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Celle Stadt Comedian: Meinungsfreiheit auf Prüfstand
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Comedian: Meinungsfreiheit auf Prüfstand
12:42 17.03.2019
Ingmar Stadelmann war am 16.03.2019 zu Gast in der Celler CD-Kaserne. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Schon mit dem Ankündigungsplakat hat Ingmar Stadelmann ein Statement in Sachen Meinungsfreiheit gesetzt. Die Anspielung auf den Russen Pjotr Pawlenski, der sich öffentlich den Mund zunähen ließ, lässt ahnen, dass das Publikum mit unangenehmen Wahrheiten konfrontiert wird. Die Pointen sitzen, wenn der Stand-up-Comedian in seinem dritten Soloprogramm die Toleranz in einem „Meinungsstresstest“ auf den Prüfstand stellt. Dabei ist der Radio- und TV-Moderator unglaublich schlagfertig. Kaum steht er auf der Bühne, wundert er sich über den Überraschungsstuhl, den die Auszubildende der CD-Kaserne für einen Gast vorbereitet hat. Für ihn sei ein Überraschungsstuhl eigentlich immer Durchfall.

Der Kontakt zum Publikum gelingt dem 38-Jährigen problemlos. Er holt seine Gäste ab, als er sich an einen Besuch im Inkognito erinnert, schwadroniert über seine Geburtsstadt Salzwedel und erzählt über den Verkehr in Berlin. Die Fahrradfahrer dort seien Jihadisten, sie hielten sich für unkaputtbar. Er berichtet von Berliner Busfahrern, die sauer sind, weil er ihren Umgang mit Fahrgästen in seinem Programm karikiert.

Berliner Unfreundlichkeit hat ihm das Leben gerettet

Dabei habe ihm die Berliner Unfreundlichkeit das Leben gerettet. Dem schlechten Glühwein und der miesen Reaktion des Verkäufers habe er es zu verdanken, dass er den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz eine Stunde vor dem Terroranschlag verlassen habe. Nach diesem „zivilisatorischen Unfall“ könne man nur weiter machen, Zahlen seien nicht hilfreich. Auf 400 Deutsche käme nur ein Flüchtling, aber das politische Ausschlachten der Ängste würde Wahl-Lemminge erzeugen.

Ob Christian Lindner, Jens Spahn oder Björn Höcke, Ingmar Stadelmann erteilt dem Populismus Ohrfeigen. Dabei ist seine Sprache derb. Um das Verhältnis zwischen Horst Seehofer und Angela Merkel zu verbessern, empfiehlt er einen Hass-Fick. Wenn er Irritierendes erlebt, spricht er von einem Kopf-Fick. Ingmar Stadelmann bewegt sich knapp über der „Schmerzgrenze, aber im Rahmen des Grundgesetzes“. Im Gegensatz zur Türkei, könne man sich in Deutschland beleidigen. Seine Beleidigungen seien sogar Kunst.

Comedian räumt provokant mit Klischees auf

Für das männliche Geschlecht findet er Synonyme wie Pimmel, Korkenzieherpenis oder Schwanz-Zwilling. Bei der Aufklärung des Publikums über Dating-Portale, Möglichkeiten der Selbstbefriedigung, Popo-Kitzler oder gelangweilte Delfine sowie nackte Würstchen-Griller bricht Ingmar Stadelmann Tabus.

Provokant räumt er mit Klischees auf und wundert sich, dass nach dem Online-Kauf von Hitlers ‚Mein Kampf‘ alles mit gelben Sternen bewerten werden könne. Sein Programm ist ein Kann-Angebot ist, man muss es nicht lustig finden. Das Publikum in der Halle 16 war begeistert und hat dem preisgekrönten Künstler in der Zugabe noch wunderbare Pointen über Haustiere und Günter, den todgeweihten Hospizbewohner entlockt. Olli und Melanie sind aus Ahlden angereist und fanden die Unterhaltung sehr gut. Ingmar Stadelmann gelinge es, den Gast an der Grenze zum Unwohlsein mitzunehmen.

Von Marion Anna Peterson

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