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Celle Stadt Er war Jude und musste das HBG 1938 verlassen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Er war Jude und musste das HBG 1938 verlassen
18:29 08.02.2019
Von Andreas Babel
Der stellvertretende Schulleiter des Hermann-Billung-Gymnasiums, Robert Baberske, im November 2017, zusammen mit dem ehemaligen HBG-Schüler Kurt W. Roberg. Quelle: David Borghoff
Celle

Einer der ältesten ehemaligen Schüler des Hermann-Billung-Gymnasiums ist Kurt W. Roberg. Der 94-Jährige musste als Jude 1938 aus dem nationalsozialistischen Deutschland fliehen. Heute lebt er in den USA, kommt aber immer wieder zu Vorträgen auch an seine alte Schule. Über seine Kindheit in Celle hat er das Buch „Zwischen Ziegeninsel und Stadtgraben. Eine jüdische Kindheit und Jugend in Celle 1924 –1938“ geschrieben.

Anlässlich des HBG-Jubiläums befragen wir in diesem Jahr einige ehemalige Pennäler zu ihrer Schulzeit. CZ-Redakteur Andreas Babel hat Kurt Roberg via E-Mail interviewt. Seine Antworten kamen innerhalb weniger Stunden über den Großen Teich.

In welchem Zeitraum haben Sie das HBG besucht?

Von Ostern 1934 bis 10. November 1938 (Zwangsabgang nach der Kristallnacht). Im Jahrgang 1924 war ich der einzige jüdische Schüler an der Hermann-Billung-Schule (das war der damalige Name).

Was war Ihr Lieblingsfach und warum?

Zeichnen – es machte mir viel Spaß, ich war gut darin und auch sehr motiviert. Herr Braun war ein interessanter Mensch und ein guter Lehrer.

Haben Sie eine nette Episode auf dem HBG erlebt?

Ja, nett kann man es wohl nicht nennen, aber sicherlich eindrucksvoll und befriedigend. Im Frühjahr 1937 plante unsere Klasse einen Ausflug zum Harz, wo wir in einer
Jugendherberge übernachten würden. Als dieses in der Klasse besprochen wurde, fragte einer meiner Mitschüler, wohl ein Jungvolk-Mitglied: „Geht denn Roberg da auch mit?” Es war ja bekannt, dass Juden zu jener Zeit in Jugendherbergen und Hotels nicht mehr zugelassen waren. Unser Klassenlehrer, Studienrat Klemm, antwortete: „Wenn Roberg nicht geht, geht niemand!”

Die Klasse machte den Ausflug mit mir und ich übernachtete in der Jugendherberge ohne Probleme. Die Zivilcourage von Studienrat Klemm war bemerkenswert; der Fall wurde wohl auch dem Schuldirektor mitgeteilt, und dabei blieb es.

Haben Sie noch Kontakt zu Mitschülern?

Ja, ich bin in Briefwechsel, um die Weihnachtszeit, und gelegentlichem Telephonat mit Professor Dr. Elmar Wagemann in Gießen, den ich seit unserer gemeinsamen Kindergartenzeit kenne, jedoch wir sahen uns zuletzt am 10. November 1938.

Welches Fach hat Ihnen für Ihre spätere berufliche Laufbahn am meisten gebracht?

Das Zeichnen und der Freiwillige Werkunterricht nach der Schule, auch von Herrn Braun geleitet.

Wo leben Sie heute und wie?

Seit meiner Flucht Ende 1938 aus Nazi-Deutschland und 1941 in die USA, lebe ich seit 55 Jahren in Tenafly, einer Kleinstadt im Staat New Jersey. Ich wohne seitdem in meinem Privathaus, die letzten 30 Jahre als pensionierter Witwer.

Träumen Sie manchmal aus der Schulzeit und wenn ja, was?

Träumen nein, jedoch Erinnerungen erzählen von früheren Zeiten, ja.

Wann haben Sie das letzte Mal das HBG besucht und aus welchem Anlass?

Während der letzten zehn Jahre bei häufigen Celler Besuchen habe ich auch das
HBG vier Mal besucht; zuletzt im November 2018, um dort einen Workshop/Vor-
trag zu halten über den Holocaust, meine Jugend in Celle zur NS-Zeit und meine abenteuerliche Flucht in die Freiheit 1941, während des Krieges.

Wie ist Ihr Eindruck von der heutigen Schule im Jubiläumsjahr?

Von meinen kurzen Besuchen kann ich nur einen ganz oberflächlichen Eindruck haben. Die Schule ist heute viel größer und in den 80 Jahren seit meiner Schulzeit hat sich so viel geändert, dass ich mir wirklich kein Urteil erlauben kann.

Ist das Schulsystem, so wie wir es heute kennen, noch zeitgemäß oder was sollte sich Ihrer Ansicht nach ändern?

Wie schon oben bemerkt, kenne ich das jetzige Schulsystem nicht und muss es den heutigen professionellen Experten überlassen, habe jedoch das Vertrauen, dass Direktor Truscelli und sein Mitarbeiterstab den modernen akademischen und sozialen Ansprüchen völlig gewachsen sind.

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