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Celle Stadt "Immer am Ende der Warteschlange"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Immer am Ende der Warteschlange"
10:37 11.09.2018
Von Dagny Siebke
Vorstand Ute Pankow zeigt Ein-Bett-Zimmer und Appartements der stationären Wohnungslosenhilfe im Kalandhof. Quelle: Dagny Siebke
Celle

Seine Wohnung verlor Kai-Uwe Schulz (Name geändert), als er "mit einem Schlag arbeitslos wurde und das Geld für die Miete fehlte", erzählt der 51-Jährige. Schon seit sechs Jahren sucht er vergeblich eine feste Wohnung. Doch zu trinken begann er erst nach dem nächsten Schicksalsschlag. Schulz: "Sobald meine Frau verstarb – von einer Stunde zur anderen." Seit einem Jahr ist der gelernte Baufacharbeiter trocken. Vor zwei Monaten ist er im Kalandhof angekommen, um eine Bleibe zu haben und sich bei der Bewältigung des Alltags helfen zu lassen. Schulz sagt: "In Celle möchte ich gern bleiben. Mir gefällt die Altstadt. Zudem habe ich hier den Sinn fürs Leben wiedergefunden."

Kai-Uwe Schulz kann eines der 18 Einzelzimmer in der stationäre Wohnungslosenhilfe des Kalandhofs nutzen. Zudem gibt es noch 36 voll ausgestattete Appartements und weitere acht Betten in der Notunterkunft. Ute Pankow ist Vorstand des Vereins "Herberge zur Heimat", zu dem der Kalandhof gehört. Zum "Tag der Wohnungslosen" am Dienstag stellt sie ihre Einrichtung vor: "Uns geht es darum, zu verhindern, dass sich die Lebenssituation der Wohnungslosen weiter verschlimmert", betont sie. "Der Kalandhof ist nicht nur Pension, sondern die 32 Mitarbeiter und 17 aktive Mitglieder geben Hilfestellungen, um mit den Menschen neue Wege zu gehen." Die Hilfe setzt die Mitwirkung des Wohnungslosen voraus sowie die Bereitschaft, das vorhandene Einkommen einzusetzen.

"Die Wohnungssuche ist ganz schwer und mühselig", so Ute Pankow. "Kleinwohnraum wollen alle haben. Manche finden nach sieben Monaten eine neue Wohnung, manche nach einem Jahr. Und manche nie." Mit Glück klappt es bei der städtischen WBG oder sogar bei einem privaten Vermieter. Gemäß einer Wohnungsmarktstudie des Pestel-Instituts sagt Pankow: "Selbst wenn es mehr sozialen Wohnungsbau gäbe, würde es nicht genug Angebot für Wohnungslose geben. Sie stehen immer am Ende der Warteschlange."

Es ist ein langer Weg, den die Betroffenen mit den Sozialarbeitern gehen: Sie müssen das Selbstbewusstsein der Wohnungslosen aufbauen, sie bei der Schaffung einer Tagesstruktur und der Haushaltsführung unterstützen. Zudem müssen gesundheitliche Probleme abgeklärt werden. Wenn so viele Menschen unter einem Dach leben, kommt es häufiger zu Konflikten – mitunter ist Alkohol im Spiel. "Wir sind keine Heilanstalt", sagt Pankow. Man orientiere sich am "Normalen." So ist ein Bierchen auf dem Gelände des Kalandhofes verboten, doch im Einzelzimmer erlaubt.

Die Fachkräfte regeln nicht nur den Umzugsprozess, sondern betreuen ihre Schützlinge auch, nachdem sie endlich eine Wohnung gefunden haben. "Hier im Kalandhof hat man immer Leute um sich. Doch auf einmal muss man alles für sich alleine machen und kennt die Nachbarn noch nicht", erzählt Ute Pankow. "Ziel ist es, die Wohnung dauerhaft zu erhalten.

Momentan schläft der Wohnungslose Kai-Uwe Schulz im "Übergangsflur" in einem Einzelzimmer mit eigener Waschgelegenheit. "Ich stehe kurz vor dem Umzug in den trockenen Bereich. Schließlich will ich abstinent leben." Dort könnte er in einem 20-Quadratmeter-Appartment wohnen mit eigener Dusche und Mini-Küche. Im Kalandhof hilft er in der Küche mit. Beim Jobcenter hat er sich in eine Liste für Ein-Euro-Jobs eingetragen. Vielleicht klappt es ja mit der Arbeit in der Großküche eines Pflegeheimes.

Mehr Infos im Internet unter www.kalandhof-celle.de
Vor Ort: Im Rolande 10, 29223 Celle
unter Telefon (05141) 30060
oder per E-Mail an info@kalandhof.de

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