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Celle Stadt Händler ohne gemeinsame Stimme
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Händler ohne gemeinsame Stimme
18:13 21.01.2019
Von Gunther Meinrenken
Geht es dem Celler Einzelhandel zu gut, als dass sich mehr Geschäftsleute für die Innenstadt einsetzen?
Celle

Hans Werner Schmidtmann sucht einen Nachfolger. Seit dem Jahr 2000 steht der ehemalige Geschäftsführer der Celler Karstadt-Filiale der Innenstadt-Händlerorganisation Schlosskreis vor. Schon vor fünf Jahren hatte Schmidtmann angekündigt, diesen Job höchstens noch eineinhalb Jahre machen zu wollen. Doch daraus ist nichts geworden. "In diesem Zeitraum muss jemand gefunden werden, sonst bricht das Ding zusammen", hatte Schmidtmann 2013 angekündigt. Gefunden hat sich niemand. Wie es mit dem Schlosskreis weitergehen soll, wird sich heute Abend bei einer Mitgliederversammlung entscheiden. Auf der Tagesordnung steht die Wahl eines neuen Vorstands. Ob der mittlerweile 69-Jährige doch noch einmal antritt, lässt er offen. Was mit dem Schlosskreis passieren soll, ist unklar. Vom Ruhen der Aktivitäten bis zur Auflösung ist alles denkbar.

Schlosskreis abgeschmolzen

Vor etwa 20 Jahren bestimmte der Schlosskreis noch maßgeblich, wo es in der Celler Innenstadt lang gehen soll. Gut 90 Mitglieder zählte der Zusammenschluss damals, davon sind nach Angaben Schmidtmanns heute gerade einmal 20 übriggeblieben – der Schlosskreis ist schon lange nicht mehr das Sprachrohr der Altstadt-Händler. Er ringt mit der eigenen Bedeutungslosigkeit. In den vergangenen Jahren hatte der Schlosskreis immer noch die Verkaufsoffenen Sonntage organisiert – eine aufwändige Angelegenheit, die nun maßgeblich auf die Wirtschaftsförderung der Stadt übergegangen ist. Der Schlosskreis hat dafür "nicht mehr die Ressourcen", wie Günter Stachetzki, der zwölf Jahre lang vor Schmidtmann die Organisation geleitet hat, angibt.

Stadt wünscht sich starke Händlergemeinschaft

Der Schlosskreis steht sinnbildlich für den mangelnden Zusammenhalt in der Celler Innenstadt. Nach dem vor acht Jahren kläglich gescheiterten Versuch, die Interessen aller Innenstadthändler im selbstverwalteten Citymanagement unter einen Hut zu bekommen, scheint es, als stünde die Geschäftswelt der Altstadt unter Schockstarre. Das beobachtet man auch im Neuen Rathaus mit Sorge. "Die Stadt würde sich eine starke Händlergemeinschaft wünschen. Doch das ist ein Wunschtraum", sagt Thomas Faber, Fachdienstleiter der städtischen Wirtschaftsförderung. Gerne hätte Faber einen Ansprechpartner, um mit der Geschäftswelt über neue Formate wie Late-Evening-Shopping sprechen zu können. Doch den gibt es nicht.

Engagierte Händler vielerorts aktiv

Diejenigen, die sich für die Entwicklung der Innenstadt engagieren, sind immer die gleichen und sie teilen sich auf verschiedene Organisationen auf, wobei einige in mehreren Zirkeln mitmischen. Neben dem Schlosskreis gibt es noch den Einzelhandelsverband Harz-Heide Bereich Celle mit Stachetzki an der Spitze. 80 Mitglieder zählt die Vereinigung, wobei etwa 30 aus dem Bereich der Innenstadt kommen. "Pro Altstadt" organisiert alle zwei Jahre das Happening "Kunst hier auch!". Das Quartier Mauernstraße ist mit vielen Aktionen wie Weinfest, Frühlingserwachen, Oktoberfest, Backaktionen und Weihnachtsfest sehr rege, aber die etwa 15 bis 18 Aktiven, etwa 80 Prozent der Aktiven, konzentrieren sich mit ihren Veranstaltungen eben auf ihren Beritt. Und dann ist da noch die "Initiative Celle", die vor zwei Jahren angetreten ist, um neue Impulse für die Innenstadt zu setzen. Doch der Kreis der Mitglieder stagniert um die 35 Geschäftsleute und andere Institutionen wie das Schlosstheater. Insgesamt, so lässt sich feststellen, sind von den gut 400 Geschäften in der Innenstadt – Doppelmitgliedschaften herausgerechnet – nur um die 70 bis 80 überhaupt organisiert. Woran liegt das?

