Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Stadt Haussegen an Amelungstraße in Celle hängt schief
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Haussegen an Amelungstraße in Celle hängt schief
18:24 06.10.2017
Von Dagny Siebke
Eine Woche lang verbrachte ein geistig behinderter Rollstuhlfahrer im Krankenhaus, weil er die Treppe neben dem Aufzug hinunterstürzte. Bereits am ersten Tag nach dem Umzug an die Amelungstraße warnten Mitarbeiter vor der Gefahrenstelle. Quelle: Daniel Maurer
Celle Stadt

Das neue Konzept an der Amelungstraße sei für alle Beteiligten „eine große Herausforderung“, sagt Lobetal-Vorstand Carsten Bräumer. Mitten im Stadtteil Heese ist ein Wohnheim für insgesamt 48 Menschen mit Behinderung entstanden. Unter einem Dach leben Menschen mit Mehrfachbehinderungen, die gepflegt werden müssen, aber auch Behinderte, die wenig Betreuung brauchen. Jeder hat sein Zimmer. Die Selbstständigeren haben ihr eigenes Bad und besuchen tagsüber eine Tagesförderstätte.

„Das neue Raster auf gewohnte Strukturen anzuwenden, funktioniert nicht“, sagt Bräumer. Die ersten Monate bezeichnet er als „wilde Zeit“, in der Dienstpläne fortlaufend weiterentwickelt werden mussten. „Das Arbeitsschutzgesetz sieht keine Sondersituation vor“, so Bräumer. Er schätzt, dass der Einlebeprozess ein Jahr dauere, bis sich Routine einstelle.

Bereits einen Tag nach dem Umzug hatten einige Mitarbeiter gefordert, aus Sicherheitsgründen ein Treppenschutzgitter neben dem Fahrstuhl in der ersten Etage einzurichten. Doch es passierte nichts, bis drei Monate später ein geistig behinderter Rollstuhlfahrer die Treppe herunterstürzte. Bräumer nennt den Vorfall „tragisch“. Das Geschehen sei auch umgehend der Heimaufsicht gemeldet worden. „Das war ein ganz normaler Sturz und kein Verschulden eines einzelnen Menschen“, so Bräumer weiter. Der Rollstuhlfahrer sei eine Woche lang im Krankenhaus gewesen und danach wieder ins Wohnheim an die Amelungstraße zurückgekehrt.

Ebenfalls bereits unmittelbar nach dem Umzug hatte die Mitarbeitervertretung die Wohnleitung auf die aus ihrer Sicht „desolate Umzugs- und Personalsituation“ aufmerksam gemacht. Eine Woche nach der Einweihung informierte die MAV Vorstand Carsten Bräumer per E-Mail: „Wie Sie aus den beigefügten Gefährdungsanzeigen entnehmen können, spitzt sich die Betreuungs- und Versorgungssituation unserer Bewohner in einem nicht hinzunehmenden Maße zu.“

Bräumer sagte auf CZ-Anfrage, dass man für Mitarbeiter, die sich an der Amelungstraße an falscher Stelle fühlten, eine Lösung finden werde: „Lobetal ist groß genug“, so der Lobetal-Vorstand. Die gemeinsame MAV bemängelt unterdessen, dass Vorstand und Aufsichtsrat der Lobetalarbeit „unzureichend bis gar nicht reagieren“. Am Klausurtag und der Sitzung des Aufsichtsrats sei die MAV „trotz ständigen Gastsitzes“ nicht beteiligt worden. Doch der Aufsichtsrat antwortete auf eine 29-seitige Beschwerde und bat die MAV um Mitwirkung bei der Aufklärung. Die MAV forderte daraufhin, künftig mit zwei stimmberechtigten Sitzen im Aufsichtsrat vertreten sein zu wollen.

Bei einer Mitarbeiterversammlung am Dienstag, 17. Oktober, wird nun diskutiert, wie man künftig bei Gefährdungssituationen reagieren soll. Und wie man „vom unzureichenden kirchlichen Arbeitsrecht zum durchsetzungsfähig weltlichen Betriebsverfassungsgesetz gelangen kann“, heißt es im Aushang.