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Celle Stadt In „Washinistan“ brummt die Luft
Celle Aus der Stadt Celle Stadt In „Washinistan“ brummt die Luft
16:20 07.09.2018
Von Michael Ende
Oberst Jörn Rohmann erläutert an der Karte die Lage in "Washinistan". Quelle: Oliver Knoblich
Wietzenbruch

Mühsam kämpfen sich erste Sonnenstrahlen durch frühherbstliche Nebelschwaden. Tautropfen funkeln an Spinnenweben im Gras. Man riecht, dass der Sommer auf dem Rückzug ist. Der Geruch von nassem Moos und Laub vermischt sich mit dem von Diesel und Kerosin. Motoren von Militärfahrzeugen dröhnen, Stimmenfetzen, Stiefelgetrappel. Morgens um halb zehn ist in der Immelmann-Kaserne längst alles auf den Beinen, denn Wietzenbruch ist Übungsland: In "Washinistan" brummt buchstäblich die Luft.

Betrieb herrsche hier schon seit dem Morgengrauen, sagt Oberstabsfeldwebel Christian Trautsch vom Wietzenbrucher Feldwebel- und Unteroffizieranwärterbataillon 2: "Unsere Rekruten sind gerade von ihren Märschen zurück." Nach den zwölf Fitness-Kilometern mit vollem Gepäck und einer erfrischenden Dusche stehen für die zukünftigen Führungskräfte noch ein paar Ausbildungsstunden auf dem Programm, die in Zukunft ihr Leben retten könnten: Minen- und Sprengfallen-Erkennung. Wer dieses Teufelszeug im Einsatz nicht erkennt und damit umzugehen weiß, der kehrt möglicherweise im Sarg in die Heimat zurück.

"Deshalb nimmt niemand hier diese Ausbildung auf die leichte Schulter, sagt Trautsch. Für ihn ist die Kaserne zur Heimat geworden – eine Heimat, deren Zukunft nicht immer rosig aussah. "Als ich hier 1987 angefangen habe, hieß es schon: Das hier gibt's nicht mehr lange. Aber Totgesagte leben länger. Wenn dieser Spruch irgendwo zutrifft, dann hier." Recht hat er: Heute entwickelt sich das Wietzenbrucher Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit zu einem Kompetenzzentrum mit internationalem Renommee.

Die neue "Kundschaft" des Ausbildungszentrum schwebt spektakulär ein. Während am Boden ein rund 40 Jahre altes Transportflugzeug vom Typ C-160 Transall auf seine Starterlaubnis wartet, rauscht ein Airbus A400M heran. Das Modernste, was die Bundeswehr zu bieten hat. Dieser Brocken von einem Flugzeug hat beim Beobachter unweigerlich einen "Boah-Effekt": Bei der Landung wirbeln 100 Meter lange Luftschleppen an seinen Tragflächenspitzen die feuchte Luft auf, der Boden vibriert. Hier kommt Power an – und steigt auch aus: Eine Kompanie Fallschirmjäger marschiert aus dem Bauch des Flugzeugriesen. Willkommen in Celle Air Base. Welcome to "Washinistan".

"Washinistan" ist ein imaginäres 2600 Kilometer von Deutschland entferntes Land, das im Rahmen der Bundeswehr-Großübung „Schneller Adler“ im Brennpunkt des Geschehens steht. Derzeit übt die Division Schnelle Kräfte (DSK) an verschiedenen Standorten in Nord- und Ostdeutschland, deutsche Staatsbürger schnell und sicher aus einer Krisenregion im Ausland zu holen. "Ziel der Übung ist es Abläufe und auch die Ausrüstung zu überprüfen und zu verbessern", erläutert Bundeswehr-Standortältester, Oberst Jörn Rohmann, der das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit kommandiert und die übende Truppe als Gastgeber unterstützt: "Die Übungsszenarien, die in den kommenden Tagen auf dem Programm stehen, reichen von der schnellen Seeevakuierung via Schiff über die schnelle Luftevakuierung bis zur sogenannten robusten Evakuierung, in der die Soldaten auf militärischen Widerstand stoßen."

Unterdessen startet die Transall, am Boden dirigiert vom Oberstabsfeldwebel der Reserve Wilhelm Lilje, der seit Jahrzehnten zum Inventar der Wietzenbrucher Kaserne gehört. Den Job mit den Winkerkellen macht er gerne, sagt Lilje, den man auch als Herold beim Grünkohlessen kennt: "Den dafür erforderlichen Lehrgang hab' ich gerade erst absolviert. Die Arbeit mit den Flugzeugen macht Spaß."

Dass nichts passiert, darüber wachen Brandamtmann Peter Mummert und seine Fluplatz-Feuerwehrtruppe. "Im Ernstfall sind wir in einer Minute an jedem Ort der Landebahn", sagt Mummert. Sein größtes Löschfahrzeug ist 33 Tonnen schwer und 130 Stundenkilometer schnell.

Schnell füllt sich auch die Kaserne. Kolonne um Kolonne rückt mit schwerem Gerät im Kfz-Marsch an. "Am Höhepunkt der Übung werden 1500 Soldaten der DSK hier im Einsatz sein", sagt Rohmann. Zuschlagen würden sie nächste Woche in einem Übungs-Land namens "Aquilanien." Und wie läuft's so in "Washinistan"? Rohmann lacht: "Das Meiste klappt gut – aber auch nicht alles. Schließlich heißt es nicht Könnung, sondern Übung."

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