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Celle Stadt „Nachbar“ Matthias Brodowy gibt Anstöße
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Nachbar“ Matthias Brodowy gibt Anstöße
16:09 12.12.2018
Der Hannoveraner Kabarettist Matthias Brodowy gastierte mit seinem Programm „Bis es euch gefällt“ in der Kartoffelscheune von Hof Wietfeld in Bennebostel. Quelle: Peter Bierschwale
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Celle

Der Hannoveraner Kabarettist Matthias Brodowy und das Celler Publikum kennen sich gut, und es schwingt den Auftritten stets eine besondere nachbarschaftliche Nähe mit, zumindest, wenn man die Publikumsreaktionen beachtet. Sein Best-of-Programm „Bis es euch gefällt“ bereitete den Gästen in der ausverkauften Kartoffelscheune von Hof Wietfeld viel Spaß, gab aber auch interessante Anstöße. Zunächst wurde bei dieser Veranstaltung deutlich, dass der Generationswechsel vollzogen ist, denn nicht Jürgen Wippich hielt das Grußwort für „Kultur querbeet“, sondern der neue Leiter Carsten Dapper.

Gedanken-Experimente

Matthias Brodowy begann seinen Auftritt am Flügel mit einem Lied: „Manchmal frage ich, wer wäre ich, wenn nicht ich?“ Doch nach einigen Gedanken-Experimenten kehrte er versöhnlich auf den Boden der Tatsachen zurück: „Machen wir aus dem, was uns heute blüht, das Beste!“ Brodowy schreibt keine Schunkelmelodien, und seine Texte sind eher poetisch. Doch vor weiteren Liedern entführte er sein Publikum in die 70er Jahre, und erinnerte an das im Flur stehende olivgrüne Wählscheiben-Telefon mit Brokatüberzug. Das Publikum erinnerte sich gut und kicherte vor sich hin. Sein 12-jähriger Sohn habe ihn unlängst gefragt, was ein „Brokatüberzug“ sei. „Das ist wie eine Handy-Schale, nur in Analog“, habe er geantwortet. In den 70ern sei manches viel einfacher gewesen: „Sie konnten aus dem Haus gehen, ohne dass die Jacke klingelte oder die Hose vibrierte!“

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„AKK“ ist eine „blöde Abkürzung“

Annegret Kramp-Karrenbauer sei zur neuen CDU-Vorsitzenden gewählt worden, aber, fragte er: „Welcher ausländische Journalist soll das aussprechen?“ Wie einfach sei da „Trump“! Auch das „Merkel muss weg!“ sei gegangen. Aber was sollten die ostdeutschen Demonstranten denn zukünftig grölen? „AKK“ sei eine „blöde Abkürzung“. Zuweilen verwandelte sich Brodowy in einen leicht melancholischen Romantiker: Bei einem Spaziergang sei er einem alten Ehepaar begegnet: Die Frau habe auf der Querstange ihres Rollators gesessen, und ihr Mann habe sie geschoben. Als ehemaliger Zivi habe er erst das Ehepaar darauf hinweisen wollen, dass das „viel zu gefährlich“ sei, doch dann habe er sich gefragt, ob die beiden dies nicht seit ihrer Jugend zu hören bekommen hätten, wenn der Mann seine junge Freundin auf der Fahrradstange transportiert oder später dann mit dem Mofa mitgenommen habe.

„Stadt mit Keks“

Bei einem „Best-of“-Programm durfte natürlich Brodowys liebevoll-ironische Hannover-Hymne nicht fehlen: „Stadt mit Keks“. Da war das Publikum dicht am Text dran, denn die meisten Celler kennen sich ja bestens mit den von Brodowy genannten Örtlichkeiten aus: „Von wegen alles plattes Land. Wir haben doch auch den Lindner Berg.“

Von Peter Bierschwale

Gunther Meinrenken 12.12.2018
Gunther Meinrenken 12.12.2018
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