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Celle Stadt Irgendetwas läuft schief, Brüder!
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Irgendetwas läuft schief, Brüder!
15:10 13.06.2010
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„Ich will mich nicht mehr von Quartalsberichten und Zielvereinbarungen knechten lassen, ich sehe doch, wo das hinführt!“, sagt der Mann, der unter Männern nicht nur Applaus für seine Entscheidung erntet.

„Normal“ ist Rolfs Entscheidung wirklich nicht. Wir Männer beißen uns lieber durch. Wir zwingen uns so lange mit Gewalt, in der Erfolgsspur zu bleiben, bis nur noch Gewalt als einziger Ausweg möglich scheint. Welcher Seelendruck muss auf Robert Enke gelegen haben, dass er sich in dieser Woche so gewaltsam das Leben nahm? Und wir hören jetzt, dass dreimal mehr Männer als Frauen den Selbstmord als einzigen Ausweg aus ihren Lebenskrisen „wählen“. Da läuft doch irgendetwas schief, Brüder!

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Ich finde, es ist höchste Zeit, dass wir anfangen, es den Frauen nachzutun. Die diskutieren über ihre Rolle in der modernen Gesellschaft schon seit 40 Jahren. Und das ist gut so! Aber was machen wir Männer eigentlich für uns? Für uns reicht ein Buß- und Bettag nicht aus. Der kann aber ein Anfang sein, in uns zu gehen und zu fragen: Woran hängen wir eigentlich unsere Männerherzen? Wie verrückt müssen wir nur sein, uns mit Haut und Haaren einer Sache zu verschreiben? Robert Enke hatte Angst, sagte seine Frau Teresa, er könne sein „ein und alles“, seinen Sport, verlieren. Aus dieser Denke spricht doch ein Totalitarismus, der nur in der Niederlage enden kann.

Mit aller Kraft für eine Sache kämpfen, sich bis zum Limit verausgaben, um ein Ziel zu erreichen, furchtlos gegen Drachen kämpfen – das sollte uns Männer auszeichnen. Aber wir müssen bei allem Eifer auch im Blick behalten, dass nichts auf der Welt unser Herz ganz in Beschlag nehmen darf. Keine Sache, kein Erfolg und kein Mensch. Die Bibel sagt, dass wir Gott als Zentrum brauchen. Sonst schieben sich die vergänglichen Dinge so in den Vordergrund, dass wir ihre Sklaven werden. Rolf hat mit seiner Entscheidung vorgemacht, wie einer seine „Ketten“ abschütteln kann. Zugegeben, er ist finanziell einigermaßen abgepolstert. Aber immerhin! Er hat verstanden, was es heißen kann, Buß- und Bettag zu feiern: Umkehren!

Uwe Schmidt-Seffers

Pastor in Nienhagen

Von Uwe Schmidt-Seffers