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Celle Stadt Hochkarätig: Chorkonzert zum Staunen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Hochkarätig: Chorkonzert zum Staunen
14:22 13.06.2010
Der Bristoler Domchor in der Neuenhäuser Kirche Quelle: Peter Müller
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Celle Stadt

CELLE-NEUENHÄUSEN. Da staunte man nicht schlecht: Der Chor des Doms im britischen Bristol war zu Gast in der Neuenhäuser Kirche und kaum jemand war da. Hätte nicht die Evangelische Jugend Celle eine Reihe ihrer Mitglieder motiviert in die kleine Kirche zu kommen, der Anblick der sehr spärlich besetzten Kirche wäre für die vorwiegend jungen Sänger eine sehr traurige Sache gewesen. Aber auch so war die Anzahl der Zuhörer wohl nicht größer als die Anzahl der Sänger. Und die Kirchengemeinde fand es peinlicherweise nicht einmal für nötig, die Gäste öffentlich zu begrüßen.

Dafür durften die wenigen Zuhörer über das, was der Bristoler Chor zu bieten hatte, staunen: Der zeigte ein Niveau wie es deutsche Kantoreien kaum je erreichen können, denn hierzulande wird außer bei den ganz renommierten Chören in Dresden, Leipzig oder Regensburg nicht annähernd so intensiv geprobt wie in Bristol.

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Chorleiter Mark Lee hatte für dieses Konzert mit dem 30-köpfigen Jugendchor und einem kleinen Männerchor eine ungewöhnliche Programmfolge zusammengestellt. Der Schwerpunkt lag auf gemäßigt moderner Chormusik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Benjamin Britten, William Walton, aber auch John Tavener und Eric Whitacre seien stellvertretend genannt. Und Erstaunliches war zu erleben: Was in Deutschland kaum ein Laienchor sich in Angriff zu nehmen traut, das wird von diesem Chor mit großer Selbstverständlichkeit gesungen. Die schwierigen harmonischen und melodischen Fortschreitungen dieser Stücke sind für diesen Chor etwas Selbstverständliches. Das heißt zwar nicht, dass alles gelingt, das bedeutet auch nicht, dass der Chor immer homogen im Klang wäre, aber trotzdem: Über weite Strecken ist das gesangliche

und musikalische Niveau enorm, weshalb fast jedes Stück dieses Abends seinen ureigenen Reiz bestens entfalten konnte. Ein ganz starker Eindruck.

Sehr auffällig war zudem an diesem Abend auch Organist Paul Walton, der zum einen das eine und andere Werk souverän begleitete, aber auch mit zwei Solostücken zu glänzen wusste. Nicht nur dass Walton höchst originelle, zungenstimmendichte Registrierungen gebrauchte, er wird auch deshalb in Erinnerung bleiben, weil er geradezu pianistisch differenziert phrasierte und artikulierte.

Von Reinald Hanke