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Celle Stadt Heiße Phase bei Wehr-Reform
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Heiße Phase bei Wehr-Reform
17:22 18.07.2011
Noch ist unklar, ob der Truppenübungsplatz von den Briten weiter genutzt wird. Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

Zwei große Reformen von Streitkräften stehen an und danach wird es in Celle nicht mehr so sein wie vorher. Denn dass die Briten mindestens Celle verlassen, ist inzwischen klar. Dass sie Bergen verlassen, wahrscheinlich. Aber was passiert mit der Bundeswehr?

Für Aufsehen hatte Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière gesorgt, als er ankündigte, auf die Länder mit den meisten Dienstposten pro Einwohner kämen „sicherlich größere Einschnitte“ zu als auf jene, in denen weniger Bundeswehr angesiedelt sei. Betroffen sind davon vor allem Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern - und Niedersachsen.

Für Kirsten Lühmann, Bundestagsabgeordnete der SPD, ist das ein Paradigmenwechsel. Bisher sei immer gesagt worden, dass die Entscheidungen aus rein militärischen Gründen getroffen werden. „Jetzt werden auf einmal wirtschaftliche Gründe als Grundlage genommen. Wenn es so wäre, würde mich Herr de Maizière sehr enttäuschen, denn bisher hatte ich den Eindruck, dass er das auf der fachlichen Ebene abarbeiten wollte.“

Henning Otte, Bundestagsabgeordneter der CDU, verteidigt hingehen die Äußerungen. Sie seien kein Paradigmenwechsel. Es werde nach militärischen Fragen entschieden, weil die Bundeswehr in der Fläche präsent bleiben soll.

Derzeit gehen die Planungen in die entscheidende Phase, denn die Inspekteure von Heer, Marine und Luftwaffe müssen ihre Feinplanung der Einheiten bis Ende Juli fertig stellen. Auf dieser Grundlage kommt es dann zu den Standortentscheidungen, die laut Otte Ende Oktober vorliegen. „Ich führe derzeit viele Gespräche, um die Vorteile der Region wie hohe Akzeptanz in der Bevölkerung und gute Infrastruktur rund um den Nato-Truppenübungsplatz aufzuzeigen“, sagt Otte. Ob und für welche Teile der Bundeswehr in Celle dieses Werben erfolgreich ist, dazu möchte Otte derzeit keine Einschätzung abgeben.

Bei den britischen Streitkräften gibt es abgesehen von dem Abzug in der Stadt Celle 2012 auch kein verbindliches Datum, auch wenn der Niedersächsische Ministerpräsident mitteilt, dass in der Tendenz die Kaserne Bergen-Hohne später geräumt wird als Standorte wie Münster.

Eine wirkliche Klarheit gibt es nicht, sagt ein Insider. Zwar ist es wohl so, dass ein weiteres Sanitätsregiment im kommenden Jahr in den Einsatz nach Afghanistan geht und danach nicht nach Münster, sondern nach Bergen kommt. Ob das aber bedeutet, dass die Kaserne als britischer Standort im Norden bis 2020 erhalten bleibt, ist völlig offen.

Bis zum Sommer soll ein Papier für die britische Regierung vorliegen, das aufzeigt, wo Standorte in Großbritannien frei werden. Es ist der Auftakt zu einem neuen Prozess, der aus Sicht der Experten wohl erst im kommenden Jahr abgeschlossen sein wird. Der Termin 25. Oktober, der als Tag der Offenbarung der Pläne immer wieder herumgeistert, ist laut dem Insider eher ein allgemeiner Informationstermin, der alle zwei Jahre sowieso stattfindet.

Für Unruhe sorgten Meldungen, nachdem der Truppenübungsplatz in Bergen nicht nur mit dem im kanadischen Battus, sondern auch mit einem Areal in Frankreich um die zukünftigen Übungen der Engländer konkurrieren soll. Eine Liste der möglichen Plätze in Frankreich im Internet zeigt nur Areale, die deutlich kleiner sind als Bergen. Aus den gut informierten Kreisen heißt es dazu, dass es ein Abkommen über militärische Zusammenarbeit zwischen Engländern und Franzosen gibt und gerade eine Einheit aus Bergen-Hohne mit französischen Soldaten trainiert hat. Ob das aber eine generelle Verlagerung der Truppenübungen zur Folge hat, bleibt derzeit noch unklar.

Von Tore Harmening