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Celle Stadt Hochkonjunktur für Celler Narren
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Hochkonjunktur für Celler Narren
14:50 13.06.2010
Von Michael Ende
Celle-Rheinische Vereinigung-2010-o.jpg Quelle: Peter Müller
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Celle Stadt

Verdutzte Gesichter gab es gestern bei den Besuchern des Celler Wochenmarktes, als vom Portal des Alten Rathauses absolut ungewohnte Töne erschallten: Kölsche Karnevals-Schlager, unterbrochen von „Celle Alaaf!“ Kein Zweifel: Die närrische Fünfte Jahreszeit ist ganz offiziell ausgebrochen.

Wolfgang Haack, Präsident der Rheinischen Vereinigung freute sich, den Schlüssel des frisch herausgeputzten Alten Rathauses annehmen zu können – solange die neue alte Quaderbemalung noch dran ist: „Nun ist es vollbracht. Das alte Rathaus hat ‘nen Striptease gemacht. Bewundernswert die Tiefenmalerei: Schwarz-gelb jetzt unter einem roten Dach.“ In der niedersächsischen Karnevalshochburg Braunschweig wurde den Narren um 11.11 Uhr neben dem Schlüssel zugleich auch die Stadtkasse übergeben – in Celle wäre das eine im wahrsten Sinne „leere“ Geste gewesen. Haack kündigte an, mit seinem Narrenvolk den desolaten Celler Haushalt sanieren zu wollen und gab das Motto der Session bekannt: „Auf einem Meer voll Miese – närrisch gondeln durch die Krise!“

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Tapfer lächelte Stadtkämmerin Susanne Schmitt, die in Vertretung von Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende den Rathaus-Schlüssel übergab, über die Jecken Frohsinn angesichts eines 20-Millionen-Euro-Haushaltslochs. Eigentlich sei es nicht 11.11 Uhr, sondern fünf vor zwölf, scherzte sie. Ihre Hoffnung liege auf den Narren: „Das Theater ist sehr schick, gibt’s auch in der Politik. Doch da spielen, was ich schwöre, viel zu viele Amateure!“

Von unbezahlbaren Luftschlössern müsse man sich notgedrungen verabschieden, so Schmitt: „An dieser Stelle muss ich unken: Die Marina ist versunken. Hier und jetzt sollt Ihr nicht schlafen. Möbelt mir bald auf den Hafen!“ Auch in das tolle Treiben in der City sollten sich die Jecken einbringen, forderte Schmitt: „Vereint danach mit ganzer Kraft endlich mal die Kaufmannschaft. Das Management ist Euer Job: Verhindert einen Riesenflop!“

Büttenredner Thomas Deist hätte eigentlich in Braunschweig die Rede auf den Prinzen halten sollen, doch der „kölsche Jong“ blieb lieber in seiner Wahlheimat – zu „lecker“ seien hier die Themen, meinte Deist, der kaum weiß, wie er diesen Berg an Material abarbeiten soll. „Wenn Sachen schief gehen, haben Büttenredner gut Lachen – und in Celle scheint ja so ziemlich alles den Bach runter zu gehen.“ So seien zum Beispiel die Akteure der Celler City derartig damit beschäftigt, einander umzukegeln, dass man gar nicht mitbekomme, dass mit dem Einkaufscenter-Investor Gedo schon ein Mitspieler ganz anderen Kalibers bereitstehe und eine richtig dicke Kugel Richtung Innenstadt kullern lasse.

Deist: „Ich habe so viele Themen, dass ich jeden Tag eine Büttenrede halten könnte.“ Man dürfe gespannt auf seinen Auftritt bei der Prunksitzung der Rheinischen Vereinigung sein, die am 6. Februar ab 20.11 über die Bühne der Congress Union gehen wird. „Ich habe Material für fünf Stunden. Das wird so richtig böse“, verriet Deist, der meint, Celle könnte ein ständiges Kabarett mit dem Namen „GummiCelle“ gut vertragen. Während der Prunksitzung sei Deists Auftritt nur einer von vielen Höhepunkten, sagte Haack. „Es lohnt sich auf jeden Fall, mit uns fröhlich zu feiern.“

Karten für die Prunksitzung können ab sofort per Email an info@karneval-celle.de bestellt werden