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Celle Stadt Karikaturen über die Wiedervereinigung
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Karikaturen über die Wiedervereinigung
14:13 13.06.2010
1+1 = EINS - Vier Karikaturen zeichnen die Vereinigung: Ein Besucher betrachtet Bilder der Ausstellung. Quelle: Peter Müller
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Die Bundeszentrale für politische Bildung hat vier Künstler gebeten, ihre Sichtweisen zur deutschen Einheit als Querschnitte für eine Wanderausstellung zusammenzustellen. Die Ausstellung mit 130 Arbeiten wurde von 2000 bis 2003 in 19 Städten gezeigt und befindet sich seit 2005 als Dauerleihgabe im Abgeordnetenhaus des Deutschen Bundestages.

Zwei „Wessis“, Walter Hanel aus Bergisch-Gladbach und Burkhard Mohr aus Königswinter/Oberdollendorf sowie zwei „Ossis“, Nel (Joan Cozacu) aus Erfurt und Rainer Schwalme aus Groß Wasserburg, haben mit den Mitteln der Überzeichnung ihre Gedanken zur Wiedervereinigung, deutsch-deutsche Stationen wie Euphorie, enttäuschte Erwartungen, andere Befindlichkeiten und jede Menge Klischees zum Ausdruck gebracht. Ob das neugeborene fette Kind Deutschland in den Armen von Kohl und Genscher, beäugt von einer skeptischen Weltöffentlichkeit (Hanel), After leckendes Anbiedern der Ossis bei den Wessis (Schwalme), der arbeitslose Ossi mit Bananen in der Plastiktüte, Stasi, Umwelt-Altlasten oder Regierungsumzug – im Brenn- und Zerrspiegel des Karikaturisten werden große Politik und kleine Menschlichkeiten demaskiert und pointiert. „Der Mensch“ schrieb einst Mirko Szewczuk, einer der begabtesten Karikaturisten der Nachkriegszeit, „hat die Gnade zu stolpern und derjenige, der ihn mit dem Zeichenstift dabei begleitet, ist der Karikaturist.“

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Während sich die Karikatur in der Bundesrepublik zum demokratischen Instrument der Presse- und Meinungsfreiheit entfaltete, wurde sie in der DDR zum Instrument der Propaganda domestiziert. Die DDR-Spitze durfte nicht karikiert werden, Glück, wenn die Zensoren die Spitzfindigleiten einer Zeichnung nicht verstanden. „Der besondere Reiz der Ausstellung entsteht durch die Gegenüberstellung jeweils einer Arbeit eines west- und ostdeutschen Künstlers“, erklärt Susanne McDowell vom Fachdienst Kultur.

Öffnungszeiten: Zu sehen in der Gotischen Halle im Celler Schloss bis 3. Dezember, dienstags bis sonntags von 10 bis 13 Uhr und 13.30 bis 17 Uhr.

Von Aneka Schult