfristig geändert werden müssen.

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„Wir werden uns das in Ruhe mit allen Beteiligten ansehen“, sagte Hass. Er dankte dem künstlerischen Leiter des Classic-Rock-Projektes Barocktail, Ingo Bloeß, der Stadt und vielen anderen Helfern für ihr Engagement, die Probleme schnellstmöglich in den Griff zu bekommen. Das Landesfest habe drei Tage „Extremstress“ bedeutet, sagte Hass. Bei einer solchen Veranstaltung sei vieles einfach nicht kalkulierbar. „Das ist wie beim Schach. Man muss die Züge vorausdenken. Manchmal gibt es Züge, an die man nicht gedacht hat. Wir hatten zum Beispiel schon mal Künstler, die gar nicht erschienen sind.“ Für solche Fälle müsse man einen Plan B parat haben. Zu Programmverzögerungen sagte Hass: „Das kriegt noch nicht mal das ZDF mit ,Wetten, dass…’ hin. Warum soll das bei uns anders sein?“

Für manche Besucher erfüllte die Lichtshow am Freitag- und Samstagabend nicht die Erwartungen. Das Spektakel wurde von derselben Firma auf die Beine gestellt, die auch für den Bühnenaufbau verantwortlich war. Hass sprach von einem Planungsfehler. „Das war einfach zu früh“, sagte er. „Wir wollten die Show aber auch nicht zu spät zeigen. Familien mit Kindern sollten das Ganze auch genießen können.“

Wenn ein Fest für 250000 Menschen auf die Beine gestellt wird, ist eine ausgefeilte Logistik erforderlich. Ein Rädchen greift ins andere – manchmal zum Verdruss der Feiernden. So beklagten sich Besucher der Gourmetmeile, dass bereits unmittelbar nach dem offiziellen Ende des Niedersachsentages am Sonntag um 18 Uhr Reinigungskräfte mit ihren Fahrzeugen anrückten, um für Ordnung zu sorgen.

Hass zeigte Verständnis für den Frust der Festbesucher, stellte sich aber vor die städtischen Mitarbeiter. Sie hätten sich an den vorgegeben Zeitplan gehalten. Und dieser müsse bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung strikt eingehalten werden. Gleichwohl mahnte er „Fingerspitzengefühl“ bei der Bewältigung solcher Aufgaben an.

Für Wirbel sorgte auch ein Spirituosenunternehmen, das mit der Marke „Fi..en“ an der Bühne am Arno-Schmidt.-Platz warb. „Das war für uns genauso überraschend“, sagte Hass. Die Firma habe sich unter dem Namen partyschnaps.com beworben. Dem Vernehmen nach soll das Unternehmen auch versucht haben, auf der Gourmetmeile für sein Produkt zu werben. Dort soll das Promotionteam des Platzes verwiesen worden sein. „Wenn die so aufgetreten sind, ist das nicht erwünscht“, sagte Hass.

Außerdem gab es Klagen darüber, dass die Stände auf dem Mittelaltermarkt am Brandplatz am Sonntag vorzeitig abgebaut wurden. Auch dies bedauerte Hass. Er sprach vom „typischen Messeverhalten“. Einige Standbetreiber würden vorzeitig ihre Zelte abbrechen, um nicht ins Chaos des Veranstaltungsendes zu geraten.

Für Diskussionsstoff sorgten zudem peinliche Auftritte beim Festakt am Freitag. Die Entertainer Lilo Wanders und Felix Martin seien im Vorfeld darüber unterrichtet worden, was sie erwarte, erläuterte Hass. Es habe ein Briefing mit den wichtigsten Eckpunkten gegeben. Ziel sei es gewesen, eine besondere Gala mit besonderen Künstlern zu organisieren. „Wenn das dann so kippt, ist das für den Veranstalter alles andere als schön.“ Hass entschuldigte sich bei all jenen, die sich durch die peinlichen Auftritte der beiden Entertainer verletzt gefühlt haben.

Von heute an soll der Innenstadt-Verkehr wieder in normalen Bahnen verlaufen. Die Anlieger-Regelungen und Sperrungen werden aufgehoben.