Geschäftswelt braucht mehr Schlagkraft

Stefanie Ende, Vorsitzende der "Initiative Celle", hat sich mit vielen Geschäftsleuten unterhalten. "Jeder hat mit seiner Branche und seiner täglichen Arbeit zu tun. Viele würden gerne mitmachen, aber es fehlt der letzte Schub", hat sie festgestellt. Dabei könnte der relativ neue Zusammenschluss noch mehr auf die Beine stellen. "Wir brauchen noch mehr Leute, um die Stadt voranzubringen, um mehr Schlagkraft zu haben. Unsere Aktionen wie Heimatschoppen oder der Lebendige Adventskalender waren sehr erfolgreich. Für weitere Aktionen sind mehr Leute erforderlich, sonst bleibt die Projektarbeit, die wir ja auch ehrenamtlich machen, an zu wenigen hängen."

Kleine Quartiere entwickeln

Stachetzki hat über die Jahre festgestellt, "dass sich immer weniger engagieren wollen. Es gibt viele große Filialisten, die sich an gar nichts mehr beteiligen. Mit denen kommt man gar nicht mehr ins Gespräch". An dieser Stelle sieht Stachetzki die Wirtschaftsförderung der Stadt in der Pflicht, "die wichtigsten Player an einen Tisch zu holen".

Und aus dem Kleinen Großes schaffen? Samleit ist überzeugt, dass "ein Zusammenschluss wie in der Mauernstraße auch woanders funktionieren würde". Ansätze sieht er dabei im Bereich Schuhstraße/Brandplatz. "Wenn die Macher dort von Kiez sprechen, ist das genau die Entwicklung, die Celle benötigt."

Meinung

Gemeinsam

"Einzelhändler heißen so, weil sie einzeln handeln." Dieses geflügelte Wort gilt leider auch für die Celler Innenstadt. Der Mitgliederschwund, den der Schlosskreis zu verzeichnen hat, ist das sichtbare Zeichen einer jahrelangen Entwicklung, bei der der Kreis derjenigen, die sich für eine attraktive Einkaufsstadt einsetzen, stetig abzuschmelzen scheint. Darüber kann auch die Neugründung der "Initiative Celle" nicht hinwegtäuschen. Viele der Geschäftsleute, die sich dort engagieren, sind und waren, teilweise parallel, auch schon zuvor sehr rege in anderen Organisationen aktiv, sei es in der mittlerweile aufgelösten "Celles Mitte", dem Schlosskreis oder auch im "Quartier Mauernstraße". Doch neue Mitglieder zu rekrutieren, ist schwer. In der "Initiative Celle" arbeiten etwa 35 Geschäftsleute und Vertreter anderer Institutionen mit – seit Gründung hat sich da wenig getan.

Geht es dem Celler Einzelhandel zu gut? Die Umsätze scheinen trotz viel beklagter Konkurrenz durch Outlet-Center und Internethandel noch zu stimmen. Ohne Not und ohne Sorge um die eigene Existenz hält sich bei einigen das Engagement in Grenzen. Und wenn andere schon Aktionen wie Heimatshoppen oder den Lebendigen Adventskalender organisieren, muss man ja selbst nichts mehr tun. Auf Dauer wird eine solche Einstellung allerdings kaum funktionieren. Je mehr Geschäftsleute sich einbringen, nicht nur mit Geld, sondern eben auch mit ihrem persönlichen Einsatz, je besser wird es allen gehen.

Der Aderlass beim Schlosskreis sollte da allen Einzelhändlern eine Warnung sein. Der Mitgliederschwund ist bereits so groß geworden, dass die Stadt einspringen muss, um die Verkaufsoffenen Sonntage zu organisieren. Das bindet in der Wirtschaftsförderung wiederum Ressourcen, die auch gut für die Gesamtentwicklung Celles eingesetzt werden können. Abgesehen davon: Dass die Wirtschaftsförderung diese Aufgabe übernimmt, ist wirklich nett und zum Wohle der Stadt. Aber ist es das richtige Signal an diejenigen, die sich bisher nicht engagieren? Sie werden sich weiter zurücklehnen können.

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