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Celle Stadt Hellwacher Ritt über die Datenautobahn
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Hellwacher Ritt über die Datenautobahn
14:37 13.06.2010
Ingo Börchers Quelle: Aneka Schult
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Celle Stadt

Von Aneka Schult

CELLE. Glaubt man der Werbung, ist er so leicht, er schwimmt sogar in Milch.

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Der Bielefelder Kabarettist ist computerschnell. Hellwach und kritisch rast er über die Datenautobahn in seinem fünften Solo-Programm „Die Welt ist eine Google“. Kunst & Bühne war wieder mal ausverkauft und die Gäste gespannt bis zur letzten Sekunde.

Schlag auf Schlag wechselt Börchers die Themen, surft wild durchs Netz, folgt mit spritziger Klarsichtigkeit ständig neu aufkreuzenden Links. Eines seiner Statements lautet: „Es kommt nicht mehr darauf an, dass wir etwas wissen, sondern nur noch darauf, wo wir Wissen finden.“ Darum der Titel: „Die Welt ist eine Google“. Alle sind am Suchen. Bauer sucht Frau, Deutschland sucht den Superstar, Tiere suchen ein Zuhause. Der zierliche Kabarettist und gern gesehene Gast in Radio und TV, der schon diverse Preise kassierte, lässt kein Thema aus: Wirtschaftskrise, Gesundheit, Bildung, Politik, Rentner-Net und Friseur-Schnittstellen. Börchers ist topaktuell, seine Pointen sind am Puls der Zeit, die Ängste real und seine Schnittstellen verblüffend. Piraten-Partei und Enter-Taste. Gott und Trojaner. Pop-ups am Himmel und ein Gott, der postet. Was Börchers rät, ist die Fusion Gott und Google, Glaube und Wissen. Dazwischen nennt Börchers die utopische Börsenbewertung von Google und erzählt Witze der Schweizer Website Gott.ch, beleuchtet Literatur-Bestseller, Facebook und andere Kommunikationsplattformen, Ego-Googlen, Google für Hypochonder, Ebay, Elena, Elster und den gläsernen Menschen. Schwebend und hüpfend erklärt er den Quantencomputer, auch literarische Ergüsse baut er ein. Weltwasserverfügbarkeit und Wasser-Sommelier, Mathestress und Avatar – Börchers kennt sich aus und gibt zu denken: „Nichts bewegt sich, aber Coffee-to-go.“ Früher gab es die Kreuzung mit der Notwendigkeit einer Entscheidung. Heute gibt es überall Kreisel. Ein wahnsinnig präsentes, kluges und temporeiches Stück mit Wortwitz, derben Lachern und einer leichten Schluss-Depression: Sollte „Offline“ tatsächlich die neue Armut sein? Was machen wir mit Schülern, die nicht mehr wissen, was wichtiger ist: E-Plus oder Eins minus? „Google lacht“.

Von Aneka Schult