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Celle Stadt Orcam: So funktioniert die Hilfe für Blinde
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Orcam: So funktioniert die Hilfe für Blinde
20:00 21.05.2019
Von Svenja Gajek
Die Orcam soll Menschen mit Sehbehinderung beim Lesen von Texten sowie beim Erkennen von Gesichtern, Farben und Banknoten helfen. Quelle: David Borghoff
Celle

Fred Lehne ist skeptisch, als ihm Daniel Kopczynski, Kundenberater bei Helptech, das kleine technische Gerät in die Hand legt. Lehne verliert seit einigen Jahren immer mehr Sehkraft und ist nun fast vollständig erblindet. Um seiner Frau, deren Hilfe er fast ständig benötigt, etwas Unterstützung zu ermöglichen, testet er zusammen mit etwa zehn anderen sehbehinderten Menschen ein neues Hilfsmittel.

Kleiner Computer am Brillenbügel

Die seit 2016 verfügbare Orcam für Menschen mit einer Sehbehinderung wurde am vergangenen Donnerstag in den Räumen der Celler Beratungsstelle des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Niedersachsen an der Bahnhofstraße vorgestellt. Es handelt sich um ein unmittelbar am Körper getragenes Computersystem, das auf den Nutzer oder dessen Umwelt bezogene Daten registriert und verarbeitet. Das etwas sechs Zentimeter lange, kastenförmige Gerät wird an einen Brillenbügel geklemmt. Die Kamera erfasst die Interaktionen des Nutzers in Blickrichtung, worauf die verbaute künstliche Intelligenz auf die Situation reagiert. Von der Orcam gibt es zwei unterschiedliche Varianten: Die einfache Version "MyReader" hilft beim Lesen von Texten. Das komplexere System "MyEye" erkennt zusätzlich Gesichter, Produkte, Banknoten und Farben.

Innovative Bedienung

Lehne hält sich ein Buch vor das Gesicht und zeigt mit dem Finger auf eine Seite. Die Kamera macht ein Foto und eine angenehme Stimme liest den Text vor. "Ich hätte nicht gedacht, dass die Betonung so gut ist", bemerkt Lehne anerkennend. Auch Werner Gläser gefällt die Orcam, aber er glaubt, dass die Bedienung etwas einfacher sei, wenn man zumindest noch einige Umrisse erkennt: "Ich kann selbst wenigstens noch ungefähr bestimmen, wo sich ein Textfeld befindet."

Teure Technik mit Verbesserungspotential

Für einige Personen ist der Umgang mit der Orcam allerdings nicht geeignet. Bei Menschen mit eingeschränktem Gehör sowie bei denjenigen, die keine vollständige Kontrolle über ihre Kopf- und Handbewegungen haben, stößt die Technik auf ihre Grenzen. Zudem treten bei der Vorführung deutliche Kinderkrankheiten auf. Nach Meinung der Nutzer brauche das Gerät beim Starten und beim Erkennen von Gesichtern einfach noch zu viel Zeit. Zudem übernehmen viele Krankenkassen die Kosten von immerhin 4500 Euro für das erweiterte System nur teilweise.

Am Wochenende findet der Bürger-Basar der Celler Bürgerstiftung statt. Die letzten Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

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