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Celle Stadt Ausstellung "Frauen als Opfer der T4" in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ausstellung "Frauen als Opfer der T4" in Celle
14:32 14.01.2020
Eine Ausstellung über "Frauen als Opfer der T4" ist noch bis Ende Januar in Celles Neuem Rathaus zu sehen. Quelle: Sophia Ripke
Celle

„Still, stumpf, beschäftigt mit Kartoffelschälen, verlegt.“ Mit diesem zunächst verwirrend klingenden Zitat wird man in die erschütternde Geschichte einiger Opfer der „Aktion T4“ eingeführt.

Ausstellung in Celle informiert über Folgen von „Aktion T4“

Kaum denkbar sind zur heutigen Zeit die 200.000 Opfer und die weitreichenden Folgen der „Aktion T4“, die während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland durchgeführt wurde. Die Macher der Ausstellung „Frauen als Opfer der T4“ im Neuen Rathaus in Celle haben es sich zur Aufgabe gemacht, auch in der Gegenwart an die damaligen Verluste zu erinnern. Sie laden alle Interessierten dazu ein, sich unter Anderem über die erschütternden Schicksale der Opfer von „Aktion T4"“ und über die weitgreifenden Folgen für Familien zu informieren sowie der Opfer zu gedenken.

Die Ausstellung ist im Erdgeschoss von Celles Neuem Rathaus zu sehen. Inmitten der Stellwände sind zwei Listen mit Opfernamen ausgelegt. Quelle: Sophia Ripke

Tötung wurde an der Tiergartenstraße 4 organisiert

Namensgeber der „Aktion T4“ war die Stelle, die unter der Adresse Tiergartenstraße 4 in Berlin die Verlegungen von („erkrankten“) Menschen in sogenannte Tötungsanstalten koordinierte. Ihr gingen zahlreiche Massenmorde in polnischen Tötungsanstalten voraus, bevor es ab 1940 schließlich zu den Vergasungen kam. Besonders Frauen wurden häufig durch psychische oder körperliche Erkrankungen in Heilanstalten eingewiesen und anschließend in Tötungsanstalten deportiert.

Sogar Kinder fielen der „Euthanasie“ im Nationalsozialismus zum Opfer. So starben zum Beispiel 19 Kinder und Jugendliche aus dem Landkreis und der Stadt Celle in der „Kinderfachabteilung“ Lüneburg im Rahmen der „Kinder-Euthanasie“.

Anna Timme im Kreise ihrer fünf Brüder. Die in Hagen bei Bergen geborene  Frau wuchs auf einem Bauernhof auf und wurde 1941 im Rahmen der "Aktion T4" ermordet. Quelle: Repro: Sophia Ripke

Wer waren die Opfer der „Aktion T4“?

Während einige Familien versuchten, der Einweisung in Krankenhäuser und Heilanstalten zu entgehen, kam es bei anderen zu lebensverändernden Zerwürfnissen, für die „Aktion T4" verantwortlich war. Ein Beispiel ist Agnes Timme, die nach der Geburt ihres vierten Kindes an einer Psychose erkrankte und daraufhin in eine Heilanstalt eingewiesen wurde. Die Kinder gelangten in ein Heim. Nach Agnes Timmes Rückkehr nach Hause war sie gezwungen, ihre Familie für immer zurückzulassen, als sie zunächst erneut in die Heilanstalt Lüneburg und schließlich über „Aktion T4“ in die Tötungsanstalt Hadamar „planmäßig verlegt“ wurde - wie die Deportation in den Tod genannt wurde. In Hermannsburg ist ihr ein Stolperstein zum Gedenken gewidmet. Ein weiteres erschütterndes Beispiel für die Folgen von „Aktion T4“ ist eine Familie aus dem Umkreis, die erst Wochen später von dem Tod ihres Sohnes erfuhr, weil das Datum, an dem er ermordet worden war, verfälscht wurde.

In Gedenken an die Opfer

Die wichtige Botschaft hinter der Ausstellung „Frauen als Opfer der T4“ kann auch heute unser Denken beeinflussen, indem wir uns entschließen, uns an die Opfer von „Aktion T4“ zu erinnern. Durch die Beschäftigung mit der schrecklichen Vergangenheit, kann man sehen, welch Glück die heutigen Generationen haben, die in einer Zeit heranwuchsen, in der man erkrankten Menschen auf eine gerechte und rücksichtsvolle Art und Weise begegnet.

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