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Celle Stadt "Fächer sind weniger entscheidend als Angebote"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Fächer sind weniger entscheidend als Angebote"
15:40 16.04.2019
Von Andreas Babel
Peter Rennpferdt ist stellvertretender Generaldirektor bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Er hat von 1974 bis 1981 das Hermann-Billung-Gymnasium in Celle besucht. Quelle: cz
Celle

Peter Rennpferdt ist nach Jahren häufiger Ortswechsel mit seiner Frau in Frankfurt am Main sesshaft geworden. Dort habe er seither das Glück, „spannende berufliche Aufgaben bei der Europäischen Zentralbank zu haben“, sagte er der CZ. Die beiden Söhne sind mit Erlangung der Volljährigkeit flügge geworden. Der Grundstock zu seiner EZB-Karriere (derzeit ist er stellvertretender Generaldirektor Personal) wurde im Celler Hermann-Billung-Gymnasium (HBG) gelegt, das in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert.

In welchem Zeitraum haben Sie das HBG besucht?

Mit dem HBG bin ich seit der Aufnahme meines Bruders im Jahr 1969 verbunden, den ich als 7-jähriger zum Schulfest anlässlich der 100-Jahr Feier am alten Standort am Nordwall begleiten durfte. Die Schulmannschaft war nicht lange zuvor Deutscher Meister im Handball geworden und eine starke Identität als „Sportgymnasium“. Mir war klar: da muss ich auch hin! Die angekündigte Aufnahme auch von Mädchen vermied eine mögliche spätere Diskriminierungsdebatte mit unserer jüngeren Schwester. Mit meinen Eltern sind wir alle anschließend oft mit dem Fahrrad zur Baustelle der neuen Schule ins Neustädter Holz gefahren. Der großzügige Neubau verstärkte die Überzeugung, dass es ein Privileg ist, dort aufgenommen zu werden, zumal die Aufnahme angesichts der geburtenstarken Jahrgänge sehr beschränkt war und Geschwister bevorzugt wurden. Von 1974 bis 1981 habe ich die Schule besucht.

Was war Ihr Lieblingsfach und warum?

Meine Lieblingsfächer wechselten in Abhängigkeit von dem von mir (mit begrenztem Einsatz) erwarteten erzielbaren Erfolg. Hier spielte die Fähigkeit der Lehrer eine große Rolle, mein Engagement und das Interesse für den Lernstoff zu erhalten oder „wieder zu erwecken“, wenn ich mal den Anschluss verpasst hatte. Leider habe ich – wie einige meiner Mitschüler - die Geduld der Lehrer (und der Eltern) über einige Jahre auf eine harte Probe gestellt ... Ich habe noch immer das Bedürfnis, mich dafür aufrichtig zu entschuldigen. In den schwierigsten Jahren hatten diejenigen Lehrer besonderen Einfluss auf mich, die Aktivitäten außerhalb des Lernplans anboten, vor allem die Mitgliedschaft in der Handballmannschaft, dem Chor oder Kabarett. Diesen engagierten Lehrkräften, einschließlich der Tutoren in der Oberstufe, bin ich zu besonderem Dank verpflichtet. Sie haben auch meine Mutter moralisch unterstützt, wenn sie mal wieder mit ihrem Latein am Ende war.

Haben Sie eine nette Episode auf dem HBG erlebt?

Natürlich waren die (harmlosen) Streiche emotionale Höhepunkte der Schulzeit. Auch noch 35 Jahre nach dem Abitur Gesprächsgegenstand, wenn wir zu unseren Jahrgangstreffen zusammenkommen, zu denen unsere engagierten ehemaligen Klassenkameraden dankenswerterweise verlässlich einladen. Besonders gerne haben wir damals die Lehrer gefoppt, die mit den großen geburtenstarken Jahrgängen ihre Probleme hatten, die Übersicht zu behalten. Besonders wagemutig war ein Kamerad, der sich den Lehrern als „Henry Dupont“ vorstellte, vor allem, wenn er etwas ausgefressen hatte. Das flog erst auf, als der Klassenlehrer nachfragte, der mit dem Tadel im Klassenbuch für diesen „Mitschüler“ nichts anfangen konnte. Selbiger Mitschüler, ein begnadeter Turner, versteckte sich auch einmal während des Unterrichts im Stauraum des Lehrerschreibtischs, um sich mitten in der Unterrichtsstunde mit komischen Geräuschen bemerkbar zu machen, um dann vom verdutzten Lehrer entdeckt zu werden. Lustig war auch, als unser Musiklehrer zum Schuljahresende bei der Ankündigung der Endnote den Namen einer Mitschülerin aufrief, um mitzuteilen, dass er Ihr wegen nachlassender Beteiligung im zweiten Halbjahr nur noch eine „3“ geben könne. Kein Wunder: die Mitschülerin hatte nach dem ersten Halbjahr die Schule verlassen!

Haben Sie noch Kontakt zu Mitschülern?

Obwohl viele von uns Celle verlassen haben und wir uns deswegen nicht mehr regelmäßig in der Stadt über den Weg laufen können, kommen wir doch alle fünf Jahre im Frühjahr zu einem ausgedehnten Jahrgangstreffen zusammen, zu dem stets mehr als die Hälfte erscheinen. Noch intensiver ist der Kontakt über unseren „Tutor auf Lebenszeit“, der jahrgangsübergreifend einmal jährlich zu sich nach Hause einlädt.

Welches Fach hat Ihnen für Ihre spätere berufliche Laufbahn am meisten gebracht?

Ich bin davon überzeugt, dass die gute Grundausbildung, die ich in allen Fächern erhalten habe, ein sehr solides Fundament für meine berufliche Laufbahn gelegt hat. Meine Schwächen in der Mathematik sind selbst verschuldet und haben verhindert, dass ich ein naturwissenschaftliches Studium aufgenommen habe. Nach meiner Erfahrung ist das spezifische „Fach“ aber weniger entscheidend als das beim Schüler verfangende Angebot, „bei der Gelegenheit“ sein Potential so weit wie möglich zu entwickeln. Für mich war das häufiger der Fall, wenn ein Projekt unter Zeitdruck erfolgreich „abgeliefert“ werden musste. Das war vor allem in den Arbeitsgemeinschaften der Fall, zum Beispiel bei der Einstudierung eines Konzertprogramms, wo jahrgangsübergreifend und arbeitsteilig zusammen gearbeitet werden musste und es auf jeden Einzelnen ankam. Im Fachunterricht hatten damals einige progressive Lehrer derartige Methoden auch schon eingeführt.

Wo leben Sie heute und wie?

Nach Jahren häufiger Ortswechsel wurden meine Frau und ich mit Familiengründung in Frankfurt am Main sesshaft. Dort habe ich seither das Glück, spannende berufliche Aufgaben bei der Europäischen Zentralbank zu haben. Unsere beiden Jungs sind nach norddeutscher Art mit Erlangung der Volljährigkeit flügge geworden und die verkehrsgünstige Lage der Stadt erlaubte auch meiner Frau, den Familienwunsch mit einer befriedigenden beruflichen Karriere zu vereinbaren. Jetzt kommt die „lange Gerade“, wo wir hoffentlich noch viel von unserer Erfahrung einbringen und von den Nachfolgern noch lernen können.

Träumen Sie manchmal aus der Schulzeit und wenn ja was?

Ich weiß nicht, ob „träumen“ das richtige Wort dafür ist. Ich erinnere mich oft an einzelne Szenen, von denen ich überzeugt bin, dass sie meine Einstellung zum Leben geprägt haben. Viele dieser Szenen beziehen sich auf die sogenannten extracurricularen Aktivitäten, und hier besonders die Erfahrungen im Wettkampf und Konzerten. Es sind aber auch einige eindrucksvolle (Facetten von) Lehrerpersönlichkeiten, die engagiert und großzügig ihre Lebenserfahrung mit uns teilten. Ein Höhepunkt war die Rede zum Anlass unserer Abiturfeier mit dem vielsagenden Titel „Verzicht als sittliche Tat“, mit Hilfe dessen der Leiter des Leistungskurs Deutsch eindrucksvoll das Leitmotiv von drei Jahren Abiturvorbereitung herausarbeitete, das nach seiner Ambition der Lebensvorbereitung diente.

Wann haben Sie das letzte Mal das HBG besucht und aus welchem Anlass?

Im Sommer 2015 war ich auf Einladung der Schüler-AG Wirtschaft Gast des HBG. Unter Anleitung einer sehr engagierten Lehrerin haben sich an Wirtschaftsfragen interessierte Schüler zu Projekten zusammengefunden. Eins der Projekte war eine Podiumsdiskussion mit Oberstufenschülern zu Fragen der Europäischen Währungsunion, zu der ich als externer Experte eingeladen war. Teil der Aufgabe war auch die Öffentlichkeitsarbeit, inklusive eines Artikelentwurfs für die Cellesche Zeitung. Die Veranstaltung war sehr professionell vorbereitet und durchgeführt und bot auch Gelegenheit zu einer kleinen Schulbesichtigung. Neben vielem Bekannten habe ich auch mit Freude gesehen, dass das Schulgebäude weiter modernisiert wurde.

Wie ist Ihr Eindruck von der heutigen Schule im Jubiläumsjahr?

Ich kann mir kein Gesamturteil über die Schule erlauben. Bei meinem Besuch im Jahr 2015 war ich froh zu sehen, dass extracurriculare Aktivitäten weiterhin unterstützt werden. Die Schwerpunkte scheinen im Verlauf der Jahrzehnte zu wechseln, auch in Abhängigkeit der Interessen, Fähigkeiten und dem Engagement der Beteiligten. Ich bleibe dabei: Für die Identifikationskraft der Schule haben diese Arbeitsgemeinschaften eine herausragendes Potential.

Ist das Schulsystem, so wie wir es heute kennen, noch zeitgemäß oder was sollte sich Ihrer Ansicht nach ändern?

Zur Zeit beschäftige ich mich tatsächlich aus beruflichen Gründen mit der Zukunft des Lernens und des Schulbaus. Eine „Systemdebatte“ halte ich nicht für sinnvoll. Die Pisa-Studien zeigen, dass die Lernerfolge weniger vom „System“ abhängen. Ich sehe das zentrale Element in der Fähigkeit, den Schülern stets Angebote zu machen, die ihre natürliche innere Lernmotivation unterstützen. Das erfordert auch die Möglichkeit innerhalb von Klassen zu differenzieren und altersgruppenübergreifend und inklusiv Wissen zu erwerben und zu hinterfragen. Ich hoffe, dass ich bald an der Realisierung einer modernen Schule mitwirken kann.

